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[Rezension] Blink of Time von Rainer Wekwerth

Dt. Titel: Blink of Time
Dt. Erstausgabe: 07.05.2015
Verlag: Arena
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Format: Hardcover
Seitenzahl: 360 Seiten
ISBN-10: 340160094X
ISBN-13: 978-3401600949
Preis: 16,99 €





Sarah Layken flieht vor der Realität – doch vor welcher? Ein Junge will ihr helfen – doch woher weiß er von ihrem Problem? Kein Leben ist wie das andere – doch welches ist das richtige? Um das richtige Leben zu finden, um ihre Liebe wiederzutreffen, um ihren Bruder vor einem Unglück zu bewahren, muss Sarah Layken die gleiche Situation wieder und wieder durchleben. Sie kann sich immer wieder für ein neues Leben entscheiden, aber sie kennt vorher niemals den Preis, den sie dafür bezahlen muss.

Meine Meinung

Blink of Time“ von Rainer Wekwerth ist ein absolut empfehlenswertes Jugendbuch mit einer originellen und inspirierenden Thematik.
Der Autor ist bestimmt vielen deutschen Lesern dank seiner beliebten Labyrinth-Trilogie ein Begriff. Auch ich bin darüber auf ihn aufmerksam geworden, obwohl die besagte Reihe noch darauf wartet, von mir gelesen zu werden. So kam mir dieser Einzelband natürlich gerade recht, konnte ich doch herausfinden, ob mir überhaupt der Schreibstil zusagt, ohne gleich eine weitere Reihe anfangen zu müssen.
Und ja: ich bin überzeugt! Mit seiner schlichten Präzision fesselte mich der Schreibstil an die Seiten und ermöglichte es mir, ein so hohes Lesetempo wie schon lange nicht mehr an den Tag zu legen. Wekwerth schreibt einfach und flüssig und trifft damit genau den Ton, den man sich bei einem Jugendbuch erhofft. Seine Beschreibungen sind überraschend detailliert, aber nie zu viel, sodass man sich immer ein gutes Bild von allem machen kann. Positiv überrascht hat mich vor allem sein Feingefühl im Bezug auf die Gefühlswelt und die Ansichten der im Buch vorkommenden Jugendlichen. Während Autorinnen oft dazu neigen, ihre Protagonistinnen in überbordende Schwärmereien verfallen zu lassen, tendieren Autoren dazu, das Ganze auf ein Minimum zu reduzieren – Wekwerth hat in diesem Fall ein schönes Mittelmaß gefunden.
Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht der Protagonisten, Sarah und Josh, aber auch Patrick darf sich als Schlüsselfigur ein paar Mal zu Wort melden. Dabei verwendet der Autor den personalen Erzählstil, was mir in diesem Szenario sehr gut gefallen hat.
Die Protagonisten sind ziemlich sympathische Figuren, deren Persönlichkeit bei all den Veränderungen um sie herum allerdings ein wenig zu kurz kommt. Nebenfiguren werden hier grundsätzlich nur grob umrissen, was vor allem daran liegt, dass sie in jeder Welt wieder etwas anders sind.
Im Grunde konnte ich mich nur nicht mit Patrick anfreunden, der mit seiner Rolle als Sarah’s Ex-Freund wirklich den Schwarzen Peter gezogen hat.  Für mich war er irgendwie immer das arme Würstchen, das mit Konflikten nicht gut zurecht kommt und grundsätzlich falsch reagiert. Schade, denn der Autor hat sich wirklich Mühe gegeben, zu erklären, warum sich Sarah überhaupt mal auf ihn eingelassen hat.
Sarah selbst ist so das typische, unscheinbare Mädchen von Nebenan. Im Prinzip wirklich ein nettes Mädchen, aber gerade zu Anfang eine klassische pubertierende Schwester, die sich von ihren Eltern vernachlässigt fühlt, ihren Baby-Bruder deswegen mit Missachtung straft und mit ihrem Look und ihrem Auftreten immer ein wenig rebellieren will, aber nicht wirklich der Typ für’s Radikale ist. Alles in allem hat man sie trotzdem sehr gern, obwohl sie mir doch oft zu egoistisch war. Ganz dafür verurteilen möchte ich sie allerdings auch wieder nicht, weil sie danach von einer Extremsituation in die Nächste gerät. Wer weiß, wie man sich selbst in ihrer Lage verhalten würde.
Josh hingegen war für mich ein absolut stimmiger Charakter. Sein Verhalten wurde jedes Mal erklärt und belegt und war dadurch mehr als nachvollziehbar – außer am Ende, aber dazu komme ich noch. Er ist der tragische Held dieser Geschichte, dessen Schicksal mich wirklich berührt.
Die Geschichte ist unterhaltsam, spannend und überzeugt mit einer noch unverbrauchten Idee. Es passiert immer wieder etwas Neues und übertriebene Dramatik sucht man hier vergebens. Dadurch bleibt die Spannung zwar auf einem konstanten Level, steigert sich aber auch nicht sonderlich. Man bekommt recht zügig das Gefühl, das alles irgendwie gut werden wird und entspannt sich dann auch dementsprechend schnell. Langweilig wird es aber nie, keine Sorge!
Die Idee des Multiversums ist nicht neu, genau genommen wurde schon in der Antike darüber philosophiert, doch erst in unserer Zeit, in der alles möglich scheint, ist es wahrscheinlich jedem ein Begriff. Zumindest ich habe das Gefühl, dieser Theorie immer öfter zu begegnen – und das nicht nur in Science Fiction Filmen oder fiktiven Jugendbüchern. So war ich natürlich sehr gespannt darauf, was Wekwerth daraus macht und bin von der Umsetzung positiv überrascht. Das ganze Konstrukt wird gut nachvollziehbar erklärt und die Geschichte verliert sich an keiner Stelle in einem unvorstellbarem Wirrwarr, bei dem noch der motivierteste Leser aufgeben möchte. (Wie das zum Beispiel bei Zeitreise-Romanen oft der Fall ist.)
Alles in allem  hat Wekwerth, meiner Meinung nach, aus dem Thema fast alles rausgeholt, was man bei einer so geringen Seitenzahl plausibel verarbeiten kann. Gerade das raffinierte Ende hebt es von der Masse ab und zeigt auch, wie tiefgründig dieses Jugendbuch dann doch ist. Es regt auf jeden Fall dazu an, darüber nachzudenken, ob es nicht besser ist, den einen Schicksalsschlag zu akzeptieren anstatt einen immer höheren Preis auf der Suche nach dem perfekten Leben zu zahlen. 
Der einzig große Mangelpunkt sind für mich die schwachen Emotionen. Da kam bei mir einfach zu wenig an und ich glaube, dass dem Ganzen ein paar Seiten mehr doch gut getan hätten. Viele Schlüsselszenen wurden einfach zu schnell abgehandelt – bevor man überhaupt realisieren konnte, dass gerade etwas Großes / Schreckliches passiert ist, war es schon wieder vorbei. Da hat mir einfach was gefehlt. Außerdem gibt es ein paar Unstimmigkeiten, die das Lektorat hätte korrigieren müssen.

Fazit

Rainer Wekwerths „Blink of Time“ ist ein empfehlenswertes Jugendbuch, das mir sehr gefallen, mich aber nicht zu 100% überzeugt hat. Kleinere Unstimmigkeiten und der Mangel an Emotionen sorgen zwar für Punktabzug, schmälern aber nicht das Lesevergnügen. Dieses Buch bietet gute Unterhaltung, ein konstantes Spannungslevel, eine originelle Idee und regt dabei auch noch zum Nachdenken an. Es hätte nur einfach NOCH besser sein können. 4/5 Bücher!

Der Autor

Rainer Wekwerth ist Autor aus Leidenschaft. Oft liest man, ein Autor habe sein Hobby zum Beruf gemacht. Rainer Wekwerth dagegen bezeichnet das Schreiben als Sucht: Er kann gar nicht anders. Wekwerth ist Autor erfolgreicher und preisgekrönter Bücher, die er teilweise unter Pseudonym veröffentlicht. Bisher war er hauptsächlich in der Fantasy heimisch, nun erzählt er mit dem Labyrinth-Zyklus eine mitreißende Geschichte, die die Grenzen der Genres sprengt. Neben dem Schreiben coacht er Autoren und Schreibschüler, ist Ehemann und Vater einer Tochter. Rainer Wekwerth lebt mit seiner Familie im Stuttgarter Raum.

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