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[Rezension] Half Bad 01 – Das Dunkle in mir von Sally Green

© cbj
Autorin: Sally Green
Dt. Reihentitel: Half Bad
Dt. Titel: Das Dunkle in mir
Dt. Erstausgabe: 03/2014
Verlag: cbj
Format: Hardcover
Seitenzahl: 432
ISBN-10: 357015842X
ISBN-13: 978-3570158425
Preis: 17,99 €

Die Leseprobe findet Ihr hier.

Nathan wird gejagt. Seit seiner frühesten Kindheit wird er von der Regierung beobachtet, verfolgt, eingesperrt. Denn Nathan lebt in einer Welt, in der – mitten im modernen Alltagsleben – Hexen existieren. Weiße Hexen, die sich selbst für gut erachten und die Regierungsmacht in ihren Händen halten. Schwarze Hexen, die gefährlich und skrupellos sind und im Untergrund arbeiten. Und Nathan, der beides ist – denn seine Mutter war eine Weiße und sein Vater Marcus ist der gefürchtetste Schwarze aller Zeiten. Nathan ist ihm nie begegnet, aber von so einem Vater kann er nur Dunkles und Böses geerbt haben. Oder?Um an Marcus heranzukommen, stellt der Rat der Weißen eine tödliche Falle – mit Nathan als Köder. Bald wird Nathan von beiden Seiten gejagt und muss sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt: für die gute Seite in ihm – oder für die böse …

Inhalt

Nathans Welt besteht buchstäblich aus Schwarz und Weiß. Seine Gesellschaft wird von weißen Hexen regiert, die auf der ständigen Jagd nach schwarzen Hexen sind – allen voran Nathans Vater, den gefürchteten Marcus. Dadurch, dass er von einer weißen Hexe und einem schwarzen Hexer abstammt, wird er zum Halb-Code deklariert. Er wird gemieden, verspottet, geschlagen und zu Unrecht verurteilt. Immer und immer wieder. Dabei will Nathan nur eines: der Welt beweisen, dass er selbst über sein Schicksal entscheidet. Er will beweisen, dass er gut, dass er weiß ist, aber lässt man ihm denn überhaupt eine Wahl?

Eigene Meinung

Half
Bad – Das Dunkle in mir
“ von Sally Green ist ein außergewöhnlicher
Reihenauftakt, der allerdings nicht jedermanns Geschmack treffen wird.
Den
Schreibstil als gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen, ist wohl untertrieben. Der
komplette erste Teil des Buches wird in dem Sinne von „Stell Dir vor…“ erzählt.
Die Kapitel sind teilweise keine Seite lang – eines besteht sogar nur aus einer
Liste. Schon nach wenigen Seiten wollte ich den Roman abbrechen, weil ich
diesen Stil keine hunderte von Seiten aushalten würde. Glücklicherweise wird
die Geschichte ab dem zweiten Teil aus der Ich-Perspektive erzählt. Keine
totale Besserung, aber immerhin etwas. Die Sätze sind weiterhin kurz und
prägnant, geradezu abgehackt. In ihrer Schlichtheit entsprechen sie dem naiven
Gemüt des Protagonisten, was an sich eine clevere Sache ist, aber es hat das
Lesevergnügen nicht unbedingt gesteigert.
Die
Charaktere bleiben allesamt sehr flach, es wird bestenfalls an der Oberfläche
gekratzt. Selbst Nathan als
Protagonist macht da keine Ausnahme.
Wie
bereits erwähnt, besitzt er ein sehr schlichtes Gemüt. Er hinkt mit seiner
Entwicklung in vielerlei Hinsicht weit hinterher, leidet zum Beispiel unter
einer Leseschwäche, wohingegen er in manch anderer Weise frühreif ist. So
zwingen ihn die Umstände dazu, verantwortungsvolle und harte Entscheidungen
treffen, die selbst einem Erwachsenen schwer fallen würde. Kurz gesagt: er muss
mehr als einmal um sein Leben kämpfen. Warum? Weil er ein Halbblut ist. Sein
Vater ist der mächtigste und gefährlichste schwarze Hexer, den Nathans Welt je gesehen hat, wohingegen
seine Mutter eine typische weiße Hexe war. Die Schmach, von diesem Alptraum ein
Kind zu bekommen, brachte sie sogar dazu, sich umzubringen. Seit seiner Geburt wird
Nathan ausgegrenzt, beleidigt,
geschlagen und gefoltert. Selbst Teile seiner eigenen Familie hassen ihn und
die Gesellschaft versucht, ihn zu brechen. Dabei will er nichts anderes als gut
zu sein, aber ist das überhaupt möglich? Definieren seine Gene sein Schicksal?
Oder drängen ihn vielleicht die weißen Hexen in die Arme seines Vaters, indem
sie ihn so misshandeln?
Um
diese und einige weitere Fragen dreht sich die ganze Geschichte. Natürlich
passiert auch das ein oder andere, aber letztlich läuft es doch immer wieder
auf Probleme der Ethik und Moral hinaus, die nicht nur die Charaktere, sondern
vor allem den Leser beschäftigen werden. So kann man getrost behaupten, dass Green sich nicht nur mit einer neuen
Idee und einem hübschen Cover von der Masse abhebt –  nein, es ist der mal mehr, mal weniger
implizierte Dialog mit dem Leser, der diesen Roman ausmacht. Ihre Gesellschaftskritik
lässt sich natürlich auch auf die Realität projizieren, was das Ganze nur umso
spannender macht.
Leider
bedeutet diese Tiefe nicht, dass es jedem gefallen muss. Ganz im Gegenteil
polarisiert dieser Roman – und ich gehöre leider nicht zur begeisterten Partei.
Ich bin so daran gewöhnt, kein Buch abzubrechen, dass ich normalerweise nicht
einmal darüber nachdenke, aber bei Half
Bad
war dieser Gedanke mein ständiger Begleiter. Abgesehen von den wenigen
temporeichen und spannenden Stellen, musste ich mich richtig zum Lesen zwingen.
Außerdem belastete mich die Grausamkeit, die immer wieder zur Sprache kam. Ich
hatte mit einem Gefühlschaos zu kämpfen, das sich daraus ergab, dass ich ob der
Ungerechtigkeit am liebsten geweint hätte, aber kein Stück mit Nathan fühlen konnte. Ich verstehe,
warum dieser Junge so ist wie er ist, aber ich will mich fallen lassen – in die
Geschichte und vor allem in die Figuren. Das blieb mir hier absolut verwehrt.
Es
gibt sogar eine ganz zarte Liebesgeschichte, die zwar durchaus ein Mittel zum
Zweck ist, aber vor allem ein Zeichen der Hoffnung – wenn auch ein
klischeehaftes. Allerdings kann man hier argumentieren, dass man mit Klischees
arbeiten muss, um auf das Schubladendenken unserer Gesellschaft aufmerksam zu
machen. Vielleicht konnte Green es
auch einfach nicht besser – ich weiß es nicht.

