Girl in Black von Mara Lang

Girl in BlackDie Autorin: Mara Lang
Dt. Titel: Girl in Black
Dt. Erstausgabe: 15.08.2016
Verlag: Ueberreuter
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Genre: Jugendthriller | Urban Fantasy
Hardcover | 17,95 €
eBook | 14,99 €

Lia ist neunzehn, interessiert sich für Mode und hat ein besonderes Talent zur Designerin. Doch sie hat auch ein Geheimnis. Sie ist ein Seelenauge und kann die Gefühle anderer Menschen lesen und beeinflussen. Tattooartige Ranken zeichnen ihre Haut, wenn sie ihre Gabe einsetzt. Eine machtvolle Gabe, aufgrund derer sie für die italienische Mafia von großer Bedeutung ist. Als ihre Mutter stirbt, schafft Lia es, sich aus den Fängen der Mafia zu befreien, und flüchtet in ihre Heimatstadt Berlin. Hier versucht sie ein neues Leben zu beginnen, ohne die Familie, ohne ihre Gabe und ohne jegliche Gefühle. Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie schneller ein, als ihr lieb ist, und bringen nicht nur sie in Gefahr, sondern auch all ihre neugewonnenen Freunde – vor allem Nevio, in den sie sich gegen ihren Willen verliebt hat. Wird sie der Mafia entkommen?

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Meine Meinung

Girl in Black“ von Mara Lang ist ein Jugendthriller mit Urban Fantasy Elementen, der perfekt auf die Altersgruppe (14 – 17 Jahre) zugeschnitten ist.

Es geht um Lia, die nach dem Tod ihrer Mutter die Flucht ergreift. Sie flieht vor der Mafia, die sie durch eine ungewollte Hochzeit noch mehr an sich binden möchte, und ihrer Gabe, der sie diese Verbindung erst zu verdanken hat. Lia ist ein sogenanntes „Seelenauge“, also im Grunde eine Empathin. Sie spürt die Emotionen anderer Menschen und kann sie in der Theorie beeinflussen; eine Fähigkeit, die ihre Mutter perfektioniert hat und derentwegen sie überhaupt erst in die Fänge der Mafia geraten sind.

In „Girl in Black“ verbindet Mara Lang Mafia, Mode und Magie. Eine interessante Mischung, die außerordentlich gut harmonisiert. Dabei geht die Autorin mit allen Zutaten auffällig sparsam um. Die Mafia hat nur einige wenige, dafür spektakuläre Auftritte, sorgt aber kontinuierlich für ein Gefühl der Bedrohung. Das Übernatürliche, Lias Gabe, ist zwar durchaus präsent, nimmt aber im Gefüge der Geschichte kaum Platz ein. Doch die Mode ist allgegenwärtig. Es ist das Bindeglied; der Mörtel, der die einzelnen Bauteile zusammenhält. Es ist eine Ausdrucksform, eine Kunst – und ein knallhartes Business.

Da ich mich nur recht wenig für Mode interessiere, war es für mich allerdings auch der Aspekt, der mir am wenigsten zugesagt hatte. All die ausführlichen Beschreibungen von Kleidern, Entwürfen oder der Outfits des Tages haben mich nicht wirklich interessiert. Natürlich bin ich prinzipiell dafür, zu wissen, was die einzelnen Akteure im Groben tragen, um mein Kopfkino anzuregen, doch die exzentrischen Designs sprengten meine Vorstellungskraft.

Zum Glück betrifft dieser Kritikpunkt nur die Kleidungsbeschreibung, denn ansonsten ist Mara Langs Schreibstil wirklich schön zu lesen. Abgesehen vom angenehmen Lesegefühl, der Leichtigkeit des Erzählens, hat sie ein Talent dafür, die kleinen Dinge zu beleuchten. Sie findet genau die richtigen Worte für Gefühle oder Eindrücke, die man teilweise selbst kaum zu fassen kriegt.

Wir sind es, die den Dingen Bedeutung verleihen. Eine hübsche Porzellanfigur mag für den einen nur Nippes sein, für die alte Frau von nebenan aber ist sie mehr: das Sonnenlicht, das sich darin spiegelt, der Kuss ihres Geliebten, der Geruch von Sommer auf der Haut, damals, als sie jung war. 

Die Lieblingstasse, der abgewetzte Teddy, der gläserne Weihnachtsmann mit dem Sprung – unsere Gefühle verknüpfen sich automatisch mit Materiellem, vielleicht, weil sie dadurch zu etwas Greifbarem werden, zu einem Teil unserer Vergangenheit, der nicht mit den Jahren erlischt. (S. 97)

Gefühle sind offensichtlich ein großes Thema in „Girl in Black“. Da ist es natürlich nützlich, ein gutes Gespür dafür und für die richtigen Worte zu haben. Selbstverständlich ist das aber keineswegs. Ebenso wenig selbstverständlich ist es, das Zwischenmenschliche gekonnt zu porträtieren. Den Figuren Konturen zu verleihen, sie über bloße Skizzen hinaus wachsen zu lassen. Ihnen eine Stimme zu geben, sodass man als Leser keine Titelüberschriften braucht, um zu wissen, dass gerade ein anderer erzählt. Mara Lang ist das gelungen – ich hätte mir nur gewünscht, dass Nevio öfter zu Wort gekommen wäre.

Etwas ist geschehen, mit diesem Lächeln, etwas daran ist zersplittert. Ich will es wiederhaben, echt wie in der Bar, amüsiert wie heute Morgen, jedenfalls ohne Risse, darum quatsche ich einfach weiter: „Auf Mädchen wie dich zum Beispiel. The Girl in Black. Ich habe eine Schwäche für die Farbe Schwarz. Schwarz wie Espresso – hast du Lust, mit mir einen trinken zu gehen?“ (S. 163)

Alles in allem ist „Girl in Black“ ein schönes Jugendbuch, das sich ganz wunderbar lesen lässt. Figuren fürs Herz, ganz ohne Stereotypen. Eine Handlung, die zwar das Rad nicht neu erfindet, und doch auf seine Art originell ist. Romantik in genau dem rechten Maß und eine gute Portion Nervenkitzel noch dazu. Für mich hätte Letzteres ruhig etwas stärker vertreten sein können, aber das ist natürlich Geschmackssache. Fakt ist allerdings, dass man an die Logik nicht immer allzu hohe Ansprüche haben sollte. Lias persönlicher Kampf mit der Mafia ist, nach meinem Befinden, absolut weltfremd und unrealistisch. Die Methoden des organisierten Verbrechens viel zu seicht. Aber es ist nun mal ein Jugendbuch, deshalb muss man es damit auch nicht zu genau nehmen.

Fazit

Mara Langs „Girl in Black“ ist ein sehr schönes Jugendbuch – von außen wie von innen. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam, der Stil der Autorin wirklich gut zu lesen. Offensichtlich hat sie ein Talent für die Beschreibungen, wobei mir diese in Bezug auf die Mode etwas zu ausführlich waren. Doch das ist ja zum Glück Geschmackssache und Modenarren kommen gewiss auf ihre Kosten. Ansonsten habe ich kaum etwas zu bemängeln, außer dass es für meinen Geschmack ruhig etwas spannender und härter hätte sein können – immerhin steckt auch ein Jugendthriller unter diesem güldenen Gewand. Auch die Glaubwürdigkeit ist so eine Sache, doch da kommt es wohl ganz auf die Ansprüche an. So war dieses Buch vielleicht nicht perfekt, aber definitiv gut und ich werde gewiss noch weitere Bücher der Autorin lesen. 4/5 Bücher!

Die Autorin

Mara LangMara Lang, Jahrgang 1970, begann in ihrer Jugend zu schreiben, als ihr der Lesestoff ausging. Die Geschichten von C. S. Lewis und Michael Ende begründeten ihren Faible für Fantastik. Hin- und hergerissen zwischen Buch und Film wollte sie ursprünglich Filmregisseurin werden, um ihrer Fantasie Leben einzuhauchen, wählte dann aber das Studium zur Diplompädagogin und fabriziert heute Kopfkino für ihre Leser. Mara Lang lebt und arbeitet in Wien.

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4 Gedanken zu „Girl in Black von Mara Lang

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