Rezension

The Cage 01 – Entführt von Megan Shepherd

EntführtDie Autorin: Megan Shepherd
Die Übersetzerin: Beate Brammertz
Originaltitel: The Cage (The Cage #1)
Dt. Reihentitel: The Cage
Dt. Titel: Entführt
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 29.08.2016
Verlag: Heyne fliegt
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch | Science Fiction
Paperback | 12,99 €
eBook | 9,99 €

Die 16-jährige Cora erwacht mitten in einer Wüste. Sie wurde offensichtlich entführt! Aber von wem? Und wo um Himmels willen ist sie gelandet? Denn an die Wüste grenzen eine arktische Tundra und das Meer, dahinter liegt eine filmkulissenartige Stadt. Fünf weitere Jugendliche irren durch die merkwürdige und, wie sich bald zeigt, sehr gefährliche Szenerie. Und dann tritt Cassian auf: ein unglaublich schöner junger Mann, der sich als ihr Wächter vorstellt. Ihr Wächter in einem Zoo, Millionen Kilometer von zu Hause entfernt. Eine Flucht scheint unmöglich zu sein. Bis sich zwischen Cora und Cassian eine verbotene Anziehung entwickelt. Doch kann Cora ihm genug vertrauen, um zu fliehen?

Meine Meinung

The Cage – Entführt“ von Megan Shepherd ist der Auftakt einer Science Fiction Trilogie, die sich an Leser ab 14 Jahren richtet.

The Cage“ entführt die Leser in fremde Galaxien, in denen Menschen, wie die Tiere hier bei uns, in Zoos gehalten werden. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von 6 Jugendlichen, die sich plötzlich in einem solchen Gehege wiederfinden und das Ultimatum gestellt kriegen, sich entweder an die folgenden Regeln zu halten oder entsorgt zu werden.

1. Löst die Rätsel
2. Esst die täglichen Mahlzeiten und achtet auf Eure Gesundheit
3. Pflanzt Euch fort

21 Tage haben sie Zeit, sich auch mit Regel Nummer 3 anzufreunden, bevor sie ersetzt werden. Cora hat nur ein Ziel: Flucht. Doch was ist mit den anderen?

Alles war von einer unheimlichen Schönheit, aber das machte die beiden nur noch nervöser. Schönheit hatte die Fähigkeit, etwas Dunkles zu kaschieren. – S. 27

Entführt“ ist die Sorte Buch, die man so schnell nicht vergesst. Megan Shepherd erfindet das Rad nicht neu und doch ist diese Geschichte unheimlich originell. Es ist eine Geschichte, die uns Leser mitreißt und mitfiebern lässt, uns dann aber auch mit sehr gemischten Gefühlen zurücklässt. So ganz weiß ich noch immer nicht, was ich eigentlich genau von all dem halten soll.

Obwohl immer irgendwas passiert, sind es ganz eindeutig die Charaktere, die dieses Buch tragen. Cora mag die dominante Protagonistin sein, doch macht das die anderen keinesfalls zu Nebenfiguren. Das liegt nicht nur daran, dass man „Entführt“ aus gleich 6 Perspektiven erlebt, sondern vor allem daran, dass sie alle einen soliden Hintergrund haben, der ihren Charakter festigt und erklärt. Auch wenn es auf den ersten Blick mal so wirken kann, gibt es in diesem Buch kein hübsches Beiwerk. Nein, jede Figur trägt ganz entschieden zum Geschehen bei.

„Falls das ein psychologisches Experiment ist“, sagte Rolf, „dann werden sie uns ihr Ziel nicht verraten. […] Aber da ist etwas, worüber wir nachdenken sollten. Bei jedem Experiment gibt es eine Kontrollgruppe. Eine Testperson, die nicht manipuliert ist, damit sie wissen, dass ihre Ergebnisse korrekt sind. Jemand innerhalb des Experiments. Ein Maulwurf. Was bedeutet, dass die dringlichere Frage lautet…können wir uns gegenseitig vertrauen?“ – S. 45

Die 6 Jugendlichen sind gleichzeitig Laborratten und Haustiere. Man erlebt hautnah, was mit Tieren…ups, ich meinte natürlich Menschen…in Gefangenschaft passiert. Hinzu kommen die seltsamen Rätsel, die sie lösen muss, und die Manipulation ihrer Wahrnehmung von Zeit und Raum. Jeder Weg führt unausweichlich zu seinem Ausgangspunkt zurück; die Stadt, die eben noch Kilometer entfernt zu sein scheint, ist mit 2 Schritten erreicht. Da es in dem Gehege nur künstliche Tageslicht und keine Uhren gibt, verliert man schnell den Überblick. War das nun wirklich ein Tag oder doch nur ein paar Stunden?

