Rezension

Shadowshaper 01 – Stadt der tanzenden Schatten von Daniel José Older

Stadt der tanzenden SchattenDer Autor: Daniel José Older
Die Übersetzerin: Sophie Zeitz
Originaltitel: Shadowshaper (Shadowshaper #1)
Dt. Titel: Stadt der tanzenden Schatten
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 26.05.2017
Verlag: CARLSEN
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch | Urban Fantasy

Endlich Sommer. Sierra freut sich auf entspannte Tage mit ihren Freunden und auf ihr erstes großes Kunstprojekt: ein Drachen-Wandbild. Doch als bei einer Party ein Toter auf sie zustolpert, ihr Großvater plötzlich wirres Zeug redet und eins der Porträts an Brooklyns Häuserwänden Tränen weint, ist klar, dass diese Ferien alles andere als entspannt werden. Durch den Sprayer Robbie erfährt Sierra auch warum: Sie gehört zur geheimen Zunft der »Shadowshaper«, d.h. sie kann mit den Geistern ihrer Ahnen Bilder zum Leben erwecken. Aber jemand hat es auf Leute wie sie abgesehen!

Meine Meinung

Stadt der tanzenden Schatten“ von Daniel José Older ist ein außergewöhnliches Jugendbuch, das nicht nur originelle fantastische Elemente aufweist, sondern sich auch mit Themen wie Rassismus und Rassenidentität auseinandersetzt.

Davon abgesehen ist es aber erst einmal ein sehr kurzweiliges Lesevergnügen. Mit seinen nur 300 Seiten, den kurzen Kapiteln und dem flotten, kessen Schreibstil fliegt man geradezu durch die Seiten. Auch der Plot ist durchweg temporeich und die Charaktere werden ebenso durch ihr Abenteuer gehetzt wie der Leser.

Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber angenehm. Hier und da komplette Sätze auf Spanisch, viele kulturelle Eigennamen und Slang in Dialogen zwischen den Jugendlichen – da kommt einiges zusammen. Da die oft so ungeliebte Jugendsprache wirklich nur in den Dialogen auftritt, hat sie mich nicht gestört und da ich Spanisch spreche, empfand ich die fremsprachigen Einschübe als authentisch und angenehm. In der Regel erklärt sich das Gesagte auch im Kontext oder wird frei übersetzt, doch ich könnte mir vorstellen, dass es für Leser, die noch nie mit Spanisch in Berührung kamen, ein wenig nervig sein könnte.

Der Plot ist sehr abwechslungsreich, etwas gehetzt und durchweg spannend. Durch das hohe Erzähltempo wirkte er auf mich jedoch oft oberflächlich und gerade der Schluss erschien mir zu schnell und zu leicht. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass es noch mindestens zwei weitere Bände geben wird, was erklärt, wieso sich die Geschichte nur so lose abgewickelt angefühlt hat. Sollte man allerdings keine Lust auf eine Reihe haben, kann man „Stadt der tanzenden Schatten“ getrost auch als Standalone lesen.

Das Einzige, das mir Schwierigkeiten bereitet hat, war bedauerlicherweise die fremde Kultur. Dabei war es das, worauf ich mich am meisten gefreut habe. Diversität in Büchern ist so wichtig und ich möchte eben mehr davon lesen und mehr über fremde Kulturen erfahren. Liebend gerne auch aus der Sicht ethnisch diverser Protagonisten. Doch letzten Endes bin ich eben nur eine unwissende, weiße Deutsche, deren Erfahrung mit der Afroamerikanischen oder der Hispano-Kultur sich auf das beschränkt, was man in Büchern und anderen Medien darüber erfährt. Die „fremdländischen“ Menschen in meinem Umfeld sind so deutsch wie ich, ganz gleich, woher ihre Eltern einst kamen.

