1552764_10201208857372563_1675592057_png-3

[Rezension] All die verdammt perfekten Tage von Jennifer Niven

Die Autorin: Jennifer Niven
Die Übersetzerin: Alexandra Ernst
Originaltitel: All the Bright Places
Dt. Erstausgabe: 28.12.2015
Verlag: Limes
Format: Paperback
Seitenzahl: 400

ISBN-10: 3809026573

ISBN-13: 978-3809026570
Preis: 14,99 €

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…

Meine Meinung

All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven ist zurzeit in aller Munde – und das zu Recht.
Erzählt wird die Geschichte zweier Teenager, die aus unterschiedlichen Gründen dem Tode näher sind als dem Leben. Auf einfühlsame Weise eröffnet Niven uns tiefe Einblicke in die gepeinigte Seele eines depressiven Menschen. Was es bedeutet, vom absoluten Hoch in die bodenlose Tiefe abzustürzen, und wie schwer es ist, diesem dunklen Ort zu entfliehen – vor allem dann, wenn niemand einem zu Hilfe eilt.
Selbstmord ist auch heute noch mit einem Stigma behaftet; psychische Erkrankungen werden nur selten anerkannt. In den wenigen Fällen, in denen es „akzeptiert“ wird, landet man in einer Schublade und wird nur noch auf diese Erkrankung reduziert. Häufiger mutiert man zum „Freak“ – und landet auch dort in einer Schublade, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.
So ergeht es Finch, der in der „Freak“-Schublade gefangen ist und aus Angst davor, in einer weiteren Schublade zu landen, keine Hilfe annehmen will. So weit hätte es nie kommen müssen, das ist schnell klar, aber auf diese Weise wird dem Leser konsequent vor Augen geführt, was man alles falsch machen kann. Doch Theodore Finch ist so viel mehr als eine Zurschaustellung unserer Fehler; er ist die wundervollste Romanfigur, die mir je „begegnet“ ist.
Er ist schillernd, morbid-romantisch, extrem. Er ist anders, aber im Grunde weiß er nur selbst nicht, wer er ist. Er schlüpft in die verschiedensten Rollen, probiert sich aus und sieht die Welt mit ganz anderen Augen. Ich habe mich sofort in ihn verliebt und werde ihn wohl nie vergessen.
Violet fällt dagegen ganz schön blass aus, aber wie könnte sie auch nicht? Im Vergleich zu Finch erscheint alles bisher Gelesene blass und flach. Nichtsdestotrotz ist ihre Perspektive nicht weniger wichtig. Sie ist ebenfalls depressiv, was sich allerdings auf ein ganz spezielles Ereignis zurückführen lässt: den Tod ihrer Schwester. Violet trägt „die Schuld der Überlebenden“ – ihr ist stets die Opfer-Rolle zugedacht während Finch auf verquere Weise immer wieder zum „Täter“ wird.

In „All die verdammt perfekten Tage“ treffen diese beiden Teenager aufeinander und helfen sich, teils unbewusst, dabei, wieder ins Leben zurückzufinden. Ganz ungezwungen und einfühlsam erzählt uns Niven diese anrührende Geschichte und lässt uns diese abwechselnd aus der Sicht von Finch oder Violet erleben. Durch die Mischung aus Jugendbuch-Charme und melancholischer Poesie wird dieser Roman zu einem richtigen All-Ager.

Bei dem mutigen Ende werden sich wohl die Geister scheiden, wobei für mich von Anfang an feststand, dass es so oder zumindest ähnlich ausgehen müsste. Und auch wenn ich viele Tränen vergossen habe, ist es genau so perfekt. Die Autorin möchte uns auf etwas aufmerksam machen und ein 0-8-15-Ende würde niemanden aufrütteln. Außerdem wäre alles andere Heuchelei und „All die verdammt perfekten Tage“ besticht vor allem durch seine Ehrlichkeit.

Im Zuge der Geschichte finden sich unzählige Zitat-würdige Passagen, aber mir blieb vor allem der folgende Satz aus der Anmerkung der Autorin im Gedächtnis:

Zur Beerdigung eines Selbstmörders bringt man nur selten Blumen mit.

