[Rezension] Blut ist im Schuh von Anna Schneider

Blut ist im SchuhDie Autorin: Anna Schneider
Dt. Titel: Blut ist im Schuh
Dt. Erstausgabe: 20.03.2013
Verlag: Planet Girl
Altersempfehlung: 12 – 15 Jahre
Genre: Jugendthriller | Märchenadaption
eBook | 8,99 €

Die Frau hatte zwei Töchter ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Gespenstische Stille liegt über dem Friedhof Amelies einzigem Zufluchtsort vor den Bosheiten ihrer Stiefschwester. Sarah hatte sie bestohlen, gedemütigt, verletzt … Wie weit würde sie noch gehen? Schon spürt Amelie wieder das Stechen im Nacken, wie von eiskalten Augen, die ihr überallhin folgen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer ist der Abschlussball mit Ben: Wird er sie wach küssen aus diesem Albtraum?

Inhalt

Nach dem Tod ihrer Mutter muss Amelie sich damit abfinden, dass ihr Vater jemand Neues hat. Da das Glück ihres Vaters ihr sehr am Herzen liegt, tut sie das auch, obwohl sie in eine andere Stadt ziehen muss und dort dann unter den Schikanen der Stiefschwester zu leiden hat. Ihrer Stiefmutter ist sie völlig egal, im Zweifelsfall steht sie ohne zu zögern hinter ihrer Tochter, selbst als die Scherze nicht mehr spaßig, sondern wirklich grenzwertig werden. Als Amelie Ben kennenlernt, scheint es endlich bergauf zu gehen bis Dinge passieren, für die ihre Schwester bestimmt nicht verantwortlich ist. Außerdem fühlt sie sich immer öfter beobachtet. Wird Amelie paranoid oder ist noch jemand anderes hinter ihr her?

Meine Meinung

Blut ist im Schuh“ von Anna Schneider hat mich buchstäblich auf den ersten Blick verzaubert.

Als ich das erste Mal diese märchenhafte Thrillerreihe im Internet entdeckt habe, habe ich diese schnell mit einem Achselzucken abgetan. Märchenadaptionen gibt es immerhin ziemlich viele, die Story ist dementsprechend nie neu, Thriller sind nicht so meins und ich hatte einfach genug anderes zum lesen. Nachdem ich allerdings die Bücher in einer Buchhandlung in den Händen hielt, war es um mich geschehen. Selten habe ich so etwas Hübsches in der Literatur entdeckt. Vor allem der bedruckte Buchschnitt hat es mir angetan! Glücklicherweise zog das Buch schon recht kurze Zeit später bei mir ein und ich konnte mich selbst davon überzeugen, ob die Geschichte das hält, was das Cover verspricht.

Und wie sie das tut! Schneiders Schreibstil lädt sogleich zum Lesen ein. Dieser ist locker, jugendlich frisch und flüssig. Die Dialoge wirken weder aufgesetzt, noch überzogen. Die Geschichte selbst erlebt man aus drei Perspektiven. Zum Einen von Amelie und ihrer Stiefschwester Sarah, zum Anderen vom Täter selbst. Gerade seine Kapitel machen den Thrill aus, der aus einem Märchen einen Thriller macht. In diesem Fall habe ich mich ganz bewusst dagegen entschieden, die Figuren einzeln zu charakterisieren. Die Meisten werden das Ursprungsmärchen kennen und können sich das Grundkonstrukt der verschiedenen Persönlichkeiten vorstellen. Die Feinheiten der Autorin sind ziemlich relevant für die Geschichte und so würde ich einfach zu viel verraten.

Die Geschichte selbst ist einzigartig. In meinem Leben habe ich schon viele Aschenputtel-Versionen gelesen und vor allem gesehen, doch keine ist vergleichbar mit „Blut ist im Schuh“. Das liegt vor allem an Schneiders künstlerischer Freiheit, durch die auch andere Märchen ihren Weg in diesen Roman gefunden haben. Die beiden Schwestern erinnerten mich zeitweise an Schneeweißchen und Rosenrot, der Täter als das personifizierte Böse schlüpfte sowohl in die Rollen von Rumpelstilzchen, als auch in die des bösen Wolfs.

Trotz der märchenhaften Atmosphäre kommt die Spannung nicht zu kurz. Gerade wegen dieser
für einen Thriller ungewöhnlichen Grundstimmung wirken meiner Meinung nach die „dunklen“ Szenen umso mehr. Schneider schreckt auch nicht davor zurück, ernstere Themen zu behandeln. So wird der Leser mit einer autoaggressiven Störung konfrontiert, außerdem wird das Teenagerleben nicht verschönert, sodass die Protagonisten durchaus mal zur Zigarette und zum Alkohol greifen. Mag sein, dass man das Thema Selbstverletzung vielleicht etwas anders handhaben könnte, weniger in Nebensätzen abhandeln, dafür ist der „Drogenkonsum“ immerhin authentisch.

Fazit

Anna Schneiders „Blut ist im Schuh“ ist ein wahrhaft märchenhafter Jugendthriller, der Aschenputtel in einem ganz anderen Licht präsentiert. Ein Buch, das nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch noch Spaß macht. Ein aufmerksamer Leser macht recht schnell erkenne, wer der Täter ist, dennoch schmälert das die Spannung kaum. Für mich war es der erste Ausflug in dieses Genre, aber es wird nicht der Letzte sein. 5/5 Bücher!

Die Autorin

Anna Schneider wurde 1966 in Bergneustadt im Oberbergischen Kreis geboren. Die promovierte Betriebswirtschaftlerin arbeitete viele Jahre als Personalberaterin bei einer Großbank in Frankfurt.

Sie absolvierte eine Ausbildung zur Organisationsberaterin, dozierte an der Frankfurt School of Management und arbeitete als Coach. Bereits als Jugendliche veröffentlichte Anna Schneider eigene Gedichte in verschiedenen Anthologien. Erst vor wenigen Jahren wechselte sie erfolgreich ins erzählerische Fach: 2008 gewann sie den Women’s Edition Kurzkrimi-Preis. Eine weitere ihrer Kurzgeschichten wurde für einen österreichischen Krimipreis nominiert. Motiviert durch diese Erfolge arbeitet die Autorin derzeit an weiteren Kurzgeschichten sowie an Romanprojekten für Jugendliche und Erwachsene.

2 Gedanken zu „[Rezension] Blut ist im Schuh von Anna Schneider

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