Schlagwort-Archiv: Beth Revis

Godspeed-03-Die-Ankunft

Godspeed 03 – Die Ankunft von Beth Revis

© Dressler Verlag

Autorin: Beth Revis
Originaltitel: Shades of Earth 
Dt. Reihentitel: Godspeed
Dt. Titel: Die Ank/unft
Dt. Erstausgabe: 08/2013
Verlag: Dressler
Format: Hardcover
Seitenzahl: 480
ISBN-10: 3791516787
ISBN-13: 978-3791516783
Preis: 19,95 €

Der fulminante Abschluss der Godspeed-Trilogie! Endlich können Amy und
Junior die Godspeed verlassen. Ein neues Leben auf dem Zielplaneten
Zentauri wartet auf sie. Aber diese neue Erde entpuppt sich nicht als
das Paradies, das Amy und Junior erhofft hatten. Wer oder was lebt noch
auf diesem Planeten? Können Amy und Junior die eigene Kolonie retten?
Und was wird aus ihrer gemeinsamen Zukunft?
 

Inhalt

Es ist so weit: sie haben endlich die Zentauri-Erde erreicht! Doch es ist lange nicht alles eitel Sonnenschein. Unverhohlenes Misstrauen herrscht zwischen den ehemals Eingefrorenen und den Bewohnern der Godspeed. Saurier-artige Wesen, tödliche Pflanzen und eine offensichtlich intelligente Lebensform stellen sich unseren Helden in den Weg. Und endlich bekommt Amy das, was sie sich so sehr gewünscht hat. Ihre Familie, eine neue Heimat und vor allem eine Wahl. Wird sie sich für Junior entschieden oder für den süßen Soldaten, den ihr Vater ihr zur Seite stellt?

Eigene Meinung

Godspeed – Die Ankunft“ von Beth Revis ist schlicht und ergreifend der perfekte Abschluss für diese wahnsinnig gute Trilogie!

Revis bleibt sich selbst treu und überzeugt auch weiterhin mit kurzen Kapiteln und ihrem zwar simplen, aber dafür einnehmenden Schreibstil. Weiterhin erlebt man das Geschehen abwechselnd aus Sicht von Amy und Junior aus deren Ich-Perspektive, was vor allem bei diesem Band sehr wichtig ist, da die beiden doch auch viele Situationen alleine bewältigen müssen. Der Einstieg in die Geschichte funktioniert völlig problemlos.

>> „Wir müssen gehen. Wir müssen uns der Welt dort unten stellen. Lieber mit dem Geschmack der Freiheit auf den Lippen einen schnellen Tod sterben als lange zu leben und so zu tun, als würden wir die Wände nicht sehen, die uns einpferchen.“ S. 8

Unser Heldenpaar hat in dem Verlauf ihrer bisherigen Abenteuer große Schritte in ihrer Entwicklung gemacht, wodurch die Erwartungen an die beiden ungerecht hoch waren. Wie zu erwarten war, kommt man recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück und muss erkennen, dass man es eben nicht mit „Superhelden“, sondern mit Teenagern zu tun hat, die viel zu früh eine viel zu große Verantwortung übernehmen mussten. Da ist es wenig verwunderlich, dass Amy ziemlich überstürzt und zum ungünstigsten, aber eben erstbesten Zeitpunkt ihre Eltern und die anderen Eingefrorenen auftaut. Ebenso verständlich, dass sie in die Arme ihrer Eltern flüchtet und darüber zumindest für eine kurze Zeit alle anderen Probleme vergisst. Auf sich allein gestellt, wachsen in Junior schnell die Zweifel heran, die Orion so fleißig gesät hat, sodass er Amys Vater, der durch die vorherigen Todesfälle nun der Ranghöchste vom Militär ist, was ihn automatisch zum Anführer der ehemals Eingefrorenen macht, mehr als voreingenommen gegenübertritt. Amys Vater hingegen funktioniert von Null auf Hundert, ruft sich seine Befehle ins Gedächtnis und legt sofort los. Ein „Kind“ wie Junior steht ihm da nur im Weg und es fällt ihm sichtlich schwer, diesen als Anführer der Godspeed ernst zu nehmen. Wie man sieht, sind Probleme vorprogrammiert und die Stimmung, die das unangenehme Aufeinandertreffen dieser beiden Anführer hervorruft, greift schnell auf die Umstehenden über, sodass sich die künftigen Siedler direkt in zwei Lager spalten.

