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[Rezension] Die Luna-Chroniken 01 – Wie Monde so silbern von Marissa Meyer

© Carlsen Verlag
Autorin: Marissa Meyer
Dt. Reihentitel: Die Luna-Chroniken
Dt. Erstausgabe: 12/2013
Verlag: Carlsen
Format: Hardcover
Seitenzahl: 384
ISBN-10: 3551582866
ISBN-13: 978-3551582867
Preis: 18,90 €
Die Leseprobe findet Ihr hier.
Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht Kai ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die den Prinzen unbedingt heiraten will? Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie während des großen Balls, auf den Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh …


Meine Meinung

Wie Monde so silbern“ von Marissa Meyer ist nicht nur ein genialer Reihenauftakt, sondern auch die originellste Märchenadaption, die ich je gelesen habe.

Der Einstieg war gleichzeitig genial und verwirrend. Ich liebe es, wenn ein Buch mich schon mit den ersten Sätzen so fesseln kann, dass ich plötzlich 100 Seiten inhaliert habe, obwohl ich doch nur mal reinlesen wollte – was hier eben genau der Fall war. Was eben auch unter anderem an dem sehr gewagten Anfang lag. Wer rechnet bitte damit, dass sich die erste Begegnung mit einer modernen Cinderella um die Demontage ihres zu kleinen Stahlfußes dreht? Wie gesagt: sehr gewagt, aber definitiv ein guter Aufhänger.

Der bildliche und schnell zu lesende Schreibstil tut sein Übriges, um den Leser zu fesseln. Er lädt nicht einfach nur zum Lesen ein, sondern saugt den Leser förmlich in die Geschichte. Man ist von Seite 1 an involviert und erlebt somit eine rege Achterbahnfahrt der Gefühle. Faszinierenderweise hatte ich den Eindruck, mir ein gutes Bild von allem machen zu können, obwohl die Beschreibungen, wenn man es genau nimmt, ziemlich minimalistisch sind. Meyer ist niemand, der sich in ausschweifenden Details verliert; stattdessen regt sie den Leser dazu an, ihre recht grobe Skizze mit der eigenen Vorstellungskraft zu füllen. Ich glaube, dass das gerade bei einer Märchenadaption ein cleverer Schritt ist, immerhin hat wahrscheinlich jeder gewisse unverrückbare Vorstellungen von dem jeweiligen Märchen, ob man es nun will oder nicht. Nur bei den Robotern, Androiden, Raumschiffen etc. hätte sie ruhig etwas mehr beschreiben können, denn da fehlt mir persönlich leider wirklich die Phantasie für.

Die Charaktere sind einfach klasse. Auch hier arbeitet Meyer geschickt mit den Vorurteilen und Erwartungen des Lesers und baut solide Persönlichkeiten darauf auf, die interessant und vielseitig sind. Es gibt überraschende Entwicklungen, leichte Änderungen, aber alles auf einer altbekannten Basis.

So auch bei Cinder, die vermutlich die größte Überraschung von allen ist. Denn sie ist ein Cyborg – teils Mensch, teils Maschine. Als Kind hat sie einen schweren Unfall nur knapp überlebt, bei dem sie ihr linkes Bein und ihre linke Hand verloren hat, die durch Stahlextremitäten ersetzt wurden. Was nach der Erklärung eigentlich gar nicht mehr wie eine große Sache klingt (immerhin haben wir ja auch schon Prothesen), macht Cinder zu einer Sklavin. Ihre Stiefmutter ist zwar namentlich ihr gesetzlicher Vormund, aber im Grunde besitzt sie sie und Cinder muss per Gesetz alle ihre Befehle befolgen. Sie hat, wie gewohnt, zwei Stiefschwestern, Pearl und Peony, von denen aber nur eine sie verabscheut. Peony hingegen ist für Cinder wie eine echte Schwester und sie liebt sie über alles.

Cinder ist die beste Mechanikerin in ganz New Peking. Sie liebt ihre Arbeit und fühlt sich nur zwischen ihren Werkzeugen so wirklich wohl. Ihre beste Freundin ist eine kleine Androidin, namens Iko. Cinder ist demütig, bodenständig und hat kein Problem mit harter Arbeit. Sie verabscheut, was man aus ihr gemacht hat, aber auch die Menschen, die sie wegen ihrer Andersartigkeit verurteilen. Sie ist klug und mutig, aber neigt dazu, sich für alles die Schuld zu geben. Ihr größter Wunsch ist es, frei zu sein.

Ebenso wie die Charaktere hat die Geschichte, wie bereits erwähnt, eine klare Linie, aber die Unterschiede zum Ursprung und zu anderen Andaptionen sind hier wesentlich gravierender. Meyer hat nicht einfach nur Aschenputtels Geschichte genommen und diese ein wenig aufgepeppt; sie hat eine ganz neue Welt geschaffen. Ihre Zukunftsvision ist so ausgefeilt, dass sie auch für sich stehen könnte – aber die Suche nach den bekannten Motiven macht das Ganze natürlich zu etwas Besonderem. Das ist für mich eh immer der größte Spaß an Adaptionen und ich kann getrost behaupten, dass Meyers Interpretation der verschiedenen Symbole wirklich am ausgefallensten ist.

Abgesehen von dem Märchenaspekt ist Wie Monde so silbern einfach ein tolles Jugendbuch. Gerade für Leserinnen ist es ein toller Lesespaß, aber die SciFi-Elemente machen es auch für männliche Leser zugänglich. Durch das gewisse Endzeit- und Nachkriegsfeeling mit einer doch merklichen Gesellschaftskritik springt die Autorin natürlich auf den momentanen Erfolgszug schlechthin auf. Für mich ist es hier aber eindeutig die gelungene Mischung, die dieses Buch zu einem solchen Must-Read machen.

Die Aufmachung ist einfach traumhaft schön. Das Cover ist in ihrer Schlichtheit der reinste Hingucker und macht so schon bestimmt den ein oder anderen Coverkäufer auf sich aufmerksam. Aber auch ohne Schutzumschlag kann sich das Buch sehen lassen! Es ist in vier Teile geteilt und vor jedem neuen Abschnitt gibt es einen Auszug aus dem Originalmärchen, das etwas sehr Stimmungsvolles mit sich bringt.

Fazit

Marissa Meyers „Wie Monde so silbern“ ist mit Abstand die ausgefallenste und spannendste Märchenadaption, die mir je untergekommen ist. Von Anfang bis Ende fesselte mich diese Geschichte an die Seiten; der grandiose Weltentwurf hat mich in Staunen versetzt und diese absolut geniale Interpretation immer wieder begeistert. Der Genre-Mix ist genau richtig und die Charaktere muss man einfach lieben – oder manche auch mal hassen. Wer es noch nicht gelesen hatte, sollte das so schnell wie möglich nachholen – 5/5 Bücher!

Die Autorin

© Carlsen Verlag

Marissa Meyer liebt Fantasy, Grimms Märchen und Jane Austen. Sie hat Kreatives Schreiben mit dem Schwerpunkt Kinderliteratur studiert und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Katzen in Tacoma, Washington. Die vier Bände der »Luna-Chroniken« sind ihr Debüt als Schriftstellerin. 

Die Reihe

Die Luna Chroniken

  1. Das mechanische Mädchen / Glitches (The Lunar Chronicles #0.5)
  2. ??? / The Little Android (The Lunar Chronicles #0.6)
  3. Wie Monde so silbern / Cinder (The Lunar Chronicles #1)
  4. Die Armee der Königin / The Queen’s Army (The Lunar Chronicles #1.5)
  5. Wie Blut so rot / Scarlet (The Lunar Chronicles #2)
  6. ??? / Carswell’s Guide to Being Lucky (The Lunar Chronicles #2.5)
  7. Wie Sterne so golden / Cress (The Lunar Chronicles #3)
  8. ??? / Fairest (The Lunar Chronicles #3.5)
  9. Wie Schnee so weiß / Winter (The Lunar Chronicles #4) (erscheint im Januar 2016)

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Originalcover

6 Gedanken zu „[Rezension] Die Luna-Chroniken 01 – Wie Monde so silbern von Marissa Meyer

  1. Lyne

    Das Buch ist schon länger auf meiner Wunschliste. Es wird wohl Zeit, dass ich es mir endlich besorge. Vor allem hat mich deine Rezension noch neugieriger gemacht.
    LG LYne

    Antworten
  2. Isabel Mirek

    Ich schließe mich dem Kommentar von Lyne mal an. Ich kann mich eh nie entscheiden, welches meiner Wunschbücher als nächstes gekauft wird, da macht deine Rezi die Entscheidung einfacher.

    Antworten
  3. Pingback: Mein Lesejahr 2015 - Die fantastische Bücherwelt

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