[Rezension] Partials 01 – Aufbruch von Dan Wells

Autor: Dan Wells
Übersetzer: Jürgen Langowski
Originaltitel: Partials (Partials #1)
Dt. Reihentitel: Partials
Dt. Titel: Aufbruch
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 12.03.2013
Verlag: IVI
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Format: Hardcover
Seitenzahl: 512
ISBN-10: 3492702775
ISBN-13: 978-3492702775
Preis: 16,99 €
Leseprobe


Die letzten Menschen haben sich nach einer verheerenden Katastrophe nach Long Island, vor die Tore Manhattans, zurückgezogen. Die Partials, übermächtige Krieger, die einst von den Menschen erschaffen wurden und sich dann gegen sie wendeten, bedrohen die Überlebenden. Und eine unheilbare Seuche fordert ihre Opfer. Die sechzehnjährige Kira setzt alles daran, einen Weg zu finden, die Krankheit zu heilen. Doch dieser Weg führt sie nach Manhattan, mitten in das Gebiet der unheimlichen Partials. Und was sie dort entdeckt, wird nicht nur ihr eigenes, sondern das Schicksal aller Geschöpfe auf unserem Planeten verändern …

Inhalt

Im Jahr 2076 lebt nur noch 0,1 % der ursprünglichen Weltbevölkerung. Dieser spärliche Rest hat sich auf Long Island verbarrikadiert, wo man hofft vor den Partials, künstlich geschaffene Bio-Roboter, sicher zu sein. Dabei sind diese Kampfmaschinen nicht mal mehr das größte Problem haben die Menschen doch mit den Folgen des RM-Virus zu kämpfen. Auch wenn der letzte Rest Population immun zu sein scheint, übertragen sie den Virus auf ihre Kinder, die allesamt innerhalb von 3 Tagen sterben. Da kein Heilmittel in Sicht ist, hofft die Regierung auf eine genetische Mutation, die irgendwann einen Säugling überleben lässt. So wurde ein Gesetz erlassen, dass jede Frau ab ihrem 18. Geburtstag dazu zwingt, so oft wie möglich schwanger zu sein.
Kira arbeitet auf der Säuglingsstation und erträgt das Leiden, das dort herrscht, nur mühsam. Als ihre Stiefschwester Madison schwanger wird, ist ihr klar, dass sie die Dinge in die Hand nehmen muss, denn für sie steht fest, dass dieses Kind überleben wird – koste es, was es wolle. Sie selbst fängt an zu forschen und findet schnell heraus, was andere Forscher übersehen haben:
Die Einzigen, die vollends immun sind und eine Möglichkeit der Heiliung darstellen, sind die Partials selbst. Mit ihrem Plan, einen Partial zu fangen, stößt sie bei der Regierung auf taube Ohren, also mobilisiert sie ihre Freunde und macht sich selbst auf diese gefährliche Mission. Eine Mission, die sogar gelingen soll, doch damit fangen die Probleme erst richtig an…

Die Protagonistin

Kira ist eine außergewöhnlich starke Protagonistin, die ihr Leben ohne zu zögern einem größeren Ziel unterordnet. Sie ist überaus intelligent und sticht damit aus der Masse hervor. Denn obwohl auf allen ein hoher Leistungsdruck ausgeübt wird, übertrifft  Kira mit ihren vielen Talenten, ihrer Wissbegierde und Lernfähigkeit noch alle Erwartungen. Durch ihr hohe Maß an Mitgefühl und Nächstenliebe fällt ihr die Arbeit auf der Säuglingsstation nicht leicht. Nicht, dass sie zimperlich ist, aber mit ihrer eigenen Zukunft vor Augen, fällt ihr die Arbeit doppelt schwer. Das ist auch der Grund, warum sie sich nie ganz auf die Beziehung zu ihrem Freund, Marcus, einlassen kann. Sie ist noch nicht bereit, zu heiraten und Kinder zu kriegen, geschweige denn ihr Leben lang als Brutkasten zu fungieren.

