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[Rezension] Die Sieben Königreiche 01 – Die Beschenkte von Kristin Cashore

© CARLSEN Verlag
Autorin: Kristin Cashore
Übersetzerin: Irmela Brender
Dt. Reihentitel: Die Sieben Königreiche
Dt. Titel: Die Beschenkte
Dt. Erstausgabe: 08/2009
Verlag: Carlsen
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Format: Hardcover
Seitenzahl: 496
ISBN-10: 3551582106
ISBN-13: 978-3551582102
Preis: 19,90 €
Die Leseprobe findet Ihr hier.
„Er schien plötzlich nicht zu wissen, was er sagen sollte, schaute nach unten und spielte mit seinen Ringen. Er holte Luft und rieb sich den Kopf, und als er ihr wieder das Gesicht zuwandte, hatte sie das Gefühl, seine Augen seien nackt, sie könne direkt durch sie hindurch ins Licht seiner Seele sehen. Sie wusste, was er sagen würde.“ 


Als Katsa dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, weiß sie sofort, dass auch er beschenkt ist – sie ist sich nur nicht sicher, mit welcher Gabe. Katsa dagegen ist in allen sieben Königreichen bekannt und gefürchtet: Sie hat die Gabe des Tötens. Nur Bo, der fremde Prinz, scheint keine Angst vor ihr zu haben und ringt beharrlich und mit viel Geduld um ihr Vertrauen. Im Kampf gegen einen König mit einer teuflischen Gabe werden sie auf ihrem gemeinsamen Weg durch Schnee und Eis, über Meere und Gebirgsketten zu Verbündeten – und zu einem leidenschaftlichen, unabhängigen, innigen, streitenden, liebenden Paar.

Meine Meinung

Die Beschenkte“ von Kristin Cashore ist ein wundervolles Debüt und ein gelungener Auftakt ihrer Trilogie rund um „Die Sieben Königreiche„.

Die Autorin überzeugt mit einem schnörkellosem, aber schönem Schreibstil. Vor allem ihre Beschreibungen sind etwas ganz Besonderes. Meistens sind diese auf 2 bis 3 Sätze reduziert, schaffen es aber trotzdem dem Leser ein genaues Bild zu übermitteln. Ganz einfach, weil Cashore an genau den richtigen Stellen Lücken lässt, sodass die jeweilige Fantasie des Lesers diese auffüllen kann. Das Buch gliedert sich in mehrere Teile und ist mit einer nützlichen und anschaulichen Karte ausgestattet. Erzählt wird die Geschichte im personalem Erzählstil.

Die Charaktere sind einfach wundervoll. Natürlich nehmen nicht alle den gleichen Raum ein, aber viele haben sich einen Platz in meinem Herzen gestohlen. Dabei ist es wohl eher das Gesamtbild, das mich so begeistert hat, weil die Nebenfiguren teilweise wirklich nur angerissen werden, aber dafür sind es ja auch Nebenfiguren, nicht wahr? Gemeinsam vermitteln sie dafür ein so tolles Gefühl, dass es mich immer wieder zum Lächeln gebracht hat – und sowas findet sich selten!

Die Protagonisten sind in ihrer Unvollkommenheit der Perfektion näher gekommen als viele andere Figuren, die mir in der Welt der Bücher sonst so begegnen. Auch hier ist es ihr Zusammenspiel, das Katsa und Bo zu so einem außergewöhnlichem Heldenpaar machen.

