[Rezension] Imperia – Im Schatten des Drachen von Laurin Dahlem

Der Autor: Laurin Dahlem
Dt. Titel: Imperia – Im Schatten des Drachen
Dt. Erstausgabe: 29.01.2016
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 320

ISBN-10: 3941864610
ISBN-13: 978-3941864610

Preis: 14,80 €
Der junge Landadlige Hao hat nur ein Ziel: der Kaisergarde beizutreten und dem Kaiserreich im Kampf gegen die rebellischen Yin beizustehen. Als sich sein Wunsch endlich erfüllt, ist sein Leben scheinbar perfekt. Doch bald schon kommen ihm erste Zweifel am unerbittlichen Regime des Kaisers, der alle Yin brutal auslöschen lässt. Bevor er sich versieht, wird Hao in ein Machtspiel aus Verrat, Intrige und Mord am Kaiserhof hineingezogen. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Kyu-Sung, Bastardsohn des Kaisers, der Gefühle in Hao weckt, die er sich lange nicht eingestehen will.

Meine Meinung

Imperia – Im Schatten des Drachen“ von Laurin Dahlem ist ein im asiatischen Raum angesiedelter High-Fantasy-Roman, der mich positiv überraschen konnte.

Der Autor hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der es dem Leser leicht macht, sich in die Geschichte einzufinden. Beschreibungen gehen ihm gut von der Hand; sie sind detailliert, aber doch so dezent, das man sie kaum bewusst wahrnimmt. Durch die flüssige Erzählweise kommt man gut voran, sodass sich die rund 320 Seiten auch gut an einem Tag lesen lassen.

Erzählt wird die Geschichte im personalen Erzählstil hauptsächlich von Hao, dem ewig suchenden Protagonisten. Er ist ein netter Kerl, der sich noch nicht ganz ausgereift anfühlt. Ich bin mir nicht sicher, ob das Alter je erwähnt wurde, aber gerade zu Beginn hatte ich doch immer das Bild eines schlaksigen Teenagers vor Augen. Insgesamt ist er definitiv zu unsicher und in vielerlei Hinsicht auch vorschnell, dafür zeichnet er sich allerdings dadurch aus, dass er Missstände hinterfragt und nicht blind alles akzeptiert. Er ist eine Figur, die man zwar gerne mal belächelt, aber im Grunde trotzdem bewundern muss.

Die ihm zur Seite gestellten Figuren, sowie die ihm gegenübergestellten Widersacher, sind mal mehr mal weniger gut ausgearbeitet – je nach Bedarf. Wirklich Zugang bekam ich allerdings nur zu Hao, obwohl es auch wenige andere Perspektiven gibt. Ein steter Quell der Freude ist Haos Ankh-Nasgath, LiFei. Er ist sein Seelengefährte, ein Spiegelbild seiner Natur und Symbol für seine innere Kraft. Geist und Mensch sind untrennbar miteinander verbunden; stirbt der eine, so stirbt auch der andere. Mit seinem vorlauten Mundwerk und seiner Faulheit ist LiFei für uns Leser vor allem eines: ein Running-Gag, der das Geschehen immer wieder aufzuklockern vermag.

Die Geschichte selbst ist sehr atmosphärisch und auf eine ruhige Art spannend. Zwar gibt es Kämpfe, Herausforderungen und brenzlige Situationen, doch Gespräche und Gedanken liegen eindeutig im Fokus. Gleichgeschlechtliche Liebe spielt eine zentrale Rolle und wird auch stetig auf die ein oder andere Weise thematisiert. Die meiste Zeit über gefiel mir der Umgang des Autors mit dieser Thematik auch wirklich sehr gut, manchmal war es dann aber doch etwas viel. Nur weil der Protagonist homosexuell ist, muss nicht gleich die komplette Kaisergarde homo- oder bi-sexuell sein. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dasss in Dahlems fiktivem Imperia Sexualität etwas Fließendes ist; dass es um die Menschen geht, nicht das Geschlecht. Ein schöner Gedanke, oder? Dann jedoch fiel plötzlich ein Satz, der es zu einem Tabu machte. Irgendwo wird sogar erwähnt, dass Kaisergardisten vertraglich dazu verpflichtet seien, Kinder zu zeugen. Muss der Kaiser solche Gesetze aufstellen, weil es zu wenig heterosexuelle Paare gibt oder tut er das, weil es das gewünschte Ideal ist? Interpretiere ich vielleicht zu viel hinein? 

Gut möglich, dass ich mich in Überlegungen verrannt habe, weil ich mich für die Blogtour viel intensiver mit dem Buch auseinandergesetzt habe. Davon abgesehen habe ich „Imperia – Im Schatten des Drachen“ definitiv genossen und letztlich auch an einem Abend durchgelesen. Ab einem gewissen Punkt konnte ich einfach nicht mehr aufhören und auch wenn (vielleicht auch weil) mir das Ende in mancher Hinsicht zu schwammig war, war ich doch etwas wehmütig als es vorbei war.

Fazit

Laurin Dahlems „Imperia – Im Schatten des Drachen“ ist ein atmosphärischer Roman, der mich definitiv positiv überraschen konnte. Ein schöner Schreibstil, ein wundervolles Setting und eine gute Idee sorgen für ein solides Gesamtpaket, das gute Unterhaltung verspricht. Neben dem Kampf um „Imperia“, spielt Homosexualität eine sehr große Rolle, was den Großteil über auch sehr gut verarbeitet wurde. An manchen Stellen jedoch ist der Autor für mein Befinden übers Ziel hinausgeschossen oder hat widersprüchliche Signale gesendet, die mich noch immer beschäftigen. Empfehlenswert ist dieser Roman aber allemal – gute 4/5 Bücher!

Der Autor

Der Autor Laurin Dahlem lebt, arbeitet, liest und schreibt in Süddeutschland. Die phantastischen Welten der Literatur sind seine große Leidenschaft, und er wird nicht müde, sich immer wieder neue auszudenken.

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