>> „Amy kommt auf mich zu und greift nach meiner Hand – ich weiß nicht, ob sie mir auf meine Seite des Schiffs folgen oder mich auf der Seite der Aufgetauten halten will – aber ich kenne meinen Platz im Shuttle und sie kennt ihren. << S. 103

Das macht es unserem Liebespaar schwer, stehen die beiden doch immerhin auf verschiedenen Seiten. Vor allem Amy hat ganz schön zu kämpfen. Langsam aber sicher fangen die Bewohner der Godspeed an, ihr zu vertrauen und das möchte sie auf keinen Fall aufgeben, ebenso wenig wie sie Junior alleine lassen will. Doch sie hat ihre Eltern so vermisst und auch lange Zeit gedacht, dass sie die beiden für immer verloren hätte, dass sie sich nicht gegen sie wenden will. Mal abgesehen davon, dass die Tochter in ihr das auch gar nicht kann. Dann kommt noch hinzu, dass Ihr Vater ihr einen Beschützer zur Seite stellt, der offenkundig Interesse an ihr hat. Natürlich sieht Chris auch noch unverschämt gut aus und wird, im Gegensatz zu Junior, von ihrem Vater akzeptiert. Der wichtigste Punkt ist aber der, das Chris quasi das darstellt, was sie sich die ganze Zeit gewünscht hat: eine Wahlmöglichkeit. Kann Junior dagegen bestehen?

>> „Bisher habe ich immer gedacht, dass meine Liebe zu Junior nicht zählt, weil außer ihm niemand zur Wahl stand. Und hier ist Chris, nur ein paar Jahre älter als ich, klug und stark und mutig – und mir wird klar, dass ich durchaus eine Wahl habe.“ << S. 305

Ganz allgemein können mich die Protagonisten gerade wegen ihrer Fehler überzeugen. Ihre Taten bleiben stets authentisch und ich bezweifel, dass einer von uns sich in deren Situationen behaupten könne. Schade ist nur, dass nahe alle Nebenfiguren verblassen. Das gilt insbesondere für Amys Eltern, die leider ziemliche Stereotypen waren. Die restlichen Akteure sind, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, eine ziemlich graue Masse. Das ist man so nicht gewöhnt, liebe Frau Revis!

Dafür habe ich bei der Geschichte selbst absolut nichts zu bemängeln. Es ist spannend, aufregend und auch dieses Mal absolut unvorhersehbar. Dass Revis sich darauf versteht, immer noch „eins drauf zu setzen“, hatte ich schon in den Rezensionen zu den Vorgängerbändern erwähnt, aber hier hat sie mich völlig unvorbereitet getroffen. Konnte man die anderen Bände schon kaum aus der Hand legen, habe ich hier wirklich den ganzen Tag NUR gelesen und sogar eine Verabredung verschoben, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Dieser finale Band ist wirklich und wahrhaftig ein fulminanter Trilogieabschluss und meiner Meinung nach sollten sich da viele andere Autoren mal eine Scheibe von abschneiden. Es stimmt einfach alles und man bekommt ein Ende, das die Fantasie anregt, aber trotzdem abgeschlossen ist. Grandios!

>> „Aber es war mein Ernst. Wenn es zum Krieg kommt, werden wir kämpfen. Werde ich kämpfen.

Ich gebe nicht noch einmal meine Heimat auf.“ S. 473

Die Gestaltung finde ich wieder sehr schön, aber das Motiv hat für mich nicht sehr viel mit dem Inhalt zu tun. Immerhin erkennt man, dass dieses Mal etwas anders sein muss, weil es mehr als nur die Gesichter der beiden Figuren zu sehen gibt.

