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[Rezension] Grischa 03 – Lodernde Schwingen von Leigh Bardugo

© CARLSEN Verlag
Autorin: Leigh Bardugo
Übersetzer: Henning Ahrens
Dt. Reihentitel: Grischa
Dt. Titel: Lodernde Schwingen
Dt. Erstausgabe: 08/2014
Verlag: Carlsen
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Format: Hardcover
Seitenzahl: 432
ISBN-10: 3551582971
ISBN-13: 978-3551582973
Preis: 18,90 €
Die Leseprobe findet Ihr hier.
Der Dunkle hat die Macht über Rawka an sich gerissen. Alina muss sich von dem Kampf erholen, der sie fast das Leben gekostet hätte. Tief unter der Erde hat sich ein Kult um die Sonnenheilige versammelt, doch dort kann Alina das Licht nicht aufrufen. Um dem Dunklen ein letztes Mal entgegenzutreten, muss sie zurück an die Oberfläche. Gemeinsam mit Maljen macht sie sich auf die Suche nach dem Feuervogel. Er ist die letzte Möglichkeit, Rawka vor dem Untergang zu retten. Doch der Preis, den er fordert, könnte alles zerstören, für das Alina kämpft.


Meine Meinung

Lodernde Schwingen“ von Leigh Bardugo ist der fast perfekte Abschluss ihrer bezaubernden Grischa-Trilogie.

Auch wenn mich der zweite Band, Eisige Wellen, absolut begeistern konnte, war ich mit dem Ende nicht so ganz zufrieden. Umso gespannter war ich also auf den dritten Band, an den ich ohne Erwartungen, dafür mit umso größeren Hoffnungen herangegangen bin. Frei von Erwartungen war ich auch nur deshalb, weil diese Trilogie so unvorhersehbar ist. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass mich die Leseprobe zu Goldene Flammen so neugierig gemacht hatte, dass ich das Buch damals unbedingt sofort haben musste, aber die Geschichte an sich mich dann erstmal enttäuschte. Der Auftakt war gewiss alles andere als schlecht, aber irgendwie fehlte der Funke, den ich in der Leseprobe meinte gespürt zu haben. Als der zweite Band dann erschien, war ich zwar etwas ruhiger, aber noch immer neugierig genug, um mir auch diesen schnellstmöglich zu besorgen. Überraschenderweise entpuppte sich Eisige Wellen dann sogar als mein Monatshighlight und die Begeisterung von damals hallt noch immer in mir nach. Die ersten beiden Bände könnten sich also nicht mehr voneinander unterscheiden und so konnte ich nur hoffen, dass das Finale mehr nach seinem Vorgänger als dem Auftakt käme.

Immerhin eines haben alle drei gemeinsam: Bardugos Geschichten fangen immer ruhig an und enden in einer wahren Spannungsexplosion. An diesem klassischen Aufbau gibt es auch absolut nichts zu rütteln und gerade in den ruhigen Passagen entfaltet sich erst die grandiose Atmosphäre, die mit das Beste an dieser Reihe ist. 

Wir alle orden diese Trilogie dem Genre High-Fantasy zu, was gewiss nicht falsch ist, aber sich gleichzeitig nicht ganz richtig anfühlt. Das liegt sehr wahrscheinlich nur daran, dass wir größtenteils Fantasy Romane aus dem deutsch- oder englischsprachigen Raum kennen, die sich allein schon vom Setting her ziemlich von diesem russischen Äquivalent abgrenzen – dabei spielen sie alle in fiktiven Welten. Rafka strahlt aber ganz eindeutig etwas völlig anderes als die gängigen Mittelerde-Kopien aus, was sich vor allem in seiner Härte manifestiert und der Melancholie, die kontinuierlich durchsickert. Selbst bei den humorvollen Stellen ist noch eine gewisse Schwermut zu spüren.

Diese eindringliche und dichte Atmosphäre verdanken wir natürlich dem schlichten, aber doch märchenhaften Schreibstil der Autorin. Dabei ist „märchenhaft“ in diesem Zusammenhang buchstäblich zu verstehen, gleicht ihrer Trilogie doch in seinen Grundzügen einem Märchen. Dies zeigt sich auch in dem „Davor“ und dem „Danach“, das die Geschichte in Lodernde Schwingen einrahmt. Abgesehen von der Rahmenhandlung wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt.

Alina erkennt man kaum wieder. Man sollte meinen, dass sie in ihrer anfänglichen Schwäche ihrer früheren Version aus Band 1 ähnelt, aber dem ist nicht so. Nachdem sie nun von der Macht des Dunklen gekostet hat, hat sie das Mädchen, das sie früher einmal war, endgültig hinter sich gelassen. Auch wenn ihr Körper sie im Stich lässt, hält zumindest das unstillbare Verlangen nach Macht ihren Geist aufrecht.

