[Rezension] Gold und Stein von Heidi Rehn

© Droemer Knaur

Autorin: Heidi Rehn
Dt. Titel: Gold und Stein
Dt. Erstausgabe: 04/2012
Verlag: Droemer Knaur
Format: Hardcover
Seitenzahl: 712
ISBN-10: 3426652617
ISBN-13: 978-3-426-65261-9
Preis: 19,99 €

Die Leseprobe findet Ihr hier.

Die große Königsberg-Saga!
Eine Mutter und eine Tochter, die eine rätselhafte Vergangenheit trennt.
Ein Geheimnis, das ihr Leben zu zerstören droht.
Eine Stadt, die bis heute ihren Zauber nicht verloren hat.
Sinnlich, kraftvoll, dramatisch!

Inhalt

Agnes lebt mit ihrer Mutter in Wehlau, wo sie das Brauereigeschäft ihres verstorbenen Stiefvaters fortführen. Das Leben nimmt seinen gewohnten Gang bis sie den gutaussehenden Laurenz Selege trifft – zwischen den beiden funkt es gewaltig, doch ihr Glück wird von einer Geschichte getrübt, die ihr Liebster ihr erzählt: angeblich hat Agnes einen Zwillingsbruder! Ihre Mutter Gunda weigert sich, das zuzugeben und versucht, sie mit einem anderen zu verheiraten, was Agnes dazu bewegt, mit Laurenz durchzubrennen. Mit seinem Gewissen hadernd gibt Laurenz seine Zukünftige in die Obhut seiner Muhme, weil er geschäftlich auf die Marienburg muss. Währenddessen verkümmert Agnes, geplagt von Zweifel und Misstrauen, im Löbenicht. Dies ändert sich an dem Tag, an dem sie Caspar trifft. Auch die beiden fühlen sich direkt zueinander hingezogen, aber bevor es zum Schlimmsten kommt, entdeckt sie dasselbe Feuermal in seinem Nacken, das auch Agnes selbst zu eigen war. Kann Caspar etwas der besagte Zwillingsbruder sein?

Charaktere

Agnes ist zu Beginn von „Gold und Stein“ 17 Jahre alt. Sie ist gut erzogen, fleißig und intelligent, aber trotz all ihrer Tugenden vermag sie nicht die Kluft zu überwinden, die zwischen ihr und Gunda herrscht. Die Liebe zwischen Mutter und Tochter ist nicht zu bezweifeln, dennoch wahren sie stets eine gewisse Distanz.
Sie ist sowohl vorsichtig als auch ungestüm, naiv und aufrichtig. Paradoxerweise zwingt sie die Situation vermehrt zu lügen, wodrunter sie ziemlich leidet. Im Laufe der Geschichte reift sie zusehends, sodass sie als selbstbewusste, energische Frau aus der Sache hervorgeht.
Gunda ist Agnes Mutter. Eine Mutter, die es ihrer Tochter nicht immer leicht macht. Geprägt durch eine Tragödie in ihrer Jugend hält sie einen Panzer aufrecht, der sie nicht nur schützt, sondern auch alle anderen ausgrenzt, inklusive Agnes. Wegen einer Panikattacke – ausgelöst durch eine Aussage von Laurenz – schickt sie sich an, Agnes mit einem Händler aus dem Nachbardorf zu verheiraten, wodurch sie alle Brücken zwischen sich und ihrer Tochter abbricht. Doch auch ihr Charakter entwickelt sich weiter und man versteht so einiges besser.
Laurenz Selege ist ein angesehener Baumeister im ganzen Land. Er ist belesen, clever und sehr fürsorglich. Gleichzeitig hat er etwas unnahbares, das seinen gewissen Reiz ausmacht. Einmal gegeben, steht er zu seinem Wort und durch seine gute Erziehung versucht er eigentlich nur alles richtig zu machen. Alles in allem hat Agnes einen ziemlich guten Geschmack.
Caspar ist ein aufgeweckter, intelligenter Kaufmannssohn, dessen Streben darin besteht, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er ist humorvoll, unglaublich süß und total unbeholfen gegenüber dem anderen Geschlecht. Auf Anhieb ist er sympathisch und man möchte ihn einfach nur knuddeln.
Gernot ist Caspars Vater und der geborene Kaufmann. Er ist kein schlechter Mensch, scheint aber nicht das nötige Durchsetzungsvermögen zu haben, woraus ziemlich schlimme Fehler resultieren. Sein Leben ist geplagt von Schuldgefühlen und er gibt sich Mühe, das Beste aus der gegebenen Situation zu machen. Jedoch haben ihn die vergangenen Vorkommnisse wankelmütig und zuweilen aggressiv werden lassen. Ich finde das einfach nur schade.

Eigene Meinung

Heidi RehnsGold und Stein“ zu rezensieren fällt mir nicht leicht. Es war mein erster historischer Roman seit langem und nebenbei auch noch mein erster Buchgewinn, dementsprechend aufgeregt war ich.
Das Cover löst bei mir ebenso zwiegespaltene Gefühle auf wie der Inhalt. Einerseits finde ich es richtig schön, immerhin ist es ein tolles gebundenes Buch mit Lesebändchen, Goldlettern und einer Borte, beides hervorgehoben, sodass man nicht aufhören möchte, über das Buch zu streichen. Andererseits gefällt mir die Frau auf dem Buchumschlag gar nicht. Bedenkt man, dass Gunda und Agnes auffallend schön sein sollen, passt mir das einfach nicht.
Der Schreibstil ist wie versprochen gut leserlich und sehr anschaulich. Ich konnte mir gut ein Bild von den Figuren und der Landschaft machen, aber die Beschreibung der Städe und Gebäude war mir doch zu viel. Ich habe zwar auch „Die Säulen der Erde“, sowie „Die Tore der Welt“, gelesen, aber selbst da hatte ich eine bessere Vorstellung der Kathedrale als hier. Viel zu viele Begriffe hatte ich zwar gehört, sie zu visualieren hätte aber einer Internetrecherche bedurft, sodass ich das dann einfach übergangen habe.
Zu Anfang hat mich die Handlung schnell in seinen Bann gezogen, ebenso schnell auch wieder verschreckt. Der Klappentext war so viel versprechend und nach der ersten Begegnung mit Laurenz hat man das Gefühl, alles durchschaut zu haben. Würde ich Euch meine Meinung in einem Kurvendiagramm visualisieren, würdet Ihr dort einen gravierend Abfall erkennen.
Gott sei Dank zwinge ich mich dazu, ein jedes Buch bis zum Ende zu lesen, denn es hat sich definitiv gelohnt. Schnell wird einem klar, dass das, was man für den zentralen Aspekt hält, nur wichtig und nicht der Mittelpunkt ist und immer mehr Fragen türmen sich auf. Man lernt die Charaktere besser kenenn und schätzen und fiebert der Auflösung des Rätsels entgegen. Leider kam nur die Figur Laurenz etwas zu kurz.
Schlußendlich muss ich sagen, dass ich richtig traurig war als ich es beendet hatte. Man fühlte sich ganz heimisch in der Geschichte und es kam mir vor, als würde ich mich auf die Heimreise nach einem wunderschönen Urlaub begeben. Empfindungen sind aber sehr wichtig, bleiben mir nach vielen Jahren zumeist nur emotionale Assoziationen mit gewissen Büchern, da ich sie in der Regel nur einmal lese und selbst das beste Gedächtnis verblasst irgendwann..
Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass ich Heidi Rehn für mich entdeckt habe. Ihre anderen Bücher sind direkt auf meiner Wunschliste gelandet.

Fazit

Heidi Rehns „Gold und Stein“ erhält 4 von 5 Büchern. So gerne ich es auch mit der vollen Punktzahl bewerten würde, muss ich doch auch berücksichtigen, dass mich nur mein Anti-Abbrech-Prinzip davon abgehalten hat, es nach dem ersten Viertel zur Seite zu legen.

Die Autorin

Heidi Rehn wurde 1996 in Koblenz geboren und wuchs in einer Kleinstadt am Mittelrhein auf. Sie studierte Germanistik, Geschichte, BWL und Kommunikationswissenschaften in München. Nach dem Magisterexamen war sie zunächst Dozentin an der LMU, anschließend PR-Beraterin in einer Agentur. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in München.

Weitere Bücher

     

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