Katsa ist eine Beschenkte. Ihre Gabe ist es, zu töten. So zumindest wurde ihre Gabe eingeschätzt, nachdem sie als junges Mädchen ausversehentlich einen Cousin getötet hat, der sie begrapschen wollte. Ihr Instinkt riet ihr, sich zu wehren, aber die tödlichen Konsequenzen ahnte niemand voraus. Seit diesem Tag wurde sie von allen gemieden und zu einem Werkzeug des Königs geformt. Sie selbst vergleicht sich oft mit einem abgerichteten Wachhund. Mit ihren Fähigkeiten ist sie der ganze, furchteinflößende Stolz des Königs, aber in seiner Nähe möchte er sie auch nicht haben. Doch Katsa möchte sich nicht damit zufriedengeben, den Rest ihres Lebens als Schläger oder Henker zu verbringen, also macht sie sich das Spionagenetzwerk zu Eigen und ruft den „Rat“ ins Leben. Gemeinsam mit ihren wenigen Freunden und Verbündeten nutzt sie ihre einzigartige Position, um in allen Sieben Königreichen Verschwörungen aufzudecken, Menschen Schutz zu bieten und zu retten. Diese Missionen bedeuten ihr sehr viel, aber all ihre guten Taten ändern nichts daran, dass sie sich selbst als Monster sieht. Vermutlich ist sie der Mensch, der am meisten Angst vor ihrer Gabe hat. Auch wenn sie nicht ohne Freunde dasteht, hält sich ihre soziale Kompetenz stark in Grenzen. Oft erkennt sie nicht, was ihr direkt vor Augen ist, und schätzt Leute generell gerne falsch ein – ganz besonders diejenigen, die ihr wohlgesonnen sind. Freiheit ist für sie eines der wichtigsten Güter und so käme eine Ehe für sie nie infrage. Sie ist kämpferisch, wild, gefährlich und manchmal doch sehr naiv.

Auch Bo ist ein Beschenkter und ein Prinz aus Lienid. Als jüngster Sohn der Königsfamilie, sind seine Chancen auf den Thron sehr gering, was ihm aber gar nicht viel ausmacht. Er ist glücklich mit der Freiheit, die damit einhergeht, so gut wie keine königlichen Verpflichtungen zu haben, und liebt sein kleines Schloss, das er selbst mehr als Haus mit einem Turm bezeichnet. Seine Gabe scheint der Kampf zu sein, womit er für Katsa eine seltene Herausforderung darstellt, der sie sich nicht entziehen kann. Seine herausragendste Fähigkeit ist aber eindeutig sein Verständnis. Er findet immer die richtigen Worte und hat kein Problem damit, Menschen so zu akzeptieren wie sie wirklich sind. Gesellschaftliche Konventionen bedeuten ihm nichts.

Schnell ist klar, dass Bo scheinbar des perfekte Gegenstück zu Katsa ist. Er gleicht ihre Schwächen aus und fördert ihre Stärken. Er akzeptiert sie bedingungslos, aber scheut auch nicht davor zurück, ihr zu sagen, wenn sie falsch liegt. Er ist zwar nicht der erste Mensch, der ihr Liebe entgegenbringt, aber der Erste, der ihr die Augen öffnet. Er hilft ihr zu verstehen, dass sie nicht das Monster ist, für das die ganze Welt sie hält. Die beiden zu „beobachten“, ihre Gespräche zu „belauschen“, fühlt sich fast wie ein Geschenk an. Beide sind ganz besondere, willensstarke und einzigartige Charaktere, die anschaulich beweisen, dass ein Hindernis nur dann zum Problem wird, wenn man es selbst dazu macht. Jeder, der dazu in der Lage ist, solch eine Beziehung zu führen, kann sich wirklich glücklich schätzen!

Ihre Liebesgeschichte spielt natürlich eine zentrale Rolle in der Geschichte, aber lenkt nie von dem eigentlichen Ziel ab. Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes und überzeugt vor allem durch seine leisen Töne. Diese langsame Herangehensweise gibt dem Liebespaar und anderen Charakteren den Raum, sich zu entfalten. Für den ein oder anderen mag das Buch dadurch vielleicht etwas lang erscheinen, aber mich konnte es mit seiner ganz eigenen Dynamik sogar beim zweiten Mal richtig fesseln.

