Godspeed-02-Die-Suche

[Rezension] Godspeed 02 – Die Suche von Beth Revis

© Dressler Verlag

Autorin: Beth Revis
Originaltitel: A Million Suns
Dt. Reihentitel: Godspeed
Dt. Titel: Die Suche
Dt. Erstausgabe: 08/2012
Verlag: Dressler
Format: Hardcover
Seitenzahl: 464
ISBN-10: 3791516779
ISBN-13: 978-3791516776
Preis: 19,95 €

Spannung und Gefühl. Nicht von dieser Welt! Die Zukunft für Amy und
Junior liegt in weiter Ferne. Während ihre Gefühle füreinander stärker
werden, wird die Lage auf dem Raumschiff, der „Godspeed“, immer
bedrohlicher. Ohne die kontrollierende Droge Phydus, das heißt ihrem
freien Willen unterworfen, sind die Menschen an Bord überfordert. Die
Stimmung droht zu kippen. Auch die Technik entpuppt sich als trügerisch:
Wird nur eine Gruppe Auserwählter das Ziel, die Zentauri-Erde,
erreichen? Der Druck auf Amy und Junior wächst: Wer ist Freund, wer
Feind? Und wohin führt sie ihre Liebe?
 

Inhalt

3 Monate sind vergangen seitdem Amy aufgetaut wurde und es ist viel passiert: der Älteste ist tot, Orion wurde eingefroren – womit Junior nun offiziell der amtierende „Älteste“ ist, auch wenn er sich weigert, diesen Titel anzunehmen. Amy hat immer noch den Freakstempel weg und muss sich gegen immer offener zur Schau gestellte Aggression wehren. Vor allem dadurch, dass die beiden die Droge Phydus nicht mehr an die Bevölkerung verteilen, kommt es immer öfter zu Unruhen. Das erste Mal haben die Bewohner der Godspeed die Möglichkeit, selbst zu denken und eigenständige Entscheidungen zu treffen. Wird eine davon sein, Junior abzusetzen? 
Junior hat aber noch ganz andere Sorgen als die wachsenden Unruhen, denn er hat herausgefunden, dass sich die Ankunft auf der Zentauri-Erde nicht nur verzögert hat, sondern dass die Godspeed seit Jahrhunderten (!) stillsteht. Der Antrieb ist kaputt, doch wer kann ihn reparieren?
Amy hat derweil eine Nachricht von Orion bekommen, der in weiser Voraussicht eine Schnitzeljagd organisiert hat, die es in sich hat. Er hat etwas herausgefunden, dass schlimmer sein soll als das Stillstehen der Godspeed und Amy soll die Einzige sein, die entscheiden kann, wie man mit diesem Wissen umzugehen hat. Über allem schwebt die Frage, ob sie ihre Eltern aufwecken soll oder nicht. Denn wenn das Schiff wirklich niemals ankommen sollte, muss sie doch nicht auf ihre Familie verzichten, oder?

Eigene Meinung

Godspeed – Die Suche“ von Beth Revis ist mit Abstand der beste zweite Teil einer Trilogie, den ich je lesen durfte.
Der Einstieg gelingt wunderbar einfach, man wird sofort wieder in das Netz aus Lügen und Intrigen eingesponnen.
>> „Wieso hat mir der Älteste etwas vorgelogen?“ […]

„Der Älteste hat dich belogen“, sagt Marae gelassen, „weil wir ihn belogen haben.“ << S. 13, 14

Weiterhin wird das Geschehen abwechselnd aus Sicht von Amy und Junior aus der Ich-Perspektive erzählt. Und diesmal merkt man auch wirklich einen Unterschied! Nebenbei kurbeln die angenehm kurzen Kapitel das Erzähltempo ungemein an.

Juniors Perspektive ist geprägt von Misstrauen und Selbstzweifel. Er wurde mit einer wahren Flut von harten Fakten und daraus resultierenden Krisen konfrontiert, dass er quasi von 0 auf 100 funktionieren muss.

>> In dem matten Spiegelbild sehe ich die dunklen Augen des Ältesten, kurz bevor er starb. Ich sehe Orions triumphierendes Grinsen. Irgendwo unter meinem geklonten Äußeren und dem Echo aller Ältesten vor mir muss es etwas geben, das mir ganz allein gehört, etwas Einzigartiges, das nicht im Klonmaterial zwei Decks unter mir zu finden ist.

Zumindest hoffe ich das. << S. 7

Meiner Meinung nach, tut ihm dieser Druck aber ausgesprochen gut. Er wächst mit seinen Aufgaben und langsam aber sicher kristallisiert sich der Anführer heraus, der in ihm steckt. Natürlich ist er nicht perfekt und es gibt Situationen, in denen ich ihn am liebsten schütteln würde, weil er so dermaßen falsch oder inkonsequent handelt, aber so entwickelt er zumindest endlich eine authentische Persönlichkeit. Er ist nicht mehr länger der blasse Schatten von Amy, sondern ganz allmählich der Protagonist, den ich mir schon im ersten Band gewünscht habe.
Während Junior buchstäblich zu kämpfen hat, werden Amys Passagen zu Anfang doch stark von Lethargie und Melancholie dominiert. Amy hat alles verloren, vor allem aber ihre Hoffnung. Doch das schlimmste daran ist, dass Junior, ihr einziger Vertrauter, ihr all das angetan hat, indem er ihren Kryoschlaf beendet hat. 

