Rezension

[Lisa’s Rezension] Buchland von Markus Walther

BuchlandDer Autor: Markus Walther
Dt. Titel: Buchland
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 18. März 2013
Verlag: Acabus
Genre: Fantasy

Dieses Antiquariat ist nicht wie andere Buchläden! Das muss auch die gescheiterte Buchhändlerin Beatrice feststellen, als sie notgedrungen die Stelle im staubigen Antiquariat des ebenso verstaubt wirkenden Herrn Plana annimmt. Schnell merkt sie allerdings, dass dort so manches nicht mit rechten Dingen zugeht: Wer verbirgt sich hinter den so antiquiert wirkenden Stammkunden „Eddie“ und „Wolfgang“? Und welche Rolle spielt Herr Plana selbst, dessen Beziehung zu seinen Büchern scheinbar jede epische Distanz überwindet?
Doch noch ehe Beatrice all diese Geheimnisse lüften kann, gerät ihr Mann Ingo in große Gefahr und Beatrice setzt alles daran, ihn zu retten. Zusammen mit Herrn Plana begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch das mysteriöse Buchland. Dort treffen sie nicht nur blinde Buchbinder, griechische Göttinnen und die ein oder andere Leseratte, auch der Tod höchstpersönlich kreuzt ihren Weg.
Und schon bald steht fest: Es geht um viel mehr, als bloß darum, Ingo zu retten. Vielmehr gilt es, die Literatur selbst vor ihrem Untergang zu bewahren!

Meine Meinung

Ich freue mich immer darüber, wenn ich einmal ein neues Buch lese, bei dem die Idee sich von anderen Büchern abhebt und nicht eine dieser alltäglichen Geschichten ist, die wir schon zu Haufe gelesen haben. Buchland von Markus Walther war für mich ein solches Buch. Natürlich ist es nicht das erste, das mich in eine andere, bibliophile Welt entführt hat, diese besondere Erfahrung habe ich schon mit Michael Ende, Walter Moers und Jasper Fforde gemacht, doch für mich reiht sich nun Markus Walther in diese Kette ein. Mehr als einmal habe ich mich beim Lesen in das Antiquariat von Herrn Plana gewünscht, denn ist eine solche Welt nicht genau das, was wir Vollblut-Bücherwürmer uns wünschen? Zwischen den Figuren unserer liebsten Bücher zu leben, Seite an Seite mit den Erfindern all der fantastischen Welten?

Schon zu Beginn des Buches habe ich mehr als einmal Herzrasen bekommen, denn Markus Walther verarbeitet in seinem Buchland eine ganze Palette verschiedenster intertextueller Bezüge. Ich konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich es mir in diesem Moment gewünscht habe, um zu erkunden, wie genau er Klassiker der Weltliteratur mit seiner Geschichte verwoben und unterschiedlichste Motive dabei verwendet hat. Sei es Borges‘ Bibliothek von Babel, der Faden der Ariadne, oder auch Pegasus um nur einige der unzähligen Elemente zu nennen. Da schlägt mein Komparatisten Herz natürlich höher. Aber nicht nur die „alten Schinken“, sondern auch neuzeitlichere Literatur findet ihre Verewigung in Markus Walthers Zeilen.
Es hat so viel Spaß gemacht das Buchland mit all seinen Facetten zu erkunden und immer wieder neue Ideen der Umsetzung zu finden.

Auch gibt es meiner Meinung nach einige philosophisch anmutende Gedanken in Bezug auf die Frage der Autorschaft, den Umgang mit Texten, die Entwicklung des Mediums und noch einige weitere Themen zur Geschichte der Literatur. Vieles klingt an so mancher Stelle an und regt den Leser dazu an, sich weiterführende Gedanken zu machen, denn genau diese Ansätze scheinen nicht zufällig an genau der Stelle platziert zu sein, an der sie stehen.

Herr Plana, der Antiquar, hat für mich eine lehrende Rolle in der Geschichte um das Buchland erhalten, denn meist ist er es, der sich seinem Schützling Beatrice annimmt und ihr die verschiedensten Denkanstöße gibt. Auf diese Weise macht Beatrice eine erstaunliche Entwicklung durch, sie entwickelt sich weiter, gewinnt an Stärke und Selbstvertrauen.
Herrn Plana umgibt jedoch auch eine gewisse Mystik, denn ebenso wie er der Hüter des Buchlandes zu sein scheint, scheint auch andersherum eine gewisse Abhängigkeit seinerseits zu bestehen. Für ihn sind die Geschichten eine Art Lebenselixier, das er benötigt wie andere die Luft zum Atmen. Für mich war er eigentlich auch immer mehr eine väterliche Figur, doch an vielen Stellen im Text blitzte für mich eine andersartige Bindung zwischen ihm und Beatrice durch, die ich ein wenig befremdlich und unangemessen fand, die jedoch nie eine explizite Ausformulierung erhält.

Beatrice selbst war mir zu Beginn sehr sympathisch, obwohl sie verzweifelt und eingeschüchtert war. Doch gerade diese Wesenszüge haben sie so authentisch wirken lassen. Als sie sich mit Hilfe von Herrn Plana zu einer selbstbewussteren Figur entwickelt und den Kampf um Ingo, ihren Freund, aufnimmt, wurde sie für mich zunehmend unliebsamer. Sie verfiel ihrer Allmächtigkeit, die ich nicht näher ausführen möchte, um nichts von der Handlung vorweg zu nehmen, und ich empfand sie als boshaft und anstrengend.

Im Mittelteil hatte ich das Gefühl, dass die Handlung zwar voranschreitet, aber nicht den Spannungsbogen voll aufrecht gehalten hat. Vielmehr verliert Markus Walther sich für meinen Geschmack ein wenig zu sehr in Beschreibungen. Im letzten Drittel des Buches hat die Handlung dann aber doch wieder an Fahrt aufgenommen und ist in einem mannigfaltigen Ende gegipfelt.

Fazit

Buchland von Markus Walther ist wahrlich eine Hommage an das geschriebene Wort, man spürt die Liebe des Autors in jeder Zeile. Doch ebenso findet sich auch die ein oder andere versteckte Kritik, was dem Buch neben der Intertextualität, den Zitaten und dem Humor nur noch mehr Vielfalt schenkt.

Dieses Buch muss man definitiv mehrmals lesen, um es in seinem vollen Ausmaß zu begreifen und es wird sicherlich jedes Mal ein neues Leseerlebnis. Da ich nur einige wenige Kritikpunkte habe, die sich auf die Figur der Beatrice und den etwas abgeflachten Mittelteil beziehen, gebe ich diesem Buch 4/5 Büchern und bin schon sehr gespannt auf die Rückkehr ins Buchland!

Lisa's Signature

Der Autor

Markus Walther, geboren 1972 in Köln, lebt seit 2006 mit seiner Frau und zwei Töchtern in Rösrath. Als ausgebildeter Werbetechniker begeisterte er sich bald für die Schriftgestaltung und machte sich 1998 als Kalligraph selbstständig. Der Schwerpunkt seiner schriftstellerischen Arbeit liegt in der Gattung der Kurz- und Kürzestgeschichte. Die Gratwanderung zwischen Klischee und Pointe, Independent und Mainstream führt ihn seither quer durch sämtliche Genres der Bücherwelt.

Die Reihe

Buchland-Trilogie

  1. Buchland → Acabus, Mrz. 2013
  2. Beatrice – Rückkehr ins Buchland → Acabus, Okt. 2015
  3. Bibliophilia – Das Ende des Buchlands → Acabus, Okt. 2017

Ein Gedanke zu „[Lisa’s Rezension] Buchland von Markus Walther

  1. Pingback: Buchland von Markus Walther | Literaturrezensionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *