Rezension

Der natürliche Lauf der Dinge von Charlotte Wood

Der natürliche Lauf der DingeDie Autorin: Charlotte Wood
Die Übersetzerin: Gaby Wurster
Originaltitel: The Natural Way of Things
Dt. Titel: Der natürliche Lauf der Dinge
Dt. Erstausgabe: 13.01.2017
Verlag: Arctis
Genre: Belletristik

Verla und Yolanda finden sich inmitten in der australischen Halbwüste wieder, gemeinsam mit acht jungen und attraktiven Frauen. Gefangen und beaufsichtigt in einer Baracke. Eine Flucht scheint aussichtlos, das Gelände ist von einem hohen Zaun umgeben. Ihnen werden die Köpfe kahlrasiert und sie müssen kratzige Leinenkittel tragen. Schon bald wird klar, dass sie alle etwas verbindet, doch was? Für welches ‚Verbrechen‘ hält man sie an diesem trostlosen Ort gefangen? Und wer ist dafür verantwortlich? Nach und nach begreifen die zehn Frauen, warum sie verschleppt wurden. Dass sie Teil eines perfiden Plans sind …

Meine Meinung

Der natürliche Lauf der Dinge“ von Charlotte Wood ist ein provokantes und eindringliches Buch, das nicht leicht zu bewerten ist.

10 Frauen – jung, schön und in der Öffentlichkeit bekannt – werden in die Australische Steppe entführt, dort wie Vieh gehalten, gequält und gedemütigt. Die Erzählerinnen, Yolanda und Verla, kommen zu dem Schluss, dass dies aufgrund ihrer Promiskuität geschehen sei. Doch wer dahintersteckt und was dieser Jemand mit ihnen vorhat, ist ungewiss. Auf Nachfragen erhalten sie nur die kryptische Antwort, sie müssten wissen, WAS sie sind. Doch was sind sie? Opfer? Täter?

Mich hat natürlich die Frage vorangetrieben, WARUM diesen Frauen so etwas geschieht. Ich wollte wissen, was dahintersteckt. Wie kann es sein, dass 10 mehr oder weniger prominente Frauen einfach so verschwinden und scheinbar von niemanden gesucht werden?

Doch genau darum geht es Charlotte Wood eben nicht. „Der natürliche Lauf der Dinge“ ist kein Thriller, sondern etwas Anderes. In dieser Geschichte geht es einzig und allein um die Entwicklung der Frauen; darum, wie solche Verhältnisse einen Menschen verändern können. Wo endet das Menschsein? Wie viel Tier steckt eigentlich noch in uns?

Um das darzustellen, erschafft sie eine grausame Kulisse voller Entbehrungen, Gewalt und Leid. Der Plot ist geradlinig und schlicht, ohne plötzliche Spannungsmomente oder große Wendungen, dafür umso unbarmherziger. Es ist kein Buch für Zartbesaitete.

Entgegen meiner Erwartungen war es jedoch nicht die schonungslose Brutalität oder die überspitzte Widerwärtigkeit, die mich gestört haben, sondern vielmehr die offenen Fragen und die Art der Erzählung. Es hat mich schier in den Wahnsinn getrieben, dass all das Grauen explizit bis ins kleinste Detail beschrieben wird, während das, was mich eigentlich interessiert hat, wenn überhaupt, nur vage angedeutet wird.

Ich verstehe zwar prinzipiell, dass die äußeren Umstände bewusst außen vor gehalten werden, damit das Buch seine volle Wirkung entfalten kann. Ich weiß auch, dass Charlotte Wood damit etwas ganz Entscheidendes ausdrücken möchte, doch ich muss gestehen, dass genau das nicht bei mir angekommen ist. Kritisiert sie die Männer, die uns Frauen klein halten? Die Gesellschaft, die so heuchlerisch ist, Frauen zu ihren Bedingungen objektifizieren zu dürfen, während diese die Frauen verurteilt, die nach ihren eigenen Regeln spielen? Oder kritisiert Charlotte Wood die Frauen, die sie hier selbst porträtiert hat? (Klärende Kommentare sind mehr als erwünscht.)

Fazit

Charlotte Woods „Der natürliche Lauf der Dinge“ ist ein schonungsloses, provokantes Buch, das mich zwiegespalten zurücklässt. Einerseits hat es seine Wirkung nicht verfehlt, andererseits bin ich auch ein wenig enttäuscht und ratlos. Was genau versucht die Autorin mit diesem Buch auszudrücken? Ich bin mir eben nicht sicher und das macht mich verrückt! Dafür ist es natürlich ein Buch, das im Gedächtnis bleiben wird und ich bin froh, es gelesen zu haben. Empfehlen kann ich es allerdings nur eingeschränkt, weil es sehr speziell und schwierig ist. 3/5 Bücher!

Originalcover

The Natural Way of Things

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