>> Und dann wurde ich zu früh wiederbelebt. Nein. Er hat mich zu früh geweckt. Junior. Das kann ich nicht vergessen. Ich kann nicht vergessen, dass es seine Schuld ist, dass ich hier bin. Ich werde nicht zulassen, dass die dreit Monate, die ich seitdem mit ihm verbracht habe, das Leben aufwiegen, das er mir genommen hat. << S. 16, 17 

Trotzdem kann und will sie ihn nicht hassen, aber was bedeutet das für ihre Liebe? Amy weiß nicht mehr, was sie fühlen soll und das merkt man ihr auch stark an.

>> Hier weiß ich nicht einmal mehr, wer ich bin. Ohne meine Eltern bin ich keine Tochter. Ohne die Erde komme ich mir kaum noch wie ein Mensch vor. Ich brauche irgendetwas. Etwas, das meinem Dasein wieder einen Sinn gibt. Etwas, das mich ausmacht. << S. 18

Und genau dieses Etwas findet sie in Orion. In ausgerechnet der Person, die sie am meisten hasst. Und doch ist es diese Person, die ihr eine Aufgabe gibt. Eine Aufgabe, durch die sie wieder zu ihrer alten Größe findet. Mit einem Hauch Besessenheit, wohlgemerkt.

>> Wen ich hassen kann? Orion. << S. 17  

Natürlich spielt die Liebe auch in diesem Band eine Rolle, aber auch dieses Mal nimmt sie nicht mehr Raum als nötig ein. Beide haben mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen, doch merken sie immer wieder, dass sie vor allem die Momente des Glücks mit dem jeweils anderen teilen wollen, sogar teilen müssen. 

Junior ist auch weiterhin derjenige, der keine Zweifel hat. Er versteht zwar nicht ganz, was er da fühlt, aber ihm ist klar, dass es für ihn nur Amy geben kann. Amy hingegen zaudert immer noch.

>> „Nur weil wir die einzigen beiden Teenager auf diesem Schiff sind, bedeutet das nicht, dass ich dich lieben muss. Wieso habe ich keine Wahl?“ << S. 74

>> Liebe, ohne eine Wahl zu haben, ist keine Liebe. << S. 74

Das ist so typisch Amy, das es richtig liebenswert ist. Der freie Wille ist für sie ungemein wichtig, deshalb kämpft sie auch so vehement gegen die Verwendung von Phydus. Junior hingegen kennt es gar nicht anders und kann das natürlich nicht nachvollziehen – dafür akzeptiert er es.

Doch keine Sorge, liebe Romantiker, auch Ihr werdet auf Eure Kosten kommen!

>> „Ich brauchte also nur ein kleines bisschen zu sterben, um dir einen neuen Planeten zu schenken.“ […]

„Du blöder Idiot!“, sagt sie und schlägt mich noch einmal. „Ich will keinen neuen Planeten ohne dich!“ << S. 277

Neben dem romantischen Aspekt geht es vor allem spannend, schockierend und unvorhersehbar in bester Revis-Manier weiter. Wir erleben eine spannende Geschichte, die dem Genremix aus Band 1 treu bleibt und sich immer wieder steigern kann. Dabei lebt vor allem dieser zweite Band von einer unglaublich bedrückenden Atmosphäre, die immer wieder dadurch angeheizt wird, dass Hoffnungen geweckt und genauso schnell zunichte gemacht werden. Und das so häufig, dass man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Es bleibt dem Leser gar nichts anderes übrig, als jede Verabredung abzusagen und sich ganz diesem Buch zu widmen, denn glaubt mir: Ihr werdet nicht die Finger davon lassen können!

Die Gestaltung des Buches bleibt dem Stil des ersten Bandes treu und gefällt mir doch viel besser. Es trifft das Thema auf den Punkt und ist in seiner Schlichtheit doch sehr ausdrucksstark.

Fazit

Beth Revis‘ „Godspeed – Die Suche“ ist einer der besten zweiten Teile, die ich je gelesen habe, und kann seinen Vorgänger noch um Längen toppen. Der Einstieg in die Geschichte gelingt ohne Probleme und man wird sofort wieder mitgerissen. Die Charaktere entwickeln sich weiter, ebenso ihre Beziehung zueinander. Das hohe Spannungsniveau ist nur noch durch die beeindrucken düstere Atmosphäre zu überbieten, die vom Leser vollkommen Besitz ergreift. Natürlich vergebe ich – wie könnte es anders sein? – 5/5 Bücher!

Die Autorin

© Visio Photography

Beth Revis, geboren und aufgewachsen in den Ausläufern der Appalachen in
North Carolina/USA, schrieb schon während der Schule lieber
Kurzgeschichten, statt dem Unterricht zu folgen. Diese Gewohnheit
behielt sie auch an der Universität bei – aus ihren Kurzgeschichten
waren mittlerweile halbe Romane geworden. Nach ihrem Abschluss an der NC
State University in Englischer Literatur wurde Beth Revis Lehrerin. Da
sie es auch weiterhin nicht lassen konnte, Geschichten zu schreiben,
statt Essays zu korrigieren und Unterrichtspläne zu erstellen, hat sie
sich inzwischen ganz dem Schreiben gewidmet. Beth Revis lebt mit ihrem
Ehemann und einem Hund im ländlichen North Carolina/USA. „Godspeed – Die
Reise beginnt“ ist ihr Debütroman und der Auftakt einer Trilogie.

Die Reihe

Godspeed Trilogie

  1. Die Reise beginnt / Across the Universe
  2. Die Suche / A Million Suns
  3. Die Ankunft / Shades of Earth  

Weitere Cover

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