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[Rezension] Peter Grant 03 – Ein Wispern unter Baker Street von Ben Aaronovitch

Band: 3/6
Dt. Erstausgabe: 01.06.2013
Verlag: dtv
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 448
ISBN-10: 3423214481
ISBN-13: 978-3423214483
Preis: 9,95 €

Es ist ja nicht so, dass Peter Grant, Zauberer in Ausbildung und Police Constable in London, nichts für das Üben von Zaubersprüchen und das Pauken von Lateinvokabeln übrig hätte – bestimmt nicht! Aber es ist doch immer wieder schön, wenn zur Abwechslung auch mal reelle Polizeiarbeit gefragt ist. Eine unbekannte Person wird im U-Bahn-Tunnel nahe der Station Baker Street tot aufgefunden – erstochen, und es deuten unübersehbare Anzeichen auf die Anwesenheit von Magie hin. Ein Fall für Peter, keine Frage. Der unbekannte Tote stellt sich als amerikanischer Kunststudent und Sohn eines US-Senators heraus, und ehe man noch „internationale Verwicklungen“ sagen kann, hat Peter bereits die FBI-Agentin Kimberley Reynolds mitsamt ihren felsenfesten religiösen Überzeugungen am Hals. Dabei gestalten sich seine Ermittlungen auch so schon gruselig genug, denn tief in Londons Untergrund, in vergessenen Flüssen und viktorianischen Abwasserkanälen, hört er ein Wispern von alten Künsten und gequälten Geistern …


Meine Meinung

Ein Wispern unter Baker Street“ von Ben Aaronovitch ist eine weitere wundervolle Fortsetzung der Peter Grant Reihe.
Obwohl sich nach zwei Bänden so langsam aber sicher eine übergreifende Handlung herauskristallisiert, bleibt Aaronovitch sich treu und verwickelt den jungen Constable direkt zu Beginn in einen neuen Fall. 
Nachdem uns Schwarzer Mond über Soho in die Welt des Jazz entführt hat, werden wir nun in die Tiefen Londons geführt – in die U-Bahn Tunnel und Abwasserkanäle. Aus der künstlerischen, musikalischen Atmosphäre wird nun mehr ein Hauch von Dreck und Gestank, der erstaunlicherweise nicht weniger fesselnd ist als die Stimmung in den vorigen Bänden. 
Viele Bücher leben bekanntlich von ihren Schauplätzen und London ist dabei oft das Setting der Wahl. Doch nur wenigen gelingt es, uns diese Stadt so nahe zu bringen wie Ben Aaronovitch. Jedes Buch zeigt uns eine neue Facette dieser vielschichtigen Metropole und erschafft so ein nachhaltiges Bild, das selbst jemandem wie mir, der noch nie dort war, das absolute London-Feeling ermöglicht.
Dermaßen in dieses fiktive London versunken fiel es mir leicht, die Geschichte wie einen Kurztrip zu genießen. In gewohnter Manier füttert uns der Autor mit einer wahren Masse an Informationsfitzelchen, aus denen wir Leser dann die richtigen Hinweise herausfischen können – außer man ist lieber faul und wartet auf die Auflösung am Ende. Letzteres ist natürlich eine legitime Option, aber aufpassen sollte man trotzdem, sonst kommt man auch da nicht mehr mit.
Mittlerweile wissen wohl die meisten, dass echte Polizeiarbeit (auch die für magische Polizisten) nicht immer so actionreich vonstatten geht wie in den beliebten Crime-Serien im Fernsehen. So muss Peter vielen Hinweisen nachgehen, Leute befragen und lästige Büroarbeit erledigen – und nebenbei auch noch Magie erlernen. Letzteres kommt in diesem Band ein wenig zu kurz, immerhin ist Nightingale auch damit beschäftigt, Lesley die Grundlagen beizubringen. Was für den einen Leser vielleicht etwas langweilig ist, empfand ich dank des fantastischen Humors als ebenso unterhaltsam wie Verfolgungsjagden oder magische Duelle.
Da die Welt bekanntlich ein Dorf ist, trifft Peter auf seinen Wegen viele alte Bekannte und sammelt auch dieses Mal neue, interessante Figuren auf. Darunter eine ehrgeizige FBI-Agentin und ein verständnisvoller, wenn auch kauziger, Sergeant der British Transport Police. Desweiteren ein undurchsichtiger Halb-Mensch, der bestimmt noch ordentlich Chaos stiften wird.
Der neue Fall zeigt uns nicht nur den Untergrund von London, sondern bietet vor allem die Möglichkeit, den Pakt – bzw. die verschiedenen Pakte, die die Polizei (oder die Regierung?) mit der magischen Welt geschlossen hat, – zu hinterfragen. Ist es richtig, die magischen Wesen an die eingeschränkte Menschenwelt anzupassen? Oder wird es vielleicht nicht mal Zeit, Kompromisse einzugehen? Ist Peter auf dem richtigen Weg, wenn er den Wesen die Hand reicht und mit ihnen zusammenarbeitet, anstatt sie zu bekämpfen oder aus dem Weg zu gehen?

Fazit

Zusammenfassend entführt uns Ben Aaronovitchs „Ein Wispern unter Baker Street“ ein weiteres Mal in das magische London von Peter Grant. Man erlebt einen spannenden Fall, lernt die magische Welt besser kennen und kriegt dank des schwarzen Humors und den gelungenen Anspielungen auf die heutige Pop-Kultur so einiges zum Lachen. Die übergreifende Handlung tritt ein wenig in den Hintergrund, dafür werden viele Türen zu neuen Wegen aufgestoßen. Peters Geschichte ist eindeutig noch nicht ausgezählt und ich freue mich schon auf viele weitere Abenteuer. 5/5 Bücher!

Der Autor

Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie ‚Doctor Who‘ verfasst), arbeitet er als Buchhändler. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.

Die Reihe

  1. Die Flüsse von London | Midnight Riot (Peter Grant #1)
  2. Schwarzer Mond über Soho | Moon Over Soho (Peter Grant #2)
  3. Ein Wispern unter Baker Street | Whispers Under Ground (Peter Grant #3)
  4. Der böse Ort | Broken Homes (Peter Grant #4)
  5. Fingerhut-Sommer | Foxglove Summer (Peter Grant #5)
  6. ??? | The Hanging Tree (Peter Grant #6)


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Originalcover

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