Fazit

Beth Revis‘ „Godspeed – Die Ankunft“ ist der perfekte Abschluss für eine nahezu perfekte Trilogie! Es ist mitreißend, absolut fesselnd, spannend und zufriedenstellend. Wieder einmal hat Frau Revis sich noch selbst übertroffen und das war bei den extrem hohen Erwartungen gewiss nicht leicht. Ich kann gar nicht anders als verzückt zu schwärmen und Euch auch dieses Mal dazu aufzufordern, diese Trilogie dringend zu lesen. Ein Must-Read der Extraklasse, das sich seine 5/5 Bücher redlich verdient hat!

Die Autorin

© Visio Photography

Beth Revis, geboren und aufgewachsen in den Ausläufern der Appalachen in
North Carolina/USA, schrieb schon während der Schule lieber
Kurzgeschichten, statt dem Unterricht zu folgen. Diese Gewohnheit
behielt sie auch an der Universität bei – aus ihren Kurzgeschichten
waren mittlerweile halbe Romane geworden. Nach ihrem Abschluss an der NC
State University in Englischer Literatur wurde Beth Revis Lehrerin. Da
sie es auch weiterhin nicht lassen konnte, Geschichten zu schreiben,
statt Essays zu korrigieren und Unterrichtspläne zu erstellen, hat sie
sich inzwischen ganz dem Schreiben gewidmet. Beth Revis lebt mit ihrem
Ehemann und einem Hund im ländlichen North Carolina/USA. „Godspeed – Die
Reise beginnt“ ist ihr Debütroman und der Auftakt einer Trilogie.

Die Reihe

Godspeed Trilogie

  1. Die Reise beginnt / Across the Universe
  2. Die Suche / A Million Suns
  3. Die Ankunft / Shades of Earth  

Weitere Cover

Mein Dank geht an… 

…den Dressler Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
Godspeed-02-Die-Suche

Godspeed 02 – Die Suche von Beth Revis

© Dressler Verlag

Autorin: Beth Revis
Originaltitel: A Million Suns
Dt. Reihentitel: Godspeed
Dt. Titel: Die Suche
Dt. Erstausgabe: 08/2012
Verlag: Dressler
Format: Hardcover
Seitenzahl: 464
ISBN-10: 3791516779
ISBN-13: 978-3791516776
Preis: 19,95 €

Spannung und Gefühl. Nicht von dieser Welt! Die Zukunft für Amy und
Junior liegt in weiter Ferne. Während ihre Gefühle füreinander stärker
werden, wird die Lage auf dem Raumschiff, der „Godspeed“, immer
bedrohlicher. Ohne die kontrollierende Droge Phydus, das heißt ihrem
freien Willen unterworfen, sind die Menschen an Bord überfordert. Die
Stimmung droht zu kippen. Auch die Technik entpuppt sich als trügerisch:
Wird nur eine Gruppe Auserwählter das Ziel, die Zentauri-Erde,
erreichen? Der Druck auf Amy und Junior wächst: Wer ist Freund, wer
Feind? Und wohin führt sie ihre Liebe?
 

Inhalt

3 Monate sind vergangen seitdem Amy aufgetaut wurde und es ist viel passiert: der Älteste ist tot, Orion wurde eingefroren – womit Junior nun offiziell der amtierende „Älteste“ ist, auch wenn er sich weigert, diesen Titel anzunehmen. Amy hat immer noch den Freakstempel weg und muss sich gegen immer offener zur Schau gestellte Aggression wehren. Vor allem dadurch, dass die beiden die Droge Phydus nicht mehr an die Bevölkerung verteilen, kommt es immer öfter zu Unruhen. Das erste Mal haben die Bewohner der Godspeed die Möglichkeit, selbst zu denken und eigenständige Entscheidungen zu treffen. Wird eine davon sein, Junior abzusetzen? 
Junior hat aber noch ganz andere Sorgen als die wachsenden Unruhen, denn er hat herausgefunden, dass sich die Ankunft auf der Zentauri-Erde nicht nur verzögert hat, sondern dass die Godspeed seit Jahrhunderten (!) stillsteht. Der Antrieb ist kaputt, doch wer kann ihn reparieren?
Amy hat derweil eine Nachricht von Orion bekommen, der in weiser Voraussicht eine Schnitzeljagd organisiert hat, die es in sich hat. Er hat etwas herausgefunden, dass schlimmer sein soll als das Stillstehen der Godspeed und Amy soll die Einzige sein, die entscheiden kann, wie man mit diesem Wissen umzugehen hat. Über allem schwebt die Frage, ob sie ihre Eltern aufwecken soll oder nicht. Denn wenn das Schiff wirklich niemals ankommen sollte, muss sie doch nicht auf ihre Familie verzichten, oder?