Ein weiteres großes Plus für diese Reihe ist der Weltentwurf. Ich liebe die Sieben Königreiche, die eine gewisse Zeitlosigkeit ausstrahlen und stellenweise fast schon utopisch anmuten. Im Prinzip ist es eine klassische Fantasywelt: frei erfunden und an das Mittelalter angelehnt. Je tiefer man aber in diese Welt eindringt, desto klarer wird es, dass doch einiges anders ist. In den Sieben Königreichen herrscht ein ungewöhnlicher Friede. Natürlich scheint es die liebste Freizeitbeschäftigung der verschiedenen Herrscher zu sein, einander auszuspionieren, kleinere Intrigen zu spinnen und seine herrschenden Nachbarn bei einem Handel übers Ohr zu hauen. Allerdings ist nie die Rede von einem drohenden Krieg, einem König der sein Reich ausbauen will oder Ähnliches. Alle scheinen glücklich mit dem, was sie haben, treiben friedlich Handel miteinander und allen steht es frei, zu reisen, wohin sie wollen. Also, für mich klingt das wirklich utopisch!

Der Friede ist aber nicht das einzig Interessante. Wie ich bereits erwähnt habe, weigert Katsa, sich zu heiraten. Abgesehen davon ist sie es auch gewohnt, alles selbst zu machen und sieht nicht ein, warum andere Frauen sich so auf ihre Männer verlassen. Alles an ihre schreit: emanzipierte Frau! Und das ist durchaus ein Thema. Kein Großes, zugegeben, aber Eines, das immer wieder aufgegriffen wird. Es gibt verständnisvolle Figuren, solche, die es nicht verstehen, aber akzeptieren und solche, die ihre Ablehnung offen zeigen. Ich habe mitbekommen, dass es einige Leser gestört hat, dass Katsa so extrem ist, aber das macht sie eben aus. Und ich finde es gut, dass so ein Thema mit eingebunden wird, vor allem auf eine so unterschwellige Art. Die Zielgruppe sollte nie aufhören, sich damit zu beschäftigen.

Die Gestaltung des Buches ist richtig schön. Die Coverkäuferin in mir hatte sich zwar damals von der Fortsetzung Die Flammende anlocken lassen, aber auch Die Beschenkte hat ihren ganz eigenen Reiz. Im Rahmen der Reihengestaltung sehe ich auch darüber hinweg, dass die offensichtlich glatten Haare nicht zur Protagonistin passen, dafür aber der unordentliche Knoten umso mehr.

Fazit

Kristin Cashores „Die Beschenkte“ ist ein ganz besonderer Roman, der mich auch beim zweiten Mal komplett überzeugen konnte. Allein schon der grandiose Weltentwurf ist es wert, diesem Buch eine Chance zu geben. Wem das nicht reicht, der kriegt es mit wundervollen Charakteren zu tun, deren Beziehung fast an Perfektion grenzt. Die Geschichte besticht zwar mit den ruhigen Tönen, hat aber seine ganz eigene Spannung und vermittelt nebenbei auch noch ein ganz wichtiges Thema. 5/5 Bücher für diesen Reihenauftakt!

Die Autorin

© CARLSEN Verlag

Kristin Cashore studierte am Center for the Study of Children’s Literature in Boston. Ihre Bücher „Die Beschenkte“, „Die Flammende“ und „Die Königliche“ schafften sofort den Sprung auf die New-York-Times-Bestsellerliste, wurden bereits in 28 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet.

Die Reihe

Die Sieben Königreiche Trilogie

  1. Die Beschenkte / Graceling (Graceling Realm #1)
  2. Die Flammende / Fire (Graceling Realm #2)
  3. Die Königliche / Bitterblue (Graceling Realm #3)

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Originalcover

Ein Gedanke zu „[Rezension] Die Sieben Königreiche 01 – Die Beschenkte von Kristin Cashore

  1. Janas Traumwelten

    Huhu 🙂
    Ich kann dir nur aus tiefstem Herzen zustimmen, ich liebe die Beschenkte, es ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher und ich habe es sicherlich schon 5 mal gelesen und auch die anderen beiden Teile der Reihe fand ich toll, wenn auch nicht so toll.
    Deine Rezension beschreibt die Großartigkeit dieser Geschichte einfach perfekt 🙂
    Liebe Grüße,
    Jana

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