1552764_10201208857372563_1675592057_png-1

[Rezension] Asche und Phönix von Kai Meyer


© CARLSEN Verlag
Autor: Kai Meyer
Dt. Titel: Asche und Phönix
Dt. Erstausgabe: 11/2012
Verlag: Carlsen
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Format: Hardcover
Seitenzahl: 464
ISBN-10: 3551582912
ISBN-13: 978-3551582911
Preis: 19,90 €
Die Leseprobe findet Ihr hier.
Parker und Ash haben nichts gemeinsam. Er ist Hollywoods größter Jungstar, das Gesicht des Magiers Phoenix aus den »Glamour«-Filmen. Sie ist eine »Unsichtbare«, nirgends zu Hause, getrieben von der Angst, wie alle anderen zu sein. Doch dann erwischt Parker Ash in seiner Londoner Hotelsuite, wo sie gerade sein Bargeld klaut. Parker kann sein Leben im Fokus der Medien nicht mehr ertragen. Und nutzt die Chance, mit Ash vor den Fans und Paparazzi zu fliehen. Dabei scheint er geradezu körperlich abhängig von Ruhm und Aufmerksamkeit. Ihre gemeinsame Flucht führt sie durch Frankreich an die Côte d’Azur – auf den Spuren eines teuflischen Paktes, verfolgt von einer dämonischen Macht, die sie gnadenlos jagt.

Meine Meinung

Asche und Phönix“ von Kai Meyer ist ein ganz wundervolles Jugendbuch, das nicht nur junge Herzen höher schlagen lassen wird.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der mitten aus der Geschichte gegriffen ist. Sogleich wird dem Leser ein Hauch der mysteriösen Atmosphäre offenbart, die im Laufe der Handlung immer wieder zum Vorschein kommt. Nachdem die Neugierde gekonnt geweckt wurde, wird man mit der unkoventionellen Nebenbeschäftigung der Protagonistin konfrontiert und so mitten ins Geschehen geworfen.
Die Geschichte gliedert sich in mehrere Abschnitte, die an den Aufbau eines Filmes angelehnt sind. So beginnt das Buch mit einem Vorspann und endet mit einem Abspann. Dann gibt es die drei Akte Glamour, Libatique und Stars. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Ash und Parker im personalem Erzählstil wiedergegeben, unterbrochen von kursiv gedruckten Kapiteln aus der Sicht des zuerst namenlosen Gegenspielers.
Der Schreibstil ist gewohnt gut, aber was will man auch anderes erwarten? Kai Meyer ist ja nicht umsonst einer der beliebtesten deutschen Autoren! Seine Bücher sind immer flüssig und schnell zu lesen, aber das Besondere ist diese Mischung aus Schlichtheit und stellenweise nahezu malerischen Beschreibungen. Letztere regen im genau richtigen Maße das Kopfkino an, eben weil sie noch Raum für die eigene Fantasie lassen.
Mit den Charakteren hat er sich dieses Mal wirklich selbst übertroffen. Bei Phantasmen oder Die Seiten der Welt konnten mich die Figuren nicht ganz so überzeugen, auch wenn sie natürlich alles andere als schlecht waren.
Parker und Ash sind einfach ein gutes Paar. Auf den ersten Blick so gegensätzlich, wissen sie sich doch zu ergänzen und müssen im Laufe der Zeit feststellen, dass sie sich gar nicht so unähnlich sind. Beide wirken so echt und genau so fühlt sich auch ihre Liebesgeschichte an. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, es gibt kein unnötiges Hin und Her – stattdessen wird man Zeuge davon, wie zwei Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen aufeinandertreffen, ein gemeinsames Abenteuer erleben und sich dabei ganz langsam näher kommen. Das Ganze nimmt nie zu viel Raum ein, sondern gliedert sich wunderbar in das Geschehen ein. Einfach toll!