Eigene Meinung

Godspeed – Die Suche“ von Beth Revis ist mit Abstand der beste zweite Teil einer Trilogie, den ich je lesen durfte.
Der Einstieg gelingt wunderbar einfach, man wird sofort wieder in das Netz aus Lügen und Intrigen eingesponnen.
>> „Wieso hat mir der Älteste etwas vorgelogen?“ […]

„Der Älteste hat dich belogen“, sagt Marae gelassen, „weil wir ihn belogen haben.“ << S. 13, 14

Weiterhin wird das Geschehen abwechselnd aus Sicht von Amy und Junior aus der Ich-Perspektive erzählt. Und diesmal merkt man auch wirklich einen Unterschied! Nebenbei kurbeln die angenehm kurzen Kapitel das Erzähltempo ungemein an.

Juniors Perspektive ist geprägt von Misstrauen und Selbstzweifel. Er wurde mit einer wahren Flut von harten Fakten und daraus resultierenden Krisen konfrontiert, dass er quasi von 0 auf 100 funktionieren muss.

>> In dem matten Spiegelbild sehe ich die dunklen Augen des Ältesten, kurz bevor er starb. Ich sehe Orions triumphierendes Grinsen. Irgendwo unter meinem geklonten Äußeren und dem Echo aller Ältesten vor mir muss es etwas geben, das mir ganz allein gehört, etwas Einzigartiges, das nicht im Klonmaterial zwei Decks unter mir zu finden ist.

Zumindest hoffe ich das. << S. 7

Meiner Meinung nach, tut ihm dieser Druck aber ausgesprochen gut. Er wächst mit seinen Aufgaben und langsam aber sicher kristallisiert sich der Anführer heraus, der in ihm steckt. Natürlich ist er nicht perfekt und es gibt Situationen, in denen ich ihn am liebsten schütteln würde, weil er so dermaßen falsch oder inkonsequent handelt, aber so entwickelt er zumindest endlich eine authentische Persönlichkeit. Er ist nicht mehr länger der blasse Schatten von Amy, sondern ganz allmählich der Protagonist, den ich mir schon im ersten Band gewünscht habe.
Während Junior buchstäblich zu kämpfen hat, werden Amys Passagen zu Anfang doch stark von Lethargie und Melancholie dominiert. Amy hat alles verloren, vor allem aber ihre Hoffnung. Doch das schlimmste daran ist, dass Junior, ihr einziger Vertrauter, ihr all das angetan hat, indem er ihren Kryoschlaf beendet hat. 

>> Und dann wurde ich zu früh wiederbelebt. Nein. Er hat mich zu früh geweckt. Junior. Das kann ich nicht vergessen. Ich kann nicht vergessen, dass es seine Schuld ist, dass ich hier bin. Ich werde nicht zulassen, dass die dreit Monate, die ich seitdem mit ihm verbracht habe, das Leben aufwiegen, das er mir genommen hat. << S. 16, 17 

Trotzdem kann und will sie ihn nicht hassen, aber was bedeutet das für ihre Liebe? Amy weiß nicht mehr, was sie fühlen soll und das merkt man ihr auch stark an.

>> Hier weiß ich nicht einmal mehr, wer ich bin. Ohne meine Eltern bin ich keine Tochter. Ohne die Erde komme ich mir kaum noch wie ein Mensch vor. Ich brauche irgendetwas. Etwas, das meinem Dasein wieder einen Sinn gibt. Etwas, das mich ausmacht. << S. 18

Und genau dieses Etwas findet sie in Orion. In ausgerechnet der Person, die sie am meisten hasst. Und doch ist es diese Person, die ihr eine Aufgabe gibt. Eine Aufgabe, durch die sie wieder zu ihrer alten Größe findet. Mit einem Hauch Besessenheit, wohlgemerkt.

>> Wen ich hassen kann? Orion. << S. 17  

Natürlich spielt die Liebe auch in diesem Band eine Rolle, aber auch dieses Mal nimmt sie nicht mehr Raum als nötig ein. Beide haben mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen, doch merken sie immer wieder, dass sie vor allem die Momente des Glücks mit dem jeweils anderen teilen wollen, sogar teilen müssen. 

Junior ist auch weiterhin derjenige, der keine Zweifel hat. Er versteht zwar nicht ganz, was er da fühlt, aber ihm ist klar, dass es für ihn nur Amy geben kann. Amy hingegen zaudert immer noch.

>> „Nur weil wir die einzigen beiden Teenager auf diesem Schiff sind, bedeutet das nicht, dass ich dich lieben muss. Wieso habe ich keine Wahl?“ << S. 74

>> Liebe, ohne eine Wahl zu haben, ist keine Liebe. << S. 74

Das ist so typisch Amy, das es richtig liebenswert ist. Der freie Wille ist für sie ungemein wichtig, deshalb kämpft sie auch so vehement gegen die Verwendung von Phydus. Junior hingegen kennt es gar nicht anders und kann das natürlich nicht nachvollziehen – dafür akzeptiert er es.

Doch keine Sorge, liebe Romantiker, auch Ihr werdet auf Eure Kosten kommen!

>> „Ich brauchte also nur ein kleines bisschen zu sterben, um dir einen neuen Planeten zu schenken.“ […]

„Du blöder Idiot!“, sagt sie und schlägt mich noch einmal. „Ich will keinen neuen Planeten ohne dich!“ << S. 277

Neben dem romantischen Aspekt geht es vor allem spannend, schockierend und unvorhersehbar in bester Revis-Manier weiter. Wir erleben eine spannende Geschichte, die dem Genremix aus Band 1 treu bleibt und sich immer wieder steigern kann. Dabei lebt vor allem dieser zweite Band von einer unglaublich bedrückenden Atmosphäre, die immer wieder dadurch angeheizt wird, dass Hoffnungen geweckt und genauso schnell zunichte gemacht werden. Und das so häufig, dass man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Es bleibt dem Leser gar nichts anderes übrig, als jede Verabredung abzusagen und sich ganz diesem Buch zu widmen, denn glaubt mir: Ihr werdet nicht die Finger davon lassen können!

Die Gestaltung des Buches bleibt dem Stil des ersten Bandes treu und gefällt mir doch viel besser. Es trifft das Thema auf den Punkt und ist in seiner Schlichtheit doch sehr ausdrucksstark.

Fazit

Beth Revis‘ „Godspeed – Die Suche“ ist einer der besten zweiten Teile, die ich je gelesen habe, und kann seinen Vorgänger noch um Längen toppen. Der Einstieg in die Geschichte gelingt ohne Probleme und man wird sofort wieder mitgerissen. Die Charaktere entwickeln sich weiter, ebenso ihre Beziehung zueinander. Das hohe Spannungsniveau ist nur noch durch die beeindrucken düstere Atmosphäre zu überbieten, die vom Leser vollkommen Besitz ergreift. Natürlich vergebe ich – wie könnte es anders sein? – 5/5 Bücher!

Die Autorin

© Visio Photography

Beth Revis, geboren und aufgewachsen in den Ausläufern der Appalachen in
North Carolina/USA, schrieb schon während der Schule lieber
Kurzgeschichten, statt dem Unterricht zu folgen. Diese Gewohnheit
behielt sie auch an der Universität bei – aus ihren Kurzgeschichten
waren mittlerweile halbe Romane geworden. Nach ihrem Abschluss an der NC
State University in Englischer Literatur wurde Beth Revis Lehrerin. Da
sie es auch weiterhin nicht lassen konnte, Geschichten zu schreiben,
statt Essays zu korrigieren und Unterrichtspläne zu erstellen, hat sie
sich inzwischen ganz dem Schreiben gewidmet. Beth Revis lebt mit ihrem
Ehemann und einem Hund im ländlichen North Carolina/USA. „Godspeed – Die
Reise beginnt“ ist ihr Debütroman und der Auftakt einer Trilogie.