Meine Meinung

Partials 01 – Aufbruch“ von Dan Wells ist eine außergewöhnliche Dystopie, die aus der Masse hervorsticht und jegliche Erwartungen übertrifft.
Die Geschichte definiert sich über einen Handlungsstrang, der von einem auktorialen Erzähler in der dritten Person erzählt wird. Man begleitet Kira auf ihrer Reise und der Fokus liegt dabei ganz klar auf ihr, wodurch der allwissende Erzählstil eine persönliche Note erhält, gleichzeitig werden dem Leser auch Einblicke in die Gefühlswelt der anderen Figuren gewährt, allerdings nur wenn es wirklich nötig ist. 
Die Charaktere sind authentisch und handeln unvorhersehbar. Ein jeder wird eine Entwicklung durchlaufen und man darf sich keinesfalls auf den ersten Eindruck verlassen. Es sind allesamt einzigarte Persönlichkeiten, die sich gegenseitig ergänzen und jeweils ihren Teil dazu beitragen, die Geschichte lebendig zu gestalten. Obwohl man es mit einer starken, unabhängigen und talentierten Protagonistin zu tun hat, wird man nicht mit einer perfekten Überfliegerin behelligt. Kira macht Fehler und kann keinesfalls alles. Sie reagiert nicht immer angemessen und ist bestimmt nicht das Verständnis in Person. Gerade das zeichnet sie aus und es fiel mir leicht, in ihre Rolle zu schlüpfen.
Dan Wells muss mit seiner Story einem kleinen Hype gerecht werden. Dass das nicht immer leicht ist, wissen wir alle nur zu gut. Meine Befürchtungen von einer vorhersehbaren Idee enttäuscht zu werden, waren völlig grundlos, geht es doch um so viel mehr als der Klappentext verspricht. Die Gliederung tut sein Übriges und steigert, meiner Meinung nach, noch die Spannung. 
So darf der Leser im ersten Teil die Protagonisten und das Setting näher kennen lernen und das auf eine Art der Darstellung, die alles andere als langweilig ist. Man erlebt keine Geschichtsstunde, sondern wird mitten ins Geschehen hineinkatapultiert. Wir durchleben die Arbeit auf der Säuglingsstation, das Familienleben, die Bergung nützlicher Gerätschaften aus den allgegenwärtigen Ruinen und einen Angriff der Rebellen. Nicht Kira allein trifft die Entscheidung, etwas zu verändern, der Leser ist ebenso entschlossen. 
Wells gibt unserer Entschlossenheit keine Chance, ins Wanken zu geraten. Durch einen Zeitsprung von zwei Monaten entledigt er sich aller unnützen Szenen und die Jagd nach den Partials kann im zweiten Teil direkt losgehen. Doch keine Sorge, es passiert so viel mehr, dass keine Langeweile aufkommen kann. Für den ein- oder anderen könnten der medizinische Teil zur Zerreißprobe werden, für mich hingegen war dieser Abschnitt auf seine ganz eigene Art spannend.
Im dritten Teil wird nicht mit Action gespart und das Tempo wird nochmal gesteigert. Überraschende Wendungen und unerwartet Probleme bieten das Fundament zu einem mitreißendem Finale.
Nebenbei zeichnet sich diese Dystopie durch einen Mangel an Romantik aus. Die Liebe spielt nur eine Nebenrolle, wenn überhaupt. Die Begebenheiten werden weder romantisiert noch verschönert und trotz meiner anfänglichen Bedenken, wird man auch nicht mit der allzu gern verwendeten Dreiecksbeziehung behelligt.
Covergestaltung und Titelauswahl passen wie die Faust aufs Auge. Die Farben sind ansprechend und springen dem Leser förmlich ins Auge. Die Frau auf dem Cover soll vermutlich Kira darstellen und entsprach so auch meiner Vorstellung während des Lesens. Dass sie auf der Vorderseite von hinten und auf der Rückseite von vorne gezeigt wird, ist eine nette Abwechslung.

Fazit

Dan Wells „Partials I – Aufbruch“ ist eine außergewöhnliche Dystopie, die sich durch unzähliche Überraschungsmomente und einem auffälligen Mangel an Romantik aus einer scheinbar vorhersehbaren Idee eine einzigartige Geschichte macht. Eine Vielzahl von einzigartigen und authentischen Persönlichkeiten machen diese lebendig und Wells bedarf keines fiesen Cliffhangers, um den Leser neugierig auf die Fortsetzung zu machen. Wohlverdiente 5/5 Bücher!

Der Autor

Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah, und war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit »Ich bin kein Serienkiller« erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Weitere Bestseller wie »Mr. Monster« und »Ich will dich nicht töten« folgten. Nach seinen futuristischen Thrillern um die »Partials« ist »Du bist noch nicht tot« der lang erwartete neue John-Cleaver-Roman.

Die Reihe

Partials-Trilogie

  1. Isolation – Eine Story aus der Welt der Partials / Isolation (Partials #0.5)
  2. Aufbruch / Partials (Partials #1)
  3. Fragmente / Fragments (Partials #2)
  4. Ruinen / Ruins (Partials #3)

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Originalcover

Ein Gedanke zu „[Rezension] Partials 01 – Aufbruch von Dan Wells

  1. Kora

    Eine Rezension, die der offensichtlichen Stärke des beschriebenen Buches in nichts nachsteht. Wie schön du deine eigenen Empfindungen für eine Geschichte immer wieder in Worte fasst, finde ich einfach klasse!

    Allerbeste Grüße,
    Kora

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