Wenn sich Sierra nun als Puerto-Ricanerin vorstellt, habe ich das Bild einer Hispana vor Augen – irgendwo muss meine Vorstellung ja anfangen. Ich habe auch bei weißen Charakteren immer Standartvorlagen im Kopf bis der Autor mir mehr Details liefert. Einige Seiten später kam Sierra dann auf ihren Afro zu sprechen und irgendwann darauf, dass ihre Haut wie „Kaffee mit zu wenig Milch“ sei. Google, mein Freund und Helfer, klärte mich dann über die Bevölkerung Puerto Ricos auf, aber das hätte ich mir eben von Daniel José Older gewünscht, Als dann auch noch Sierras Tante rassistische Äußerungen über Menschen mit dunkler Hautfarbe vom Stapel lässt, war ich völlig verwirrt. Bis Sierra (erst einige Kapitel später) ihre Tante zur Rede stellt und ihr vorwirft, nicht weiß zu werden, nur weil man sich wie eine Weiße verhält. Gut, ich hätte es auch komisch gefunden, wenn ihre Tante weiß wäre und dann rassistische Äußerungen gegenüber ihrer braunen oder schwarzen Nichte ablässt, aber sie könnte ja auch eine angeheiratete Tante sein oder nur Tía genannt werden, obwohl überhaupt gar keine verwandtschaftlichen Verhältnisse bestehen. Kommt alles vor und bei den Massen an Figuren in der Geschichte, hätte mich das auch nicht verwundert. Jedenfalls empfand ich als Unwissende so einiges als verwirrend und hätte mir mehr Erklärungen gewünscht, statt Fakten oder Darstellungen, von denen der Autor wohl annahm, alle Leser wüssten, was gemeint ist.

Auch nimmt Musik und Tanz eine große Rolle in diesem kleinen Büchlein ein. Wer es mag, wird sich daran erfreuen, ich kann damit nie etwas anfangen. Dafür kenne ich mich einfach zu wenig aus und mir fehlt die Vorstellungskraft, Melodien oder Rhythmen nur aufgrund von Beschreibungen zu „visualisieren“.

Fazit

Daniel Jose Olders „Stadt der tanzenden Schatten“ ist ein spannendes und außergewöhnliches Jugendbuch, das ich jedem empfehlen würde, der nach einem Buch abseits der Norm sucht. Es ist schnell gelesen, bietet originelle Fantasy-Elemente und befasst sich mit Themen wie Rassissmus. Der Ausflug in diese für mich fremde Kultur war wahnsinnig spannend, aber ich hätte mir doch mehr Erklärungen gewünscht. Insgesamt bin ich aber doch sehr positiv angetan und freue mich schon auf die Fortsetzungen. Wer einen Standalone erwartet und keine Lust auf eine weitere Reihe hat, kann dieses Buch jedoch auch getrost als Einzelband lesen. Gute 4/5 Bücher!

Der Autor

Daniel José Older lebt in Brooklyn. Er ist Autor und Herausgeber, organisiert Workshops und komponiert. Seine Band Ghost Star tritt regelmäßig in und rund um New York auf. Was er in in vielen Jahren als NYC-Rettungssanitäter erlebt hat, was er über das Schreiben denkt und wie seine Musik klingt, kann man auf ghoststar.net und @djolder herausfinden.

Die Reihe

Shadowshaper-Trilogie

  1. Stadt der tanzenden Schatten | Shadowshaper (Shadowshaper #1) → CARLSEN, Mai 2017
  2. –  –  – | Ghost Girl in the Corner (Shadowshaper #1.5) → Arthur A. Levine Books, Nov. 2016
  3. –  –  – | Dead Light March (Shadowshaper #1.6) → Arthur A. Levine Books, Jun. 2017
  4. –  –  – | Shadowhouse Fall (Shadowshaper #2) → Arthur A. Levine Books, Sep. 2017
  5. –  –  – | –  –  – (Shadowshaper #3) → Arthur A. Levine Books, 2018

Originalcover

Shadowshaper

2 Gedanken zu „Shadowshaper 01 – Stadt der tanzenden Schatten von Daniel José Older

  1. Sandra von Hörnchens Büchernest

    Huhu Rica,

    ich kann deine Kritikpunkte verstehen.
    Da du Spanisch sprichst war das dann ja quasi für dich ein Heimspiel 😉 Ich fand man konnte nicht jeden Satz aus dem Kontext heraus verstehen. Von daher fand ich es leider sehr nervig 🙁 Ich stimme dir zu, dass das Tempo der Geschichte ziemlich hoch war und daher einiges verloren gegangen ist.

    Liebe Grüße
    Sandra

    Antworten

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