Die Reihe

Godspeed Trilogie

  1. Die Reise beginnt / Across the Universe
  2. Die Suche / A Million Suns
  3. Die Ankunft / Shades of Earth  

Weitere Cover

Godspeed-01-Die-Reise-beginnt

Godspeed 01 – Die Reise beginnt von Beth Revis

© Dressler Verlag

Autorin: Beth Revis
Originaltitel: Across the Universe(Across the Universe #1)
Dt. Reihentitel: Godspeed
Dt. Titel: Die Reise beginnt
Dt. Erstausgabe: 08/2011
Verlag: Dressler
Format: Hardcover
Seitenzahl: 448
ISBN-10: 3791516760
ISBN-13: 978-3791516769
Preis: 19,95 €

Die 17-jährige Amy ist einer der eingefrorenen Passagiere an Bord der
„Godspeed“. Sie und ihre Eltern sollen am Ende der Reise zu einem neuen
Planeten wieder erweckt werden 300 Jahre in der Zukunft. Doch Amys
Kühlkasten wird zu früh abgeschaltet. Wollte jemand sie ermorden?
Gewaltsam ins Leben zurückgerissen, findet sie sich in einer fremden
Welt wieder, in der alle Menschen einem tyrannischen Anführer folgen.
Nur einer widersteht: der rebellische Junior, der sich fast magisch
angezogen fühlt von Amy. Gemeinsam versuchen die beiden, den
schrecklichen Geheimnissen der „Godspeed“ auf die Spur zu kommen. Doch
kann Amy Junior trauen? Eine packende Gesellschaftsvision und ein
fesselnder Pageturner um eine große Liebe, der Traum von Freiheit und
tödliche Gefahren.
 

Inhalt

Auf der Suche nach erneuerbaren Energien wird eine Expedition zu einem 300 Jahre entfernten Planeten gesandt. Genau 100 Menschen werden eingefroren, um die Kolonialsierung der Zentauri-Erde anzuführen, darunter solche vom Militär, Spezialisten auf dem Gebiet der Gentechnik und so weiter. Amy ist quasi unnützer Ballast, aber da ihre Eltern eine so wichtige Rolle spielen, darf sie trotzdem mit. Um also nicht von ihrer Familie getrennt zu werden, lässt Amy alles zurück – ihre Großeltern, ihre Freunde, ihren Freund und vor allem ihre Heimat. Die Zukunft ist es wert, behaupten ihre Eltern, doch dann wird Amy 50 Jahre zu früh aufgeweckt, ohne die Hoffnung ihre Eltern je wieder zu sehen und falls doch älter zu sein als sie. Als wäre das nicht genug, wird sie mit einer Anarchie konfrontiert, in der kein Platz für sie ist und ein Mörder geht um, der es auf die Eingefrorenen abgesehen hat. Immerhin ist Junior, der zukünftige Anführer der Godspeed, auf ihrer Seite. Werden es die beiden gemeinsam schaffen, den Mörder zu finden, bevor dieser Amys Eltern auf dem Gewissen hat?

Charaktere

Amy ist eine starke Persönlichkeit mit einem ebenso starken Willen. Für ihre Eltern hat sie alles zurück gelassen und dieses Opfer lässt sie auch lange Zeit nicht los. Vor allem nicht nachdem sie so abrupt aus ihrem eisigen Schlaf gerissen wurde. Ganz auf sich alleingestellt, sieht sie sich mit massenhaft Gefahren konfrontiert und lässt sich doch nie einschüchtern. Mit ihrer hellen Haut, den roten Haaren und den leuchtend grünen Augen sticht sie aus der monoethnischen Masse heraus und verzaubert Junior auf der Stelle. 

Junior ist der angehende Kapitän bzw. Anführer der Godspeed. Als solcher ist er ohne Familie aufgewachsen und hat natürlich auch nie das Leben außerhalb des Schiffes kennengelernt. Da ist es wenig verwunderlich, dass er schwer fasziniert von Amy ist. Ihm selbst mangelt es ein wenig an Durchsetzungsvermögen und er muss selbst noch herausfinden, was eigentlich seine Überzeugungen sind. Dafür ist er offen für Neues und durchaus bereit, dazu zu lernen.