Fazit

Jennifer Nivens „All die verdammt perfekten Tage“ ist ein wunderschöner Roman, der zutiefst berührt. Die Autorin hat einen bezaubernden Schreibstil – gleichzeitig schwermütig und leichtfüßig. Die Charaktere waren absolut perfekt und vor allem Finch werde ich wohl nie vergessen. Die Geschichte ist einfühlsam und ehrlich; voller kleiner und großer Botschaften, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Ich reihe mich mit Freuden bei all den Lobpreisenden ein: 5/5 Bücher!

Die Autorin

Jennifer Niven wuchs in Indiana auf, dort, wo auch All die verdammt perfekten Tage spielt. Mit der herzzerreißenden Liebesgeschichte von Violet und Finch hat sie Verlage in aller Welt begeistert – die Rechte wurden in 32 Länder verkauft. In den USA stieg All die verdammt perfekten Tage sofort auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste ein, eine Hollywoodverfilmung ist ebenfalls in Planung. Heute lebt die Autorin mit ihrem Verlobten und ihren »literarischen« Katzen in Los Angeles, wo sie 2000 das Schreiben zu ihrem Hauptberuf machte.
www.jenniferniven.com

Originalcover

8 Gedanken zu „[Rezension] All die verdammt perfekten Tage von Jennifer Niven

  1. Favola

    Huhu Rica

    Ach, ich habe ja so lange darum herumstudier und mich dann für meinen SuB und gegen dieses Buch entschieden. Mir jeder positiven Bewertung bereue ich meine Entscheidung jedoch mehr. Naja, ich habe ja noch Buchgutscheine von Weihnachten …. aber erst möchte ich wirklich meinen SuB etwas abarbeiten ….

    lg Favola

    Antworten
    1. Rica

      Hallo, meine Liebe!
      Sowas passiert uns doch allen mal. Ich habe auch so viele Highlights verpasst und musste sie nachholen…und manche davon liegen immer noch auf dem SuB oder stehen auf der Wunschliste. Traurig. Na ja, wer weiß? Vielleicht darf es schneller bei Dir einziehen als Du denkst… 😉

      Antworten
  2. BeaSwissgirl

    Halli hallo

    Bei mir hat es nicht ganz für die 5 Sterne gereicht, vier sind es schlussendlich geworden.
    Ein wirklich eindrückliches Debüt, Abzug hat es von mir gegeben, da die Liebesgeschichte für mich nicht fühlbar war und es doch so einige Durststrecken gab.

    Liebe Grüsse
    Bea

    Antworten
    1. Rica

      Ich verstehe Deine Kritik, aber ich finde, dass die Gefühle so viel authentischer waren. Diese große Liebe mit all den großen Gefühlen ist im Teenager-Alter ja eher eine Erfindung der Literatur 😀 Durststrecken kamen bei mir allerdings gar nicht auf 🙂

      Antworten
  3. Katja Wolke

    Ich habe so viele tolle und absolut begeisterte Rezensionen zu diesem Buch gelesen und als es dann bei uns als Leseexemplar kam und auch noch Buch des Monats im Januar sein sollte, war meine Neugierde geweckt. Doch irgendwie waren meine Erwartungen wohl zu groß. Klar es war eine besondere Geschichte, die vor allem durch ihre Protagonisten lebt und mal etwas ganz anderes ist. Aber es konnte mich eben einfach nicht komplett begeistern, also schon irgendwie aber nicht so auf diese Art.
    Vielleicht kann man es ganz gut mit "Eleanor & Park" oder "Love Letters to the dead" vergleichen.

    Liebe Grüße,
    Katja 🙂

    Antworten
    1. Rica

      Ich lese sowas ja so gut wie nie, deshalb habe ich zumindest nicht diesen inneren Drang gehabt, es mit anderen Werken zu vergleichen. Ansonsten kenn ich das aber gut, dass Hypes Bücher für die Späteinsteiger kaputt machen können…

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *