Jane Austens Northanger Abbey von Val McDermid

Jane Austens Northanger AbbeyDie Autorin: Val McDermid
Die Übersetzerin: Doris Styron
Originaltitel: Northanger Abbey
Dt. Titel: Jane Austens Northanger Abbey
Dt. Erstausgabe: 11.01.2016
Verlag: HarperCollins Germany
Genre: Adaption | Belletristik
Hardcover | 19,90 €
eBook | 15,99 €

Lesen ist gefährlich! Zu gern verliert die 17-jährige Pfarrerstochter Cat Morland sich in der Welt der Bücher und träumt von aufregenden Abenteuern. Die sie im ländlichen Piddle Valley niemals finden wird! Doch dann darf sie ihre Nachbarn, die Allens, zu einem Kulturfestival nach Edinburgh begleiten. Wo sie nicht nur unerwartet in Bella Thorpe eine neue Freundin findet, sondern sich in den jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt Henry Tilney verliebt. Als Henry und seine Schwester Eleanor sie auf den schönen, aber düsteren Familiensitz Northanger Abbey einladen, geht Cats Fantasie mit ihr durch. Was, wenn hier ein Verbrechen stattgefunden hat? Und tatsächlich wird es für sie gefährlich – wenn auch auf unerwartete Weise.

Meine Meinung

Northanger Abbey“ von Val McDermid setzt die klassische Geschichte von Jane Austen in einen modernen Kontext.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher nur „Stolz und Vorurteil“ gelesen habe. Die Geschichte liebe ich und auch das Buch hat mir gefallen, aber es ist doch schon so lange her, dass ich mich kaum noch an den Austen-Stil erinnere.

So kann ich nicht beurteilen, ob „Northanger Abbey“ eine gelungene Adaption ist oder inwieweit der Plot mit dem des Originals übereinstimmt; ich habe nur die Meinung einer unvoreingenommenen Leserin im Angebot.

Als solche fühlte ich mich auch durchaus gut unterhalten. Ich wusste, wie gesagt, nicht, worauf ich mich einließ, hatte mir aber zumindest etwas mehr „Schauer-Atmosphäre“ gewünscht, obwohl ich wusste, dass Austen ihrerzeit das Genre des Schauerromans mit „Northanger Abbey“ aufs Korn nehmen wollte. Denn auch eine augenzwinkernde Grusel-Geschichte vermag es, eine packende Atmosphäre zu haben, die ich hier leider nicht spüren konnte. Schade!

Auch der Aspekt des Modernen bot mehr Leid als Freud. McDermid scheint sich, soweit ich das beurteilen kann, sprachlich dicht an das Original zu halten. Jedenfalls las sich der Stil wie der eines Buches aus einer anderen Zeit, was sich auch in der Ausdrucksweise der Figuren und ihren Erwartungen und Handlungen wiederspiegelte. So fühlte ich mich von Beginn an in der Zeit zurückversetzt, was auch die Sucht nach den sozialen Netzwerken oder die häufigen „Twilight“- oder „Harry Potter“-Anspielungen nicht ändern konnten. Ganz im Gegenteil erschienen diese eher völlig deplatziert und rissen mich durch den gefühlten Anachronismus des öfteren aus dem Lesefluss.

Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, dass die 17-jährigen Mädchen in McDermids Erzählung scheinbar nur auf gute Partien aus sind und sich lieber mit gesellschaftlichem Geplänkel als gescheiten Ausbildungen, geschweige denn einer möglichen Karriere, auseinandersetzen. Sie besuchen haufenweise Tanzveranstaltungen – sogar einen Ball! – und es ist natürlich völlig normal, eine Familie, die man erst seit wenigen Tagen kennt, auf ihr unheimliches Anwesen zu begleiten.

Auch wenn ich den Unterhaltungswert dieses Epochen-Wirrwarrs zu schätzen weiß, war es oftmals einfach nicht stimmig. In Verbindung mit der Distanz, die der Schreibstil vermittelt, und die eher grob umrissenen als plastischen Charaktere, war „Northanger Abbey“ augenscheinlich kein Highlight für mich – und doch hat es unleugbar dieses gewisse Etwas, das einen Funken bei mir entfacht hat.

Ich mag nicht mit allem einverstanden sein und ja, ich brauchte etwa 80 Seiten, um Zugang zu diesem Buch zu finden, aber danach wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe oft geschmunzelt und mir auch mal die Freiheit gegönnt, Cats irreale Fantasievorstellungen weiterzuspinnen – und das macht viel zu viel Spaß; man mag es gar nicht zugeben. Das Wichtigste ist allerdings: ich will mehr! Mehr vom Austen-Projekt und endlich die restlichen Originale lesen.

Wenn mich also jemand fragen würde, welchen Sinn das Austen-Projekt hat, würde ich getrost antworten, dass es eine wunderbare Möglichkeit ist, Jane Austens Werke neuen Generationen schmackhaft zu machen. Und das Ganze ohne den üblichen Hollywood-Kitsch. Ist das nicht das Wichtigste?

Fazit

Val McDermids moderne Adaption von Jane Austens „Northanger Abbey“ bietet Stoff für einige unterhaltsame Stunden und macht definitiv Lust auf die weiteren Titel des Austen-Projekts – und natürlich auch auf die Originale. Dennoch hätte die Autorin ruhig etwas mutiger an die Geschichte herangehen und die Moderne nicht nur auf die Nennung namhafter Bücher und Marken, sowie die Sucht nach den sozialen Netzwerken, beschränken können. So prallten zwei Epochen aufeinander, die nicht zusammenpassen wollten und rissen mich ein ums andere Mal aus dem Lesefluss. Empfehlen kann ich es auf jeden Fall, für mich reicht es aber trotzdem nur für 3,5/5 Bücher!

Die Autorin

Val McDermid, 1955 im schottischen Kirkcaldy geboren, war als Dozentin für englische Literatur und als Journalistin tätig. Die Schriftstellerin zählt zu den Meisterinnen der internationalen Spannungsliteratur. Ihre Krimis und Thriller wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt, für ihr Lebenswerk erhielt sie die höchste Auszeichnung für Kriminalliteratur in Großbritannien, den „Diamond Dagger“.

Originalcover

Jane Austens Northanger Abbey

2 Gedanken zu „Jane Austens Northanger Abbey von Val McDermid

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