Eigene Meinung

Godspeed – Die Reise beginnt“ von Beth Revis ist der Auftakt zu einer Trilogie, die man meiner Meinung nach einfach gelesen haben muss.

>> Es gibt kein Warum, so wie es auch kein Zurück gibt. << S. 441

Der Schreibstil ist nicht sonderlich aufregend, aber sehr schön zu lesen. Dabei gibt gerade dieses „Unaufgeregte“ dem Leser das Gefühl, wirklich Teil der Geschichte zu sein, denn so achtet man weniger auf das Geschriebene als auf die Geschichte selbst – zumindest erging es mir so. Die Geschichte wird immer abwechselnd aus Sicht von Amy und Junior aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei ich leider ein wenig meckern muss. Denn obwohl man den Charakteren schön nah kommt, ist leider kaum ein Unterschied zu merken, weswegen man manchmal zweimal nachschauen musste, wer gerade tatsächlich „erzählt“.

Die Charaktere hinterließen sehr widersprüchliche Eindrücke bei mir. Amy konnte mich durchweg von sich überzeugen. Sie ist tough, aber auch sensibel. Sie hat Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten. Ihre Liebe für die Sol-Erde, das Gefühl, in der Godspeed gefangen und erdrückt zu sein, und ihre Wut über die Ungerechtigkeiten an Deck konnte ich wunderbar nachempfinden. Ihre Handlungen waren sowohl durchdacht als auch impulsiv; einfach total authentisch! 

>> Alles, was ich jemals geliebt habe, ist jetzt unerreichbar. Alles, was ich jemals wollte. Alles, was ich jemals war. << S. 441

Junior hingegen verblasst angesichts dieser ausdrucksstarken Persönlichkeit. Er selbst ist noch total unausgereift und weiß einfach nicht, was er will, dabei hat er eigentlich von klein auf ein Ziel vor Augen. Er kann sich oft einfach nicht entscheiden und es kommt oft so rüber, als hätte er keine eigene Meinung. Was wirklich schade ist, denn er ist gleichzeitig ein sympathischer Charakter, den man gern haben WILL. Harley und Orion sind Persönlichkeiten, die im Gedächtnis bleiben. Beide sind, meiner Meinung nach, wirklich gut gelungen!

>> „Ich kenne Harley. Ich weiß, wie besessen er sein kann. Wahrscheinlich hat er mehr Zeit damit verbracht, die Sterne anzustarren, als die gefrorenen Leute zu bewachen.“ << S. 230

Die Geschichte ist einfach toll! Ich habe wirklich selten etwas vergleichbar Spannendes gelesen. Vor allem der Genremix kann begeistern, denn so kommen gerade Sci-Fi Skeptiker bei dieser Reise ins All auf ihre Kosten. Dystopie, Thriller, Jugendbuch und Science Fiction – all in one! 

Neben diesem tollen Mix begeistert auch die Authenzität oder zumindest das Gefühl davon. Bei den angesprochenen Themen möchte ich nicht so vermessen sein, zu behaupten, dass ich erkennen kann, ob das alles so stimmt, aber die detaillierte und schonungslose Art, die Revis bei ihren Erklärungen an den Tag legt, wirkt zumindest glaubhaft und darauf kommt es doch wohl an. Wer kann schon sagen, welche Technologie in den nächsten Jahrhunderten auf uns zukommt? Welcher Otto-Normalverbraucher kennt sich mit der medizinischen Versorgung aus, die nötig ist, um eine Einfrierung zu überleben? Mir ging es jedenfalls so unter die Haut, dass mir bei dem Prolog richtig schlecht wurde und ich das Buch wieder weglegen musste.

>> Aber der langen Rede kurzer Sinn – man muss dabei nackt sein, und keiner von beiden wollte, dass ich ihn nackt sah (nicht, dass ich scharf darauf gewesen wäre – igitt, bloß nicht), aber das gab den Ausschlag. Es war das Beste, wenn Mom die Erste war, weil wir die gleichen Körperteile haben und so. << S. 5

Nach dem ersten Schreck geht es dann auch gleich turbulent weiter und in diesem Fall kann man auch ganz unbesorgt den Klappentext lesen, weil es so viele unvorhersehbare Wendungen gibt, dass man damit niemals rechnen würde. Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut und jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger – das Buch selbst witzigerweise so gar nicht. Der große Showdown ist erstaunlich klein, aber nachdem so viel passiert ist, hat mich das gar nicht weiter gestört und ein rundes Ende ist doch auch mal schön.