Alles
in allem weiß ich immer noch nicht so genau, was ich von diesem Buch halten
soll. Einer der Gründe, warum es auch so lange keine Rezension gab. Nachdem ich
mich mit der Hilfe einer anderen Bloggerin abgeregt habe, konnte ich wieder das
Positive an diesem Werk sehen, das mich so frustriert zurück gelassen hat. Ob
ich allerdings weiterlesen werde, kann ich absolut nicht sagen.

Fazit

Sally
Greens „Half Bad – Das Dunkle in mir“ ist ein polarisierender Reihenauftakt,
der den Leser nachdenklich zurücklässt. Die Autorin hat eine Welt geschaffen,
die man nur in Ansätzen entdecken darf, während der innere Konflikt des jungen
Nathan in allen Einzelheiten erörtert wird. Erstaunlich dabei ist, dass trotz
dieses Schwerpunktes die Charaktere, allen voran Nathan, enttäuschend blass
ausfallen. Alles in allem ist es weniger Fantasy als zum Nachdenken anregend –
und lässt mich genauso zwiegespalten zurück wie das Halbblut Nathan. 3/5 Bücher
und eine bedingte Empfehlung: lest Euch unbedingt die Leseprobe vorher durch!

Die Autorin

© Mark Allan

Sally Green lebt in Nordengland, hat einen akademischenAbschluss, einen Beruf und bereits in mehreren Jobs (bezahlten und unbezahlten) gearbeitet. Nun hat sie endlich die Zeit gefunden, die Geschichten aufzuschreiben, die sie sich schon immer ausgedacht hat. Sally Green liest gern, mag Wanderungen in der Natur und möchte weniger Kaffee trinken.Half Bad – Das Dunkle in mir ist ihr Debütroman.

Die Reihe

Half Bad Trilogie
  1. Das Dunkle in mir / Half Bad (Half Life Trilogy #1)
  2. ??? / Half Wild (Half Life Trilogy #2)
  3. ??? / ??? (Half Life Trilogy #3)

Weitere Cover

Mein Dank geht an…

…den cbj-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

2 Gedanken zu „[Rezension] Half Bad 01 – Das Dunkle in mir von Sally Green

  1. Wonder_

    Ich würde absolut nicht sagen, dass Nathan ein "schlichtes Gemüt" hat.. Und ist eine Leseschwäche hinterherhinken? Nicht alle Menschen, die nicht lesen können sind irgendwie zurückgeblieben..Vor seinem Hintergrund kann ich Nathans Charakter super nachvollziehen. Dass das Buch polarisiert kann ich nur unterstreichen, ich glaube, man muss einfach schon mit Menschen wie Nathan zu tun gehabt haben, um die Story wirklich erfassen zu können.
    LG 🙂

    Antworten
    1. Rica

      Ich meinte mit "schlichtes Gemüt" nicht, dass Nathan behindert oder geistig zurückgeblieben ist, aber er ist nun mal nicht der komplexeste Charakter 😉 ich sag ja auch, dass ich es verstehen kann, aber es fiel mir nun mal schwer, mich auf ihn einzulassen..ich glaube auch, dass mir die Geschichte besser gefallen hätte, wenn der Schreibstil nicht so quälend gewesen wäre. Ich weiß, dass manche das bestimmt cool fanden, aber mich persönlich haben diese ätzenden Stellen kirre gemacht 😀

      Antworten

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