Maljen ist auch weiterhin an Alinas Seite und von dort auch endgültig nicht mehr wegzudenken. Umso enttäuschender, dass er selbst in diesem dritten Band nur ein blasser Schemen im Vergleicht zu den restlichen gut ausgearbeiteten Charakteren bleibt. Selbst wenn ich darüber hinwegsehen könnte, verstehe ich nicht, warum die Autorin ihn nicht wenigstens etwas interessanter dargestellt hat. Natürlich verstehe ich die Symbolik dahinter, dass er für die Einfachheit eines guten Lebens steht und auch für die Armut ihres Lebens als Waisenkinder – aber das hätte doch auch mit einer interessanten Persönlichkeit funktioniert, oder?

Immerhin stammt ja aus derselben Feder auch der fabelhafte Nikolaj. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass mir diese Reihe nicht annähernd so gut gefallen hatte, wenn es ihn nicht gäbe. Er steht für alles Gute in dieser Geschichte: für Mut, Hoffnung und Lebensfreude. Er war für mich interessanter, authentischer und einfach greifbarer als das Protagonisten-Pärchen zusammen. Ist das nicht traurig?

Zum Glück gibt es ja auch noch eine Menge anderer Charaktere, für die sich Bardugo noch einmal etwas Zeit genommen hat. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass man ihre Schicksale nicht ausser Acht gelassen hat, denn sie sind das Fundament, auf dem Alina steht. Denn so gern ich sie auch habe, alleine könnte sie keine Geschichte tragen.

Vor allem keine Geschichte, die es so in sich hat. Die Autorin hat hier wirklich noch mal alles rausgeholt. Das Setting war die ganze Reihe über ein absolutes Highlight, aber keiner der bisherigen Schauplätze kann mit dem mithalten, was wir hier geboten kriegen. Durch Legenden, Märchen und einer Portion „Geschichte“ wird unsere Vorstellung immer klarer. Vor allem die Vergangenheit des Dunklen wird endlich aufgedeckt, wodurch seine Beziehung zu Alina auch noch einmal intensiviert wird. Auch wenn diese Verbindung oft auf Ablehnung trifft, empfinde ich eine solche Verbundenheit der Heldin mit einem gelungenen Antagonisten immer als geschickten Schachzug.

Obwohl der Plot den Großteil eher ruhig verläuft, wird es doch nie langweilig. Habe ich im ersten Band noch die Vorhersehbarkeit mancher Szenen bemängelt, wurde ich hier fast durchgehend überrascht. Dabei rede ich nicht von kleinen „Twists and Turns“, sondern von richtig großen Kloppern, die alles über den Haufen werfen, was man zu wissen glaubt.

Über das Ende lässt sich streiten, aber vermutlich war es unabwendbar. Es hat mich zutiefst berührt und gleichzeitig zufrieden und traurig zurückgelassen. Nachdem ich nun aber einige Zeit hatte, darüber nachzudenken, kann ich es mir gar nicht anders vorstellen und im Grunde hat die Autorin auch die ganze Zeit genau darauf hingearbeitet.

Fazit

Leigh Bardugos „Grischa – Lodernde Schwingen“ ist der krönende Abschluss dieser einzigartigen Trilogie. Ein vorerst letztes Mal durfte ich die fantastische und absolut einzigartige Welt der Grischa betreten, ein überraschendes Abenteuer erleben und liebgewonnene Charaktere bei folgenschweren Entscheidungen beobachten. Das Ende kam wie es kommen musste: überraschend und berührend. Und im Nachhinein war es einfach nur perfekt. 5/5 Bücher!

Die Autorin

© CARLSEN Verlag

Leigh Bardugo wurde 1975 in Jerusalem geboren und wuchs in Los Angeles auf. Sie studierte an der Yale University. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Make-up-Artist. Grischa – Goldene Flammen ist ihr erster Roman, danach folgten zwei weitere Bände der Saga um die Sonnenkriegerin Alina.

Die Reihe

Grischa Trilogie

  1. Die Hexe von Duwa / The Witch of Duva (The Grisha #0.5)
  2. Goldene Flammen / Shadow and Bone (The Grisha #1)
  3. ??? / The Tailor (The Grisha #1.5)
  4. Eisige Wellen / Siege and Storm (The Grisha #2)
  5. Der allzu schlaue Fuchs / The Too-Clever Fox (The Grisha #2.5)
  6. ??? / Little Knife (The Grisha #2.6)
  7. Lodernde Schwingen / Ruin and Rising (The Grisha #3)

Grischa Spin-Off: The Dregs

  1. ??? / Six of Crows (The Dregs #1)
  2. ??? / ??? (The Dregs #2)

Prefer it in English?

Originalcover

© Macmillan Publishers

Ein Gedanke zu „[Rezension] Grischa 03 – Lodernde Schwingen von Leigh Bardugo

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