Die Liebesgeschichte ist schnell, spontan und doch dezent. Es gibt sowas wie einen Blitzstart und danach kühlt es sich merklich ab. Angesichts der dort herrschenden Zustände finde ich es aber auch nur gerechtfertigt, dass sich die Protagonisten auf mehr als nur ihr Liebesleben konzentrieren. Doch vollends überzeugt war ich erst als Amy das Argument bringt, dass die beiden nicht nur zusammen sein sollten, weil sie keine andere Wahl haben. Und auch, dass sich die beiden wirklich zuhören und ausreden lassen – und somit auch vergeben können.

>> Dieses ganze Schiff wurde durch Lügen zusammengehalten, und jeder Einzelne war entweder selbst ein Lügner oder einer, der belogen wurde.

Außer Junior. << S. 441

Entgegen Amys Rationalität ist Junior natürlich hin und weg. Doch wer kann es ihm verdenken? Sie sieht nicht nur anders aus, sie denkt anders, redet anders und handelt anders. Sie rüttelt ihn auf und berührt ihn auf eine Weise, die er so noch nie erlebt hat – weder bei sich selbst, noch bei anderen.

>> Ich habe sie dort liegen sehen, eingefroren in ihrer Glaskiste. Und sie war anders. WIRKLICH anders. Ich würde den Sonnenuntergang auf der Sol-Erde niemals sehen, aber da war er, in ihren Haaren, eingefangen im Eis. Blasse Haut. Und jung. Wie ich. << S. 433

Die Gestaltung ist gut, aber das Cover kann leider nicht mit dem Original mithalten. Dabei ist Grün meine absolute Lieblingsfarbe, aber im Original werden die Sterne, die so eine wichtige Rolle spielen, vielmehr hervorgehoben. Außerdem mag ich diesen Plastik-Schutzumschlag gar nicht – das fühlt sich einfach furchtbar an!

Fazit

„Godspeed – Die Reise beginnt“ von Beth Revis hat mich gefesselt, begeistert – einfach völlig aus den Socken gehauen. Frau Revis versteht es meisterhaft, immer wieder einen drauf zu setzen und den Leser zu überraschen. Tolle Charaktere, eine unvorstellbar spannende Geschichte und ein Genremix der Extraklasse machen diesen genialen Trilogieauftakt aus. Ich selbst habe lange „drumherumgeschlichen“ und konnte mich nicht entscheiden, ob ich es lesen soll oder nicht. Jetzt frage ich mich ernsthaft wie ich JEMALS zweifeln konnte. Für mich ist es ein klares Must-Read und dies ist der offizielle Aufruf an alle Zweifler: LEST DIESES BUCH! Ganz klare 5/5 Bücher!

Die Autorin

© Visio Photography

Beth Revis, geboren und aufgewachsen in den Ausläufern der Appalachen in
North Carolina/USA, schrieb schon während der Schule lieber
Kurzgeschichten, statt dem Unterricht zu folgen. Diese Gewohnheit
behielt sie auch an der Universität bei – aus ihren Kurzgeschichten
waren mittlerweile halbe Romane geworden. Nach ihrem Abschluss an der NC
State University in Englischer Literatur wurde Beth Revis Lehrerin. Da
sie es auch weiterhin nicht lassen konnte, Geschichten zu schreiben,
statt Essays zu korrigieren und Unterrichtspläne zu erstellen, hat sie
sich inzwischen ganz dem Schreiben gewidmet. Beth Revis lebt mit ihrem
Ehemann und einem Hund im ländlichen North Carolina/USA. „Godspeed – Die
Reise beginnt“ ist ihr Debütroman und der Auftakt einer Trilogie.

Die Reihe

Godspeed Trilogie

  1. Die Reise beginnt / Across the Universe
  2. Die Suche / A Million Suns
  3. Die Ankunft / Shades of Earth 

Weitere Cover