Rezension

Mein Name ist nicht Freitag von Jon Walter

Mein Name ist nicht FreitagDer Autor: Jon Walter
Die Übersetzerin: Josefine Haubold
Originaltitel: My Name’s Not Friday
Dt. Titel: Mein Name ist nicht Freitag
Dt. Erstausgabe: 24.03.2017
Verlag: Königskinder
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch

Samuel ist bei Gott. Seltsam nur, dass es im Himmel stockdunkel ist, die Vögel trotzdem singen und dass er gefesselt ist. Als er vor Gottes Angesicht tritt, sieht der eher aus wie Der Teufel. Und Der Teufel nennt ihn Freitag und verkauft ihn als Sklaven an einen weißen Jungen, der gerade mal so alt ist wie Samuel. Für 600 Dollar. Er kommt auf eine Plantage in Mississippi, wo es keinen interessiert, wer er ist, dass er lesen kann, dass er zu seinem kleinen Bruder muss. Aber der Bürgerkrieg rückt immer näher – und damit auch die Hoffnung auf Freiheit.

Meine Meinung

Mein Name ist nicht Freitag“ von Jon Walter ist ein berührender Roman, der die Geschichte eines zu Anfang 12-jährigen, schwarzen Jungen erzählt, der im Zuge der Sklaverei nicht nur seiner Freiheit, sondern auch seines Namens beraubt wird.

Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein erwecken mag, dass die Geschichte der Sklaverei an Brisanz verloren hätte, dass man diese schon in unzähligen Varianten und doch immer gleich erzählt bekommen hätte, so könnte diese Ansicht nicht falscher sein. Mag sein, dass die Sklaverei in diese Form abgeschafft wurde, doch es gibt noch viele andere Formen der Freiheitsberaubung, ebenso sind Geschichten wie diese in Zeiten, in denen der nie ausgestorbene Rassismus dermaßen hochkocht, alles andere als antiquiert.

Mein Name ist nicht Freitag“ ist allein schon deshalb so kostbar, weil es als Jugendbuch konzipiert ist. Eine Zielgruppe, die sich in weiten Teilen der Welt vermutlich nur auf einigen Fakten aus Geschichtsbüchern ausruhen und sich insgeheim denken, dass es für sie keinerlei Relevanz hat. Geschichte eben.

Jon Walter macht sich das zunutze und verzichtet ganz bewusst auf ebenjene harte Fakten. Seine Geschichte ist weder zeitlich noch räumlich klar zu verordnen, ist aber dennoch historisch akkurat. Ebenso verzichtet er auf übertriebene Brutalität und schafft es dennoch, das Leid der Sklaven eindrucksvoll darzustellen,

Samuel und seine Leidensgenossen leben nicht im Dreck. Sie werden nicht gepeinigt oder gedemütigt. Nein, sie müssen „nur“ Schwerstarbeit für lau erledigen; erhalten keine Bildung, weil Menschen zweiter Klasse damit ja sowieso nicht umgehen könnten, und müssen ertragen, wie Vieh behandelt zu werden, dessen Kinder einfach so weiterverkauft werden und dessen erarbeitetes Eigentum im Endeffekt dann doch von den Besitzern beschlagnahmt wird.

Samuel glaubt an einen gerechten Gott. Er glaubt daran, dass alles einen Sinn hat, selbst die Tatsache, dass der Pfarrer, der ihn aufgezogen und ausgebildet hat, ihn in die Sklaverei verkauft. Ein Opfer, das Samuel bereitwillig auf sich nimmt, um seinen kleinen Bruder zu retten. Doch selbst mit der Rettung seines Bruders gibt er sich nicht zufrieden, nein, Samuel hat eine Mission. Er möchte den anderen Sklaven das Lesen beibringen und damit beweisen, dass auch Schwarze lernen und für sich selbst sorgen können.

Mein Name ist nicht Freitag“ ist eine ruhige Geschichte, die in einem gemächlichen Tempo aus Sicht von Samuel erzählt wird. Seine Stimme ist gefasst und eindringlich, sodass man sich ihr kaum entziehen kann. Im Laufe dieser wenigen Jahre, die wir Leser ihn begleiten dürfen, trifft Samuel auf viele interessante Personen, ein jeder von ihnen vielschichtig und ambivalent. Die Geschichte spielt in einer Zeit des Umbruchs, mitten im Sezessionskrieg. Die Sklaven können die Freiheit schon fast riechen, fürchten sich zugleich jedoch davor und die Weißen haben ihre ganz eigenen Beweggründe.