Er hatte es ein Reservat, ein Habitat genannt, aber Cora wusste es besser. Es war ein Käfig. – S. 83

Dieses Gehege ist der perfekte Ort, um durchzudrehen – und das nutzt Megan Shepherd rigoros aus. Es ist unheimlich spannend, wie sich die Protagonisten entwickeln, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen. Besonders gelungen ist es der Autorin, dem jeweiligen Charakter treu zu bleiben. Selbst wenn das bedeutet, etwas aus ihnen hervorzulocken, was unser in Schubladen denkendes Unterbewusstsein nie erwartet hätte.

„Vom Aussterben bedroht?“ Die Worte hatten in Coras Mund einen falschen Beigeschmack. Sibirische Tiger waren vom Aussterben bedroht. Eisbären waren vom Aussterben bedroht. Nicht Menschen. – S. 77

Die eigentliche Geschichte ist etwas wirr, aber auf die gute Art. Die Verwirrung, die Zweifel, die Angst…so ziemlich alles, was die Jugendlichen empfinden, spürt man auch als Leser und so verliert man mit ihnen gemeinsam die Orientierung. Stellenweise hatte ich das Gefühl, die Autorin hätte den Faden verloren, aber am Ende machte es dann doch irgendwie wieder Sinn. Im Zuge des Lesens habe ich mich über einige Logikfehler aufgeregt, doch kann man an einem Ort wie diesem überhaupt von Logik reden? Geschweige denn, sie zu erwarten?

Trotzdem gibt es ganz eindeutig einige Dinge, die mich gestört haben: Coras obsessive Fluchtgedanken zum Beispiel. Ja, es gehört zu ihrem Charakter. Ja, es passt zu der Situation. ABER sie wurden von Aliens entführt, befinden sich wer weiß wo im All, also wie realistisch ist da eine Flucht? Ich will ja auch gar nicht, dass sie aufgibt, aber sie sollte schon über das Gehege hinaus denken. Ebenfalls furchtbar war der Abschnitt, in dem alle Cora verdächtigen, ihr Essen zu klauen. Ja, sie werden manipuliert. Ja, sie werden verrückt. ABER wieso sollte Cora ihr Essen klauen, aber jedes Mal eine riesige Portion auf ihrem eigentlichen Teller für alle gut sichtbar stehen lassen? Wie gesagt, es gehört irgendwie dazu und passte auch zu dem sich ausbreitenden Wahnsinn, aber es hat mich wirklich genervt.

Ansonsten gibt es nur noch eines zu loben: und zwar den Schreibstil von Megan Shepherd. Sie drückt sich ganz wundervoll aus, gleichzeitig klar, schlicht, aber auch malerisch. Sie findet für jede Situation die perfekten Worte – und allein dafür lohnt es sich, „The Cage – Entführt“ eine Chance zu geben.

Sie hatte kein Sternbild seitlich an ihrem Hals, das zu seinem passte, aber das war auch nicht nötig. In dem Moment, als sie ihm in die Augen sah, geschah etwas. Eine Mauer brach ein, und sein Beschützerinstinkt wurde geweckt. Für dieses Mädchen, das so viel gelitten hatte. Für dieses Mädchen, das nicht wusste, wie man sanft war, genau wie er. Er brauchte keine Sterne, die ihm sagten, dass sie für ihn bestimmt war und er für sie. – S. 156

Fazit

Megan Shepherds „The Cage – Entführt“ ist der spannende Auftakt einer Science Fiction Trilogie. Die Geschichte ist ganz anders als erwartet und brilliert mit starken, individuellen Charakteren, mit denen man so mitfühlt, dass man als Leser beinahe dieselben Auswirkungen zu spüren kriegt wie sie. Es ist eine eindringliche Geschichte, die mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Empfehlen kann ich es aber allein schon um des Schreibstils der Autorin willen. Gute 4/5 Bücher!

Die Autorin

Megan ShepherdMegan Shepherd ist in den Bergen von North Carolina aufgewachsen. Die meiste Zeit verbrachte sie bereits als Kind in der Buchhandlung ihrer Eltern. Nach ihrem Studium (Kulturwissenschaften und Sprachen) ging sie für zwei Jahre in den Senegal, wo sie Kinder in Dorfschulen unterrichtete. Dabei entdeckte sie ihr großes Talent zum Geschichtenerzählen. Megan Shepherd lebt mit ihrem Mann auf einer Farm in North Carolina.

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Die Reihe

The Cage Trilogie

  1. –  –  – | The Caretaker (The Cage #0.5) → Mai 2016
  2. Entführt The Cage (The Cage #1) → Heyne fliegt, Aug. 2016
  3. Gejagt | The Hunt (The Cage #2) → Heyne fliegt, Mai 2017
  4. Zerstört | The Gauntlet (The Cage #3) → Heyne fliegt, Dez. 2018

Originalcover

The Cage

6 Gedanken zu „The Cage 01 – Entführt von Megan Shepherd

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