Götterfunke 01 – Liebe mich nicht von Marah Woolf

Liebe mich nichtDie Autorin: Marah Woolf
Dt. Reihentitel: Götterfunke
Dt. Titel: Liebe mich nicht
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 20.02.2017
Verlag: Dressler
Genre: Jugendbuch | Urban Fantasy
Hardcover | 18,99 €
eBook | 14,99 €

„Sag das nie wieder, hörst du? Hast du verstanden, Jess?“ Seine Stimme klang drohend und seine Augen glitzerten vor Zorn. „Liebe mich nicht.“
Eigentlich wünscht Jess sich für diesen Sommer nur ein paar entspannte Wochen in den Rockys. Doch dann trifft sie Cayden, den Jungen mit den smaragdgrünen Augen, und er stiehlt ihr Herz. Aber Cayden verfolgt seine eigenen Ziele. Der Göttersohn hat eine Vereinbarung mit Zeus. Nur wenn er ein Mädchen findet, das ihm widersteht, gewährt Zeus ihm seinen sehnlichsten Wunsch: endlich sterblich zu sein. Wird Cayden im Spiel der Götter auf Sieg setzen, auch wenn es Jess das Herz kostet?

Meine Meinung

Liebe mich nicht“ von Marah Woolf ist der Auftakt ihrer Götterfunke-Trilogie, die bei Liebhabern der griechischen Mythologie die Herzen höher schlagen lassen wird.

Die Geschichte ist ganz einfach aufgebaut: man kriegt „Das Spiel“ erklärt, der Götterbote Hermes nimmt seine Pflicht als Chronist und, nun ja, Bote an und schon kann es losgehen. Woolf hält sich gar nicht erst mit einer langen Anlaufzeit auf, stattdessen wird es gleich spannend, sodass man als Leser schnell gebannt ist. Fortan schildert Protagonistin Jessica die Ereignisse aus der Ich-Perspektive, einzig unterbrochen von kurzen Zwischenberichten seitens Hermes, die zwar zum Ende hin eher wenig zum Inhalt beitragen, dafür aber stets recht amüsant sind.

Als wahrer Mythologie-Fan ist dieser Auftakt genau mein Ding und es kam auch gleich diese besondere Stimmung auf, die ich so zuletzt bei der Göttlich-Trilogie von Josephine Angelini hatte. „Liebe mich nicht“ muss sich gar nicht hinter diesem bekannten Titel verstecken, denn der Suchtfaktor ist mindestens ebenso groß.

Die Thematik ist im Grunde altbekannt, doch so originell interpretiert, dass mein Interesse noch einmal ganz neu entfacht wurde. Man merkt, dass sich die Autorin mit der griechischen Sagenwelt auskennt und erkennt natürlich einiges wieder, aber der Schwerpunkt wurdes mal ganz anders gesetzt und bringt einen angenehm frischen Wind mit sich. Dieser Teil des Buches ist für mich absolut gelungen; es macht Spaß, ist spannend und auch lehrreich. Woolfs Idee bietet schlicht alles, was ich mir von einer von der griechischen Mythologie inspirierten Geschichte erhoffe.

Ganz ohne Aber kommt das Ganze dann leider doch nicht aus, denn die Darstellung ihrer weiblichen Figuren war – ich kann es leider nicht anders sagen – Mist. Sagt Euch der Bechdel-Test etwas? Dieser stellt im Grunde nur 3 klitzekleine und scheinbar leichte Fragen, die lauten wie folgt:

  1. Gibt es in der Geschichte mehr als 2 Frauen (mit Namen)? Ja!
  2. Unterhalten sich diese Frauen? Und wie!
  3. Auch über etwas anderes als Männer? Nö.

Ernsthaft, egal, ob sich Jess mit ihren Lehrerinnen, den Göttinnen, ihren Freundinnen oder wem auch immer unterhält: es dreht sich nur um Jungs. Generell verhalten sich die Mädchen in diesem Camp wie hormongesteuerte Flittchen. Jeder Kerl, der nicht bei 3 auf dem Baum ist, muss vernascht werden – so kam das zumindest rüber. Dabei sollte man doch meinen, dass insbesondere Jess genug andere Probleme hat, wenn sie von Monstern attackiert wird und erkennt, dass Götter, Titanen und der ganze Rattenschwanz tatsächlich existieren. Oder? Aber nein, das nimmt die Gute nach einigen sehr widersprüchlichen Gedankengänge ganz einfach hin, aber das Jungs-Drama lässt sie nicht mehr los.