Charaktere wie Hubbard oder Gerald sind meisterhafte literarische Figuren, die die Widersprüchlichkeit dieser Zeit perfekt spiegeln. Hubbard ist ein stolzer, schwarzer Mann, der sich so weit hochgearbeitet hat, wie es ihm als Sklave möglich war. Als Vorsteher überwacht er die anderen und hat auch keinerlei Skrupel die Peitsche gegen seine Leidensgenossen zu richten, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Gleichzeitig hat er ein großes Herz, das vor Liebe für seine Familie überquillt. Im Endeffekt tut er also nur, was getan werden muss, um sich die Privilegien zu arbeiten, die ihn zu seiner Familie führen.

Gerald hingegen ist der Sohn der Plantagenbesitzer und als Erbe auch der Besitzer der Sklaven. Er ist in demselben Alter wie Samuel und wünscht sich nichts mehr als einen Freund. Für einen Weißen ist er erstaunlich aufgeschlossen, was an seinem fortschrittlichen Vater liegt, der selbst an die Befreiung der Sklaven glaubt. Dennoch kämpfen Vater und Sohn am Ende für die Seite, die für die Sklaverei ist.

Fazit

Jon Walters „Mein Name ist nicht Freitag“ ist ein Jugendbuch, das tief berührt und zum Nachdenken anregt. Es erzählt die Geschichte der Sklaverei aus der Sicht eines gottesfürchtigen Jungen, der uns eine einzigartige Perspektive liefert. Der Plot ist nie übermäßig brutal, was die hier dargestellten Gräuel nur noch eindrucksvoller beleuchtet. Auch ist die Relevanz dieses auf den ersten Blick verstaubten Themas deutlich spürbar. Ich kann es nur empfehlen: 5/5 Bücher!

Der Autor

jon-walter

© privat | CARLSEN Verlag

Jon Walter hat Englisch und Theaterwissenschaften studiert, danach verkaufte er eine ganze Zeit lang T-Shirts auf dem Brighton Pier. Er arbeitete als Fotojournalist und legt nun mit „Jenseits des Meeres“ sein erstes Buch vor. Jon Walter lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in der englischen Grafschaft East Sussex.

Originalcover

My Name's Not Friday

6 Gedanken zu „Mein Name ist nicht Freitag von Jon Walter

  1. BeaSwissgirl

    Halli hallo

    Ach ich wusste ja gar nicht dass du dieses Buch gelesen hast…
    Es steht auf meinem Wunschzettel und jetzt ist für mich endgültig klar es darf einziehen
    Danke für deine schöne und ansprechende Rezi

    Liebe Grüsse
    Bea

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    1. Rica Artikelautor

      Dieses Jahr stecke ich voller Überraschungen 😛
      Freut mich, dass ich Dir bei der Entscheidung helfen konnte. Es ist wirklich ein tolles Buch! Bin auf Deine Meinung gespannt <3

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  2. Livi

    Das klingt ganz wunderbar und genau nach meinem Geschmack. Hach, der Königskinderverlag hat immer solch besondere Bücher. 🙂 Danke für die schöne Rezension!

    Ich veranstalte anlässlich meines 7-jährigen-Blogjubiläums auf meinem Blog ein großes Gewinnspiel, bei dem es viele Bücher zu gewinnen gibt. Es würde mich freuen, wenn du auch mal vorbeischauen würdest: http://fearsomeangel.blogspot.de/

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    1. Rica Artikelautor

      Das war erst mein zweites Königskind, aber ich bin bisher wirklich sehr angetan 🙂 werde auch gleich mal bei Dir vorbeischauen!

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  3. Kathrin

    Wow, dieses Buch aus dem Königskinder-Verlag sieht wirklich toll aus und deine Rezension dazu motiviert mich dazu mir diese Geschichte mal näher anzuschauen.
    Liebe Grüße,
    Kathrin

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