Carya 01 – Flammen über Arcadion von Bernd Perplies

Flammen über ArcadionDer Autor: Bernd Perplies
Die Illustratorin: Isabelle Hirtz
Dt. Titel: Flammen über Arcadion
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 13.09.2012
Verlag: Egmont Lyx
Genre: Dystopie | Jugendbuch
Hardcover | 19,99 €
eBook | 6,99 €

Nach dem Großen Krieg sind weite Teile der Welt verwüstet. Angst und Aberglaube beherrschen die Menschen. Die sechzehnjährige Carya lebt mit ihren Eltern in Arcadion, den Ruinen des einstigen Rom. Eines Tages muss sie mit ansehen, wie ein junger Mann von den Schwarzen Templern festgenommen wird. Er soll von der Inquisition gefoltert werden. Voller Wut schießt Carya auf zwei der Inquisitoren und ist fortan auf der Flucht. Ihre einzige Hoffnung ist der junge Templersoldat Jonan, der sein Leben aufs Spiel setzt, um Carya zu retten.

Inhalt

Carya lebt in Arcadion, eine der wenigen Zufluchtsstätten, die den Menschen nach dem Sternenfall noch geblieben sind. Sie ist sehr wohlbehütet aufgewachsen, geht auf eine angesehene Schule und verbringt ihre Freizeit mit der Templerjugend. Das alles macht sie zu einem Vorzeigekind, wie es im Buche steht.

Doch an dem Tag, an dem ihre beste Freundin, Rajael, Carya nach der Schule abfängt, kommt alles anders. Sie erklärt ihr, dass ihr Freund, Tobyn, ein Invitro ist und dafür von der Inquisition geschnappt und verurteilt wurde. Invitros sind künstlich erschaffene Menschen, die sich in nichts von ihnen unterscheiden, abgesehen davon, dass sie gezüchtet wurden und selbst unfruchtbar sind. Um ihren Geliebten ein letztes Mal zu sehen, bittet Rajael Carya darum, sie beide in den Tribunalpalast zu schleusen. Mit einiger Mühe gelingt ihnen das auch, aber die Umstände erfordern eine radikale Tat, durch die Carya selbst in die Schusslinie gerät. Die einzige Möglichkeit ist die Flucht und ausgerechnet ein Templergardist hilft ihr dabei…

Die Charaktere

Carya ist sehr wohlbehütet aufgewachsen, gut und gottesfürchtig erzogen. Sie ist Schülerin an einer angesehenen Schule, die dem Lux Dei ergeben ist, und ihre Freizeit verbringt sie freiwillig mit der Templerjugend. In ihrem Kokon aus Unwissenheit fühlt sie sich geborgen und möchte auch gar nicht mehr aus Arcadion fort. Ihr primäres Ziel ist es, den jungen Templer Ramin für sich zu gewinnen bis zu dem Tag, an dem Tobyn gerichtet werden soll. Ihre Seifenblase zerplatzt auf sehr unschöne Weise und sie muss nicht nur schnell erwachsen werden, sondern vor allem Verantwortung übernehmen. Überraschenderweise kommen immer in den richtigen Momenten, die passenden Fähigkeiten zum Vorschein, auch wenn sie selbst nicht weiß, woher diese stammen. Für ihre Freunde und auch anderen Menschen in Not geht sie große Risiken ein und ihre Entwicklung ist einfach toll.

Jonan kommt aus sehr gutem Hause und ist daher von Kindesbeinen dem Druck ausgesetzt, den Erwartungen seines strengen Vaters gerecht zu werden. So landet er auch bei den Templern, ist es doch laut seinem Vater die bestmögliche Karriere für einen jungen Mann. Alles schön und gut, aber er selbst hasst es. Zuerst fühlt er sich nur gezwungen, weiß aber die Menschen und ihre Arbeit zu akzeptieren, aber je mehr Zeit er dort verbringt und je härter die Aufträge werden, umso mehr beginnt er an seinem Glaubenskonstrukt, der Regierung und seiner Laufbahn zu zweifeln. Carya ist der Anstoß, der den Stein ins Rollen bringt und das ist gut so, denn er blüht förmlich auf. Nachdem er alles abgeschüttelt hat, was ihn belastet, beweist er Effizienz, Intelligenz, Ideenreichtum und Umsetzungsvermögen. Er ist die Stütze, die Carya braucht und auch er beweist Mut und Aufopferungsbereitschaft.

Die beiden zusammen ergeben einfach ein tolles Team.

Meine Meinung

Flammen über Arcadion“ von Bernd Perplies hat all meine Erwartungen erfüllt. Als ich das Cover zum ersten Mal sah, wusste ich, dass ich diesen Roman lesen muss. Allerdings habe ich mit einem Fantasyroman, anstelle einer Dystopie gerechnet. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn dieses Genre hat mein Herz im Sturm erobert.

Kommen wir nochmal auf das Cover zurück. Es ist sehr stilvoll, ansprechend und passt sowohl thematisch als auch inhaltlich. Vor dem Hintergrund der rauchgeschwängerten Stadt Arcadion, die von Ruinen des Ödlands umgeben ist, sieht man eine Hand, die eine Rose hält, die langsam zu Staub zerfällt. Der Titel und die Aschestückchen stehen hervor und in die Rose sind Fragmente eingebaut, die im Licht funkeln. Klappt man das Buch auf, erwartet uns eine tolle Illustration, die einen weiteren Blickwinkel auf die Stadt ermöglicht. Über jedem Kapitelauftakt ist ein Kreuz abgebildet und ein Lesebändchen vervollständigt den Lesespaß.

Perplies führt uns in aller Ruhe in die Geschichte ein und bedient sich dabei eines etwas anderen Romanauftaktes. In dem Fall kriegt man als Erstes die Worte zu lesen, die Carya für ihren Aufsatz über Arcadion verfassen musste. Durch die Kommentare der Lehrerin erfasst man sofort, wie Caryas Weltanschauung ist und wie sie im Optimalfall sein sollte. Danach lernt man einige Charaktere aus ihrem Bekanntenkreis kennen  bis die Erzählung aus Sicht von Jonan weitergeht. Die Geschichte ist nämlich auf zwei Handlungssträngen aufgebaut, die sich irgendwann zu einem verknüpfen – dabei findet eben ein regelmäßiger Perspektivwechsel zwischen den Protagonisten statt. Erzählt wird in der dritten Person.

Nachdem man nun die bis dahin wichtigen Personen kennengelernt hat, kommt das einschlägige Erlebnis, das das Leben der Protagonisten grundlegend verändert und die Geschichte ins Rollen bringt. Die Spannung steigert sich ebenso wie das Tempo und das Buch entwickelt sich zu einem reinen Pageturner. Viele unerwartete Wendungen erwarten einen und an Action mangelt es nicht.

Die Charaktere sind unglaublich liebenswürdig gestaltet und man hat das Gefühl sie alle persönlich zu kennen. Ein jeder trägt seinen Teil zu der Geschichte bei und es fällt schwer, irgendeinen von ihnen zu bevorzugen. Sie sind einzigartig und authentisch und überzeugend lebhaft.

Mein persönliches Highlight war das Setting in Europa, das die Geschichte für mich zu einer glaubhaften Zukunftsvision macht. Erschreckend und überzeugend gleichzeitig.

Auch wenn der Roman einen Abschluss hat, lässt Perplies genug Baustellen und Fragen offen, um den Leser in freudiger Erwartung zurück zu lassen.

Fazit

Meine erste deutsche Dystopie, die auch noch alle Erwartungen übertroffen hat. Spannend und beängstigend glaubwürdig, mit der perfekten Mischung aus Liebe, Humor und Action. Definitiv eines meiner Lesehighlights im September!

Der Autor

Bernd Perplies, geboren 1977 in Wiesbaden, studierte Film- und Literaturwissenschaft in Mainz. Parallel zu einer Anstellung beim Deutschen Filminstitut (DIF) in Frankfurt am Main, wandte er sich nach dem Studium dem professionellen Schreiben zu. Heute ist er als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist tätig. Er ist Redakteur der Website Ringbote.de sowie des „Corona Magazine“ und gehört zum Übersetzungsteam der „Star Trek“-Romane von Cross Cult.Im August 2008 kam sein Debütroman „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ auf den Markt, weitere Werke folgten.“Drachengasse 13″ ist sein erstes Kinderbuch. Bernd Perplies lebt in Wiesbaden, zusammen mit etwa 1000 Büchern und einer einzelnen tapferen Grünpflanze. Mehr über ihn erfahrt ihr auf: www.bernd-perplies.de

Die Reihe

Carya-Trilogie

  1. Flammen über Arcadion
  2. Im Schatten des Mondkaisers
  3. Das geraubte Paradies

Jahrgang '91. Leidenschaftlich Leserin & Bloggerin; Serienjunkie & Puzzle-Fan. Meine Stärken sind Sprachen und Zahlen. Ich hasse den Sommer, dafür liebe ich Regen - und kriege einfach nicht genug von süßen Tierbabys.

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