Überhaupt ist die liebe Jessica ein sehr unausgeglichener Charakter. Im Grunde mag ich sie, wirklich. Sie hat einige coole Eigenschaften und einen netten Humor, aber leider ist sie die meiste Zeit der Typ Jungfrau in Nöten. Nur passt das nicht ganz, denn gleichzeitig schmeißt sie den Haushalt – weil ihr Vater abgehauen ist und die Mutter daraufhin zur unbrauchbaren Alkoholikern wurde -, sorgt dafür, dass die Rechnungen bezahlt werden, kümmert sich um ihre wie auch immer angeschlagene Schwester, hält ihre Schulnoten nebenbei oben und geht u. a. zum Kickboxen. Taffes Mädel, sollte man doch meinen. Im Camp muss sie allerdings andauernd gerettet werden und versetzt dem sie bedrängenden Jungen nur einen Tritt in die Weichteile, bevor sie natürlich heldenhaft gerettet wird. Hallo? Das kann ich auch und ich betreibe (leider) keinen Kampfsport.

Mit dem Thema Freundschaft und Beziehung fange ich wohl am besten gar nicht erst an. Denn wenn sich Jess und ihr bester Freund Josh einig sind, dass die Zickerei ihrer besten Freundin schlimmer ist als ihre Fremdgeherei und sie diese einstimmig dem armen Partner besagter Freundin/Kumpel von Josh verschweigen wollen, dann muss es doch an mir liegen, dass ich das nicht okay finde. Oder?

Puh, die Meckerei uferte ganz schön aus, dabei hatte ich so richtig viel Spaß mit „Liebe mich nicht„. Ich habe es wirklich genossen, damit meinen Abend zu verbringen und selbst bei kurzen Toiletten-Pausen habe ich mich beeilt, um schnell weiterlesen zu können. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf die Fortsetzung und finde es ganz grausam, nun ein halbes Jahr warten zu müssen. Sicher, die Kritikpunkte sind nicht von der Hand zu weisen, aber wohl auch sehr persönlich, weil der ein oder andere das bestimmt ganz anders empfinden wird. Ich hoffe trotzdem, dass sich auf lange Sicht die weiblichen Charaktere immens weiter entwickeln werden, denn das ist eben der Vorteil bei Reihen. Da ist immer noch Luft nach oben.

Fazit

Marah Woolfs „Götterfunke – Liebe mich nicht“ ist ein spannender Reihenauftakt, bei dem Liebhaber der griechischen Mythologie und Fans der bekannten Göttlich-Trilogie voll auf ihre Kosten kommen. Die Idee ist fantastisch, originell und wunderbar umgesetzt. Der Schreibstil so angenehm und die Geschichte so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Leider ist bei dem hier gezeichneten Frauenbild ganz schön was schief gegangen, worüber ich trotz des großen Lesespaßes und der Vorfreude auf die Fortsetzungen nicht hinwegsehen kann. Von daher sind es leider nur haarscharfe 4/5 Bücher, auch wenn die Idee wesentlich mehr verdient hätte.

Die Autorin

Marah Woolf wurde 1971 in Sachsen-Anhalt geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und drei Kindern lebt. Sie studierte Geschichte und Politik und erfüllte sich 2011 mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans einen großen Traum. Ihre Bücher wie eo3 FederLeicht-, die MondLicht- und die BookLess-Saga haben sich als E-Book oder Taschenbuch mehr als 1 Million mal verkauft.

Die Reihe

Götterfunke-Trilogie

  1. Liebe mich nicht
  2. Hasse mich nicht (erscheint im September 2017)
  3. Verlasse mich nicht (erscheint im März 2018)

4 Gedanken zu „Götterfunke 01 – Liebe mich nicht von Marah Woolf

  1. Pingback: [Rica's Leseliste] Februar 2017 - Die fantastische Bücherwelt

  2. BeaSwissgirl

    Halli hallo

    O.k. dann ist das wohl eher ein Buch dass ich mir nur ausleihen werde weil die Idee an sich ja cool klingt…
    Im Regal muss ich es dann aber definitiv nicht haben.
    Danke für deinen aussagekräftigen Eindruck!

    Liebe Grüsse
    Bea

    Antworten
  3. Pingback: [Rezension] Götterfunke – Liebe mich nicht – Marah Woolf | Buchbahnhof

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