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[Rezension] Seelenkuss von Lynn Raven

© cbt
Autorin: Lynn Raven
Dt. Titel: Seelenkuss
Dt. Erstausgabe: 12/2013
Verlag: cbt
Format: Paperback
Seitenzahl: 576
ISBN-10: 3570162958
ISBN-13: 978-3570162958
Preis: 14,99 €
Die Leseprobe findet Ihr hier.
Prinzessin Darejan erkennt ihre Schwester nicht wieder. Die mitfühlende Königin Seloran scheint plötzlich eiskalt geworden zu sein, und den rätselhaften Gefangenen, den sie in ihrem tiefsten Kerker versteckt, behandelt sie ungewöhnlich grausam. Angeblich sei er ein Spion der Nordreiche. Doch dann entdeckt Darejan eine schreckliche Wahrheit: Der finstere Magier Ahoren hat Besitz von Königin Selorans Körper ergriffen und baut eine Armee von Schattenkriegern auf, um das Königreich zu unterwerfen. Und plötzlich ist Darejan selbst auf der Flucht, zusammen mit dem angeblichen Spion. Er gehört dem Geheimorden der DúnAnór an, die als Einzige in der Lage sind, Ahoren zu bannen. Doch der Gefangene hat sein Gedächtnis verloren. Und zudem scheint er Darejan zu hassen. Das ungleiche Paar begibt sich auf eine Suche voller tödlicher Gefahren …

Inhalt

Seltsame Dinge gehen im Königreich vor. Ein Gefangener wird über Gebühr misshandelt, die Königin ist nicht mehr sie selbst und eine neue Garde versetzt die Palastwachen in Angst und Schrecken. Das alles wird dem Hauptmann zu bunt und er fängt an, zu ermitteln. Was dabei herauskommt, ist schlimmer als er es sich je vorgestellt hätte. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als den Gefangenen zu befreien und zieht unbeabsichtigt Prinzessin Darejan in die Vorkommnisse mit rein. Dabei hat die Prinzessin schon genug damit zu kämpfen, dass ihre Magie versiegt und ihre Erinnerung getrübt ist. Inwiefern ist der mysteriöse Gefangene in all das verwickelt? Und warum fühlt Darejan diese unerklärliche Verbindun zu diesem Mann?

