Wir sind nicht zu fassen von Kurt Dinan

Wir sind nicht zu fassenDer Autor: Kurt Dinan
Die Übersetzerin: Petra Hucke
Originaltitel: Don’t Get Caught
Dt. Titel: Wir sind nicht zu fassen
Dt. Erstausgabe: 25.07.2016
Verlag: Magellan
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Genre: Jugendbuch
Hardcover | 16,95 €

Klassenzimmer voller Wasserbomben, öffentliche Rache an fiesen Lehrern, eine Kuhherde auf dem Schuldach – die Aktionen des mysteriösen Chaos-Clubs sind legendär. Als Max eine rätselhafte Einladung des Clubs erhält, sieht er seine Chance gekommen: Endlich nicht mehr Mister Kein-Sozialleben, Mister Durchschnitt, Einfach-nur-Max sein! In der Hoffnung, in die Geheimgesellschaft aufgenommen zu werden, vergisst er völlig Gangsterregel Nr. 4: Bleib misstrauisch. Und so findet er sich genau in dem Moment vor dem verunstalteten Wasserturm auf dem Schulgelände wieder, als der Sicherheitsdienst auftaucht – eine Falle! Max kocht vor Wut und setzt auf Gangsterregel Nr. 7: Dein ist die Rache!

Meine Meinung

Wir sind nicht zu fassen“ von Kurt Dinan ist ein sehr witziges Jugendbuch, abseits der Norm und mit einer guten Moral versehen.

Das Buch wird ab 14 Jahren empfohlen, was für mich auch gut passt. An sich ist es in allem so zahm, dass man die Altersfreigabe fast schon runtersetzen könnte. Der einzige Hinderungsgrund wäre wohl, dass Sex zwar nicht vorkommt, aber durchaus besprochen wird. „Wie meine Eier“ ist ein Running-Gag im ganzen Buch, ein Nacktfoto geht um und Protagonist Max weiß die Vorzüge des schönen Geschlechts durchaus zu würdigen. Eben so, wie es im normalen Leben abläuft, aber was weiß ich schon?

Die Abenteuer der „5 vom Wasserturm“ geben der Coming-of-Age-Story einen guten Rahmen, eine klare Linie. Spaß und Moral halten sich hier gut die Waage, die Streiche und die Charakterentwicklung gehen Hand in Hand.

Vordergründig ist „Wir sind nicht zu fassen“ aber genau das, was Cover und Klappentext verspricht: witzige Unterhaltung, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Die Geschichte ist kurzweilig und liest sich konstant mit einem Lächeln im Gesicht. Junge Leute finden sich vielleicht selbst in einer der Figuren wieder und wir Älteren dürfen ein Abenteuer erleben, das wir (vielleicht) in unserer Jugend versäumt haben. So hat jeder was davon!

Die Charaktere hätten bestimmt noch mehr Tiefe vertragen können, oberflächlich ist aber auch wieder was anderes. Die fünf Teenager, die dieser erste Streich zusammengeführt hat, haben eines gemeinsam: sie gehören nicht zu den coolen Kids. Trotzdem sind sie keine extremen Randgestalten wie man es gerade aus amerikanischen Highschool-Geschichten kennt. Max ist einfach normal; zu durchschnittlich, um cool zu sein. Ellie ist eine Pastorentochter – muss ich noch mehr sagen? Dave Wheeler ist der Klassenclown, dessen vorläufiges Ziel es ist, der schlechteste Schüler der Highschool zu sein. Tim Adleta ist ein Lacrosse-Star, der letzte Saison Scheiße gebaut hat – falsche Sportart + Mist bauen sorgen also sogar sogar bei einem Sportass für den sozialen Abstieg. Und Kate Malone hat ein Oben-Ohne-Foto an die falsche Person geschickt und ist ansonsten als Künstlerin bekannt, die gegen jede Ungerechtigkeit kämpft.

Diese 5 unterschiedlichen Teenager werden durch ihr gemeinsames Ziel geeint und entwickeln nach und nach eine echte Freundschaft. Max als alleinigen Erzähler lernt man zwar am besten kennen, aber seine reflexive Art bringt uns auch die anderen näher. Eben jene Momente, in denen er über ihre Taten nachdenkt und auch mal ins Zweifeln gerät, bringen ein gutes Maß Ernsthaftigkeit in die Geschichte, die aus der banalen Unterhaltungsliteratur ein an die Moral appellierendes Jugendbuch macht.

Die Streiche waren also manchmal grenzwertig und ein wenig unrealistisch, die Konsequenzen daraus hingegen nicht. Verantwortung ist ein Thema und die Frage, wie man selbst sein möchte, bewegen die Fünf vom Wasserturm dazu, über sich hinauszuwachsen. Kurt Dinan hat tief in die Trickkiste eines erfahrenen Lehrers gegriffen und das Ganze sehr gut rübergebracht. Sollte der Twist am Ende tatsächlich für eine Fortsetzung sorgen, würde ich sie mit Freuden lesen, doch auch als Standalone macht sich „Wir sind nicht zu fassen“ ausgesprochen gut.

Fazit

Kurt Dinans „Wir sind nicht zu fassen“ ist ein ganz wundervoll spaßiges Jugendbuch, das durch teils realitätsferne Streiche die Realität der Selbsterkenntnis erstaunlich gut einfängt. Es ist leichte Lektüre mit viel Humor und süß-spannenden Abenteuern. Man merkt, dass sich der Autor als hauptberuflicher Lehrer mit Teenagern auskennt und den Geist einer Highschool (fast) ganz ohne Klischees einfangen konnte. Ein stringenter Plot, technisch und sprachlich einwandfrei, der Zielgruppe angemessen…es gibt wirklich nichts zu meckern – persönliche Präferenzen sind natürlich jedem selbst überlassen. 5/5 Bücher!

Originalcover

Don't Get Caught

Ein Gedanke zu „Wir sind nicht zu fassen von Kurt Dinan

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