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[Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern] Tag 28 – Der alte Mann und das Meer

Heute möchte ich Euch auf unserer Reise durch die Welt der Klassiker ein bisschen was über das Buch „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway erzählen (Original: „The Old Man and the Sea“). Ernest Hemingway hat diese Novelle auf Kuba geschrieben und sie wurde 1952 veröffentlicht. Es ist das letzte Werk, das noch zu Lebzeiten des Autors erschien und ist das wahrscheinlich bekannteste Werk von ihm, das die Geschichte des kubanischen Fischers Santiago erzählt, der mit einem Marlin ringt.

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Der sonst sehr erfahrene und erfolgreiche Fischer Santiago hat seit 84 Tagen keinen einzigen Fisch mehr gefangen, sodass er sich am 85. Tag ganz allein weit in den Golf hinaus wagt. Am Mittag beißt tatsächlich ein großer Marlin an und Santiago kann diesen nicht in das Boot hieven, weil er zu groß und zu stark ist. Der Kampf zieht sich über zwei Tage und Nächte hin und Santiago hält die ganze Zeit über die schneidende Leine in seinen mitgenommenen Händen umklammert. Wegen der schmerzenden Wunden und all der Qualen, die Santiago wegen des Marlin erleidet, entwickelt er eine innere, geistige Verbundenheit zu dem Fisch und beginnt, ihn Bruder zu nennen.

Am dritten Tag des Kampfes beginnt der Marlin zu kreisen, ein Zeichen der Erschöpfung, woraufhin Santiago seine Harpune ergreift und den Fisch damit tötet. Santiago will den Fisch mit nach Hause nehmen und dort für einen guten Preis verkaufen, doch während er über sein Anliegen und die vergangenen Tage nachdenkt, kommt der Fischer zu dem Schluss, dass der Marlin eine solche Würde besitzt, dass kein Mensch das Recht hat, diesen zu verspeisen.

15526658024_3e1d2c51fcDurch das Blut, das der Marlin verliert, wird eine Vielzahl von Haien angezogen, die Santiago jedoch töten kann, bis er dabei alle seine Waffen verloren hat. Schließlich hat er keine Möglichkeit mehr, seine Beute zu verteidigen, sodass er letztlich nur mit dem abgefressenen Skelett in sein Heimatdorf zurück kehrt, wo er in einen tiefen Schlaf verfällt.

Am nächsten Tag finden ihn die anderen Fischer und machen sich Sorgen um ihn. Sein alter Freund Manolin, der ihn wegen den vielen Fehlschlägen verlassen hat, kehrt zu ihm zurück und die beiden versprechen sich, wieder zusammen zu fischen. Santiago verfällt wieder in tiefen Schlaf und träumt von Löwen an einem afrikanischen Strand.

In seiner Geschichte verarbeitet Hemingway auch religiöse Motive, die grob gesehen vor allem mit dem Schicksal Hiobs aus dem Alten Testament und Episoden aus dem Leben Christi Übereinstimmungen aufweisen, denn die Geschichte Santiagos verweist vor allem auf die Themen der Versuchung, des Ausharrens und der Bewährung.

Intertextuell gesehen verweist die einsame Suche des Fischers bzw. der Akt des Fischfangs auf intertextueller Eben auf Ahabs Kampf mit dem weißen Wal in Melvilles „Moby Dick“.

Es klingen aber auch sozialkritische Aspekte in HemingwaysDer alte Mann und das Meer“ an, er spielt mit Ansehen und Ablehnung und dem Kampf um das Überleben, die vor allem durch die Figur des Manolin wiedergespiegelt werden.

Auch die Motivik des Traums spielt eine wichtige Rolle. In ihnen verarbeitet Hemingway die Problematik des inneren Selbstvertrauens durch Santiago. In der Realität zeigt der Fisch dem alten Mann seine Stärken, aber auch seine Grenzen auf, die er anerkennt und akzeptiert.

Es wurden im Laufe der Zeit eine Menge Vermutungen darüber angestellt, wer als Vorbild fürthe_old_man_and_the_sea_cover_by_bhjoco die Figur des Fischers Santiago gedient haben könnte. Biographen Hemingways sind sich weitestgehend einig, dass es sich um den kubanischen Fischer Gregorio Fuentes gehandelt hat. Hemingway selbst jedoch sagte einmal in einem Interview, dass der alte Mann in seiner Geschichte keiner bestimmten Person des realen Lebens nachempfunden sei, also im Grunde nur eine Verkörperung eines jeden einzelnen Menschen dieser Welt ist.

1953 erhielt Hemingway für seine Novelle den Pulitzer-Preis in der Kategorie Romane. Außerdem erhielt er den Award of Merit Medal for  the Novel und 1954 sogar den Nobelpreis für Literatur.

Er wurde außerdem mit seiner Novelle in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen, wo sich neben Hemingway auch die Bibel, Homer, Platon, Vergil und Dante Alighieri finden.

Wer keine Lust hat, die Novelle selbst zu lesen, kann sich eine der zahlreichen Verfilmungen anschauen, um ein Gefühl für dieses kanonische Werk zu bekommen.

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