Eigene Meinung

Seelenkuss“ von Lynn Raven ist eines dieser Bücher, die man sehnsüchtig erwartet, nur um dann enttäuscht zu werden.
Das liegt vermutlich zum Teil an meinen hohen Erwartungen, die daher rühren, dass die Autorin mich bisher wirklich immer begeistern konnte. Umso trauriger, dass ich beinahe schon am Anfang aufgegeben hätte, denn man wird hier in eine High Fantasy Welt geworfen, die so komplex geschildert und doch kaum erklärt wird. Unzählige, teilweise unaussprechliche Namen und Bezeichnungen in Kombination mit dem Fehlen eines Glossars machten diese Lektüre vor allem am Anfang zur Qual. Dabei würde ich mich schon als erprobten High-Fantasy-Leser bezeichnen und greife sonst auch eher selten zum Namensregister. Ebenfalls schmerzlich vermisst habe ich ein Karte, die mir eine Vorstellung dieser fremden Welt gewährleistet hätte. Wirklich sehr sehr schade!
Dabei überzeugt Raven auch dieses Mal mit ihrem bildgewaltigem und flüssigen Schreibstil, der den Leser eigentlich schnell in seinen Bann ziehen sollte. Erzählt wird die Geschichte im personalen Erzählstil aus verschiedenen Perspektiven.
Die Charaktere haben so viel Potenzial und tolle Hintergründe, dass ich auch diesbezüglich traurig bin, weil sie mir doch so unsympathisch waren.
Darejan ist eine Prinzessin, die alles andere als eingebildet ist. Ihr bester Freund ist der Hauptmann der Garde und sie schleicht sich liebend gerne aus dem Palast raus, um sich unter das einfache Volk zu mischen. Auch wenn sie ziemlich naiv in das große Abenteuer hineinstolpert, passt sie sich doch recht schnell den neuen Gegebenheiten an und handelt in der Regel mit Bedacht. Wenn sie sich ein Ziel gesetzt hat, lässt sie sich nicht so leicht davon abbringen und auch so legt sie eine bemerkenswerte Sturheit an den Tag. So scheut sie auch nicht vor Gefahren zurück. Gerade deswegen hat mich ihr kontroverser Umgang mit dem ehemals Gefangenen ziemlich irritiert. Auf der einen Seite ist sie liebevoll und umsorgt ihn, auf der anderen redet sie mit ihm als wäre er ein ungezogenes und unliebsames Tier. Trotz ihrer gerade noch gelobten Intelligenz, hat sie zeitweise eine deprimierend lange Leitung.
Über den Dún Anór kann ich kaum etwas erzählen, ohne zu viel zu spoilern. Durch die Gefangenschaft hat er sein Gedächtnis verloren und ein „Trauma“ (auch hier muss ich das so beschreiben, um nicht zu viel zu verraten) erlitten. Dadurch wirkt auf die Meisten wie ein Verrückter und wird zumindest von Darejan auch oft so behandelt. Anhand seiner Tätowierungen, die ihn als Dún Anór kennzeichnen, behandeln ihn zumindest all die anderen Reisegefährten respektvoll, denn so ziemlich alle scheinen zu wissen, was er ist – abgesehen von der Prinzessin, deren Volk scheinbar alles mögliche vergessen hat.
Hinter der Geschichte steckt eine geniale Idee, die mich rückblickend durchaus noch überzeugen konnte. Leider musste ich mich fast die komplette erste Hälfte dazu zwingen weiterzulesen. Eine Qual, die ich nie erwartet hätte. Es ist alles irgendwie zu viel, zu wenig erklärt und unnötig umschrieben. Es gab einige Szenen, die man getrost hätte streichen können, wohingegen das große Finale mehr Details verdient hätte.
Diese unnötige Länge entstand vor allem durch das unfassbar nervige Gezanke der beiden Protagonisten. Quasi bis zum Schluss konnte man keinerlei Entwicklung in deren Beziehung verzeichnen, obwohl von Anfang an klar, dass sich früher oder später eine Liebesgeschichte entwickeln wird.

Fazit

Lynn Ravens „Seelenkuss“ weckte große Erwartungen und hat mich auf so vielen Ebenen enttäuscht. Der fantastische Schreibstil konnte leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass man zu viel Input mit zu wenigen Erklärungen aufgebürdet bekommt. Ein Glossar und / oder eine Karte hätten so viel retten könnten! Leider bleibt es nicht dabei, denn auch das Potenzial der Geschichte hätte besser genutzt werden können und auch die Charaktere hätten sich früher entwickeln müssen. Alles in allem war dieser „Raven“ eine große Enttäuschung, obwohl mich rückblickend das Gesamtpaket irgendwie überzeugt hat. Es ist wirklich schwer zu beschreiben und ich verstehe es selbst noch nicht ganz, aber mit ein paar Gadgets in der zweiten Auflage wäre dieser Roman durchaus eine Empfehlung wert – zumindest für Fans der Autorin und vor allem des Genres. Schwache 3/5 Bücher!

Die Autorin

© Isabell Grubert/Random House
Lynn Raven lebte in Neuengland, USA, ehe es sie trotz ihrer Liebe zur wildromantischen Felsenküste Maines nach Deutschland verschlug. Nachdem sie zwischenzeitlich in die USA zurückgekehrt war, springt sie derzeit nicht nur zwischen der High- und der Dark-Fantasy hin und her, sondern auch zwischen den Kontinenten.

Weitere Bücher

Mein Dank geht an…

…den cbt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Ein Gedanke zu „[Rezension] Seelenkuss von Lynn Raven

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