„Asche und Phönix“, sagte Lucien. „Das seid ihr beiden. Ihr gehört zusammen. Du, Ash, kannst diejenige sein, aus der Parker neu geboren wird. Du machst ihn zu einem anderen. Er hat sich jetzt schon verändert. Zum Besseren natürlich.“ (S. 109)

Parker, der geplagte Weltstar – klingt das nicht wie ein perfektes Klischee? Vielleicht sogar wie eine Parodie? Das war zumindest mein erster Eindruck bevor ich angefangen habe, zu lesen. Doch dann lernte ich ihn kennen und musste ihn einfach mögen! Zugegeben, zu Anfang verhält er sich teilweise wirklich wie ein wandelndes Klischee, aber da er sich damit selbst aufs Korn nimmt, kann man ihm das verzeihen. Besonders, weil man recht schnell merkt, wie viel mehr da eigentlich hintersteckt.
Trotzdem ist mein nicht ganz so heimlicher Liebling eindeutig Ash. Sie kommt aus einer gescheiterten Familie, hat Verluste erlitten, wurde verstoßen und bezeichnet sich nun selbst als „Unsichtbare“. Sie lebt zwar nicht auf der legalen Seite der Gesellschaft, ist aber ein herzensguter Mensch. Selbst während eines Einbruchs merkt man ihr das an. Sie schämt sich nicht für ihr Leben, sondern steht sogar dazu, wenn man sie damit konfrontiert. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt aber selbst niemanden an sich heran. Doch ist sie einmal involviert, scheut sie keine Risiken.
Auch wenn die Vermutung nahe lag, dass auch Asche und Phönix ein eher phantastisches Jugendbuch ist, war mir das nicht von Anfang an zu 100 % klar. Es hätte auch eines dieser Bücher sein können, die vielleicht einen übersinnlichen Hintergrund haben, aber das in der Geschichte kaum durchsickern lassen. Der „teuflische Pakt“ hätte auch eine Metapher sein können oder eine Übertreibung. Tatsächlich entpuppt sich dieser Roman natürlich doch als Fantasy-Geschichte – allerdings eine sehr Dezente. Am Anfang sind es nur Andeutungen, Vermutungen, die eher an einen Mystery-Roman erinnern. Doch nach und nach zeigt das Buch sein wahres Gesicht und auch wenn die übernatürlichen Szenen nicht überwiegen, haben diese es ganz schön in sich.
Die Idee hinter dem „Pakt mit dem Teufel“ war für mich nicht neu, aber Meyer hat das Ganze sehr gut umgesetzt. Schon allein das Setting war immer wieder ein Highlight: erst London, dann die Reise durch den Eurotunnel, die Nacht in Lyon, die Zeit an der Côte d’Azur, zum Schluss dann noch Monte Carlo. Ich hatte das Gefühl, dass Meyer von jedem einzelnen Ort den Geist eingefangen und in seine Seiten gebannt hatte, sodass man als Leser fast glauben könnte, selbst dort zu sein. Hinzu kommen die Verbindungen zu den 60er Jahren und der Konflikt zwischen „echter“ Kunst und dem Showbiz.
Alles in allem ist dieses Buch eine schöne, runde Sache. Es ist keine Szene zu viel oder zu wenig, der rote Faden war durchweg spürbar. Einzelbände sind in dieser Flut von Reihen jedes Mal aufs Neue eine Wohltat, aber dieser ganz besonders – mit einem Ende, das zwar abgeschlossen ist, aber der Fantasie darüber hinaus trotzdem freien Lauf lässt.

Fazit

Kai Meyers „Asche und Phönix“ ist ein absolut empfehlenswertes Buch! Eine zwar bekannte, aber unverbrauchte Idee, wird hier so originell und spannend verpackt, dass man dieses Buch kaum aus der Hand legen mag. Dabei ist der phantastische Teil so dezent, dass ein ziemlich breit gefächertes Publikum angesprochen werden kann – zumindest werden definitiv Jung und Alt auf ihre Kosten kommen konnen. Die Charaktere sind ein ganz tolles Gespann und allesamt so „echt“ – man muss sie einfach mögen! 5/5 Bücher!

Der Autor

© CARLSEN Verlag
Kai Meyer, geboren 1969, studierte Film- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er sich ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er hat inzwischen über fünfzig Titel veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke erscheinen auch als Film-, Comic- und Hörspieladaptionen und wurden in siebenundzwanzig Sprachen übersetzt.

2 Gedanken zu „[Rezension] Asche und Phönix von Kai Meyer

  1. joshi_82

    Beim Lesen deiner Rezension habe ich direkt Lust bekommen, das Buch nochmal zu lesen. Ich fand es einfach großartig und es ist eines meiner Lieblingsbücher, die ich immer wieder gerne zur Hand nehme.

    Antworten
  2. Pingback: Mein Lesejahr 2015 - Die fantastische Bücherwelt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *