Rezension

Raven Boys 01 – Wen der Rabe ruft von Maggie Stiefvater

Wen der Rabe ruftDie Autorin: Maggie Stiefvater
Die Übersetzerinnen: Sandra Knuffinke & Jessika Komina
Originaltitel: The Raven Boys (The Raven Cycle #1)
Dt. Titel: Wen der Rabe ruft
Band: 1/4
Dt. Erstausgabe: 09.10.2013
Verlag: script5
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch | Mystery

Jedes Jahr im April empfängt Blue die Seelen derer, die bald sterben werden, auf dem verwitterten Kirchhof außerhalb ihrer Stadt. Bisher konnte sie sie nur spüren, nie sehen – bis in diesem Jahr plötzlich der Geist eines Jungen aus dem Dunkel auftaucht. Sein Name lautet Gansey, und dass Blue ihn sieht, bedeutet, dass sie der Grund für seinen nahen Tod sein wird. Seit Blue sich erinnern kann, lebt sie mit der Weissagung, dass sie ihre wahre Liebe durch einen Kuss töten wird. Ist damit etwa Gansey gemeint?

Meine Meinung

Wen der Rabe ruft“ von Maggie Stiefvater gehört zu der Sorte Bücher, die aus der Masse hervorstechen und die man nicht so schnell vergisst.

Nach „Rot wie das Meer“ erklärte ich mich spontan zum Fan, obwohl ich noch kein anderes Buch von Maggie Stiefvater gelesen hatte. Danach habe ich recht schnell zu ihren Books of Faerie gegriffen und auch diese für gut befunden, obwohl sie mich nicht ganz so überzeugen konnten wie ihre Wasserpferde – aber um ehrlich zu sein, hat mich seitdem kein einziges Buch mehr so begeistern können. Dann kam „Wen der Rabe“ ruft und ich musste es natürlich sofort haben, nur um es dann im Regal verstauben zu lassen. Jedes Mal, wenn es mir wieder ins Auge fiel, wollte ich gleich danach greifen, aber es kam doch immer wieder etwas anderes dazwischen. Und dann kamen die negativen Rezensionen. Unwillkürlich regten sich bei mir Zweifel. Nur weil man einmal den Jackpot geknackt hat, ist das noch lange kein Garant für weitere Erfolge, dachte ich mir. Also, rutschte es auf der Prioritätenliste wieder nach unten – selbst dann noch als sich Band 2 im Regal dazugesellte.

Zum Glück ist meine Neugierde nie ganz verflogen, sodass ich mich knappe 15 Monate später endlich für „Wen der Rabe“ ruft entschied. Schon nach wenigen Seiten war ich absolut gefesselt und hätte mir selbst in den Hintern treten können, weil ich dieses tolle Buch so lange habe links liegen lassen. Wenigstens ein Gutes hatte die Sache: ich musste zumindest auf den zweiten Band nicht mehr warten.

So ließ ich mich also ein erneutes Mal von Stiefvaters wunderschönen Worten und der unfassbar dichten Atmosphäre, die ihre Bücher stets zu begleiten scheint, verzaubern und konnte mich nur schwer von den Seiten lösen. Ich bezeichne mich manchmal selbst als kleinen Kulturbanausen, was darauf zurückzuführen ist, dass ich normalerweise nichts mit übermäßig blumigen Beschreibungen und zu vielen Details anfangen kann, was bei Stiefvaters Büchern nun mal genau zutrifft. Anstatt mich allerdings wie erwartet abzuschrecken, ist es eben genau diese Art zu erzählen und zu beschreiben, die mich so begeistert – zumindest bei dieser Autorin. Für mich trifft sie einfach genau die richtigen Töne und kurbelt gleichzeitig meine Fantasie auf eine Weise an, die sich kaum beschreiben lässt.

Gerade bei den Charakteren macht sich das bemerkbar. Selten habe ich so plastische Figuren „kennenlernen“ dürfen und die wenigen Anderen brauchten in der Regel die doppelte Seitenanzahl oder am besten schon 1, 2 Bände, um dieses Niveau zu erreichen. Stiefvater brauchte pro Figur gerade mal ein Kapitel.

Der Trick dabei sind nicht nur die originellen Wesenszüge, sondern gerade die kleinen Details, die auch gerne mal bemängelt werden. Man kriegt zu Anfang ein solides Grundgerüst, das sich im Laufe der Geschichte immer weiter ausbaut. Dabei nutzt die Autorin die wechselnden Perspektiven, um immer wieder einen neuen Blickwinkel auf ihre Protagonisten zu werfen. Überhaupt ist insbesondere die hier dargestellte Gruppendynamik nicht nur absolut genial, sondern der Kern von ALLEM. Die Charaktere und ihre Hintergründe könnten unterschiedlicher nicht sein und doch verschmelzen sie zusammen zu einer beneidenswerten Einheit. Dabei sind es gerade ihre Fehler und Unzulänglichkeiten, mit denen sie mein Herz erobern konnten. Faszinierenderweise ist ausgerechnet Blue, die von Anfang an als Heldin der Geschichte dargestellt wird, das schwächste Glied in der Kette. Wobei das kein großes Manko ist, immerhin ist ein schwächerer Protagonist bei Stiefvater immer noch tausend Mal greifbarer als 90% dessen, mit dem man sonst so konfrontiert wird.

Die Liebesgeschichte ist auch wieder etwas ganz Besonderes, einfach weil es (noch) nicht wirklich eine ist. In der Geschichte geht es vor allem um Freundschaft, auch wenn der Klappentext da was Anderes vorhersagt. Als einziges Mädchen in der Gruppe sorgt Blue natürlich schon für die ein oder andere Gefühlsauslotung und befasst sich gedanklich selbst mit ihren Raven Boys, aber mehr ist da im Prinzip noch nicht. Dass sich da noch mehr entwickeln wird, steht wohl außer Frage, aber die Autorin lässt es ganz langsam angehen, was das Romantische in diesem Jugendbuch mal wieder schockierend realistisch wirken lässt. Wieder etwas, was man so kaum gewohnt ist.

Auch wenn ich gesagt habe, dass „Wen der Rabe“ ruft von Freundschaft handelt, sind diese Freunde natürlich in einem Ziel vereint: der Suche nach Glendower. Dazu möchte ich gar nicht viel verraten, außer dass es überaus magisch und mystisch zugeht. Das Thema ist wieder einmal bewundernswert originell und gleichermaßen spannend. Zugegeben, es gibt Szenen, die mag man fast schon als psychedelisch beschreiben, was bestimmt nicht Jedermanns Geschmack ist. Ich selbst mag sowas gar nicht (vor allem nicht in Filmen), aber auch das konnte mir die Autorin gut verkaufen. Irgendwann bin ich bei der Überzeugung angekommen, dass bei dieser Reihe einfach alles möglich ist, was sie unglaublich unberechenbar macht. Ich liebe es!

Fazit

Maggie Stiefvaters „Wen der Rabe ruft“ ist kein Buch, das man so schnell vergisst – ganz gleich, ob man es nun im Positivem oder Negativem in Erinnerung behält. Es ist sehr speziell und leicht skurril – und ich liebe es! Selbst wenn die Geschichte der letzte Mist wäre, wäre ich wahrscheinlich immer noch begeistert, einfach weil ich das Glück hatte, diese tollen Protagonisten kennenzulernen. Glücklicherweise ist auch die Geschichte alles andere als Mist und besticht mit einer originellen Idee, deren Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft ist. Definitiv eine klare Empfehlung – 4,5/5 Bücher!

Die Autorin

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© Robert Severi

Maggie Stiefvater, geboren 1981, wurde mit ihrer Nach dem Sommer-Trilogie sowie dem Roman Rot wie das Meer international bekannt und von der Presse gefeiert. Was die Spiegel wissen ist der dritte Band ihrer neuen Buchreihe, die in den USA bereits zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Die New York Times-Bestsellerautorin lebt mit ihrer Familie in den Bergen Virginias.

Die Reihe

RAVEN BOYS TETRALOGIE

  1. –  –  – | 300 Fox Way Holiday Piece (The Raven Cycle #0.3)
  2. –  –  – | A Minor Raven Boys Holiday Drabble (The Raven Cycle #0.4)
  3. Wen der Rabe ruft | The Raven Boys (The Raven Cycle #1) → script5, Okt. 2013
  4. Wer die Lilie träumt | The Dream Thieves (The Raven Cycle #2) → script5, Sep. 2014

  1. Was die Spiegel wissen | Blue Lily, Lily Blue (The Raven Cycle #3) → script5, Sep. 2015
  2. Wo das Dunkel schläft | The Raven King (The Raven Cycle #4) → script5, Mrz. 2017

Originalcover

The Raven Boys

2 Gedanken zu „Raven Boys 01 – Wen der Rabe ruft von Maggie Stiefvater

  1. Pingback: Maggie Stiefvater | Booxikon

  2. Pingback: Raven Boys 02 - Wer die Lilie träumt von Maggie Stiefvater - Die fantastische Bücherwelt

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