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[Lisa’s Rezension] Farbenblind – Aus welcher Farbe spricht das Böse? von Colby Marshall

Die Autorin: Colby Marshall
Dt. Titel: Farbenblind
Band: 1/2
Dt. Erstausgabe: 09.11.2015
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 432
ISBN-10: 3453418360
ISBN-13: 978-3453418363
Preis: 9,99 €

Dr. Jenna Rameys Gehirn besitzt eine seltene Eigenart in der Wahrnehmung, durch die ihre Eindrücke farblich aufblitzen: Rot kann Zorn bedeuten, Liebe oder Kraft. Doch Jenna ist imstande, diese plötzlichen Assoziationen zu nutzen, um aus Personen und Situationen zu lesen wie niemand sonst. Nun hat das FBI den Massenmörder Isaac Keaton festgenommen und die forensische Psychiaterin zu Hilfe gerufen. Im Verhör erfährt sie, dass er es – ob hinter Gittern oder nicht – in der Hand hat, noch mehr Unschuldigen Leid zuzufügen, und besessen davon ist, auch sie unter Kontrolle zu bringen. Jenna allein kann mit ihrem einzigartigen Feingespür verhindern, dass Keatons Drohungen Wirklichkeit werden …

Meine Meinung

Jenna ist forensische Psychiaterin. Doch als wäre dies nicht schon spannend genug, besitzt sie eine ganz besondere Fähigkeit. Sie ist Synästhetikerin – das bedeutet in ihrem Fall, dass sie in ihrem Geiste Farben sieht, wenn sie beispielsweise mit Personen spricht. Doch sie kennt nicht nur die alltäglichen Farben, sondern sieht die verschiedensten Nuancen und kann sich so ein ganz anderes Bild von Menschen machen. Eines Tages bekommt sie einen Anruf. Zwei Männer haben auf einem Jahrmarkt in die Menschenmenge geschossen und einer der Täter wurde gefasst. Er verlangt explizit nach Jenna und als sie auf diesen Mann trifft, ahnt sie nicht im Geringsten welche Wendungen ihr Leben von nun an nehmen wird. Doch als wäre all dies noch nicht genug, holt auch ihre schreckliche Vergangenheit sie wieder ein…
Schon das Cover gefiel mir sehr, denn es wirkt düster und geheimnisvoll, durch die eingebetteten Farben aber auch faszinierend und schön. Nach dem ich die Beschreibung von Jenna gelesen habe, wie sie die Farben wahrnimmt, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Cover ihr Innerstes gut darstellen kann.
Als ich dann begann zu lesen, fielen mir zu aller erst die kurzen Kapitel auf, was mir sehr gefiel und mir ein schnelles Lesen ermöglichte.
Noch nie zuvor bin ich mit dem Thema der Synästhesie in Berührung gekommen, sodass ich mit sehr großem Interesse begonnen habe zu lesen, da die Autorin selbst diese Fähigkeit besitzt und ich mir so einen realistischen Einblick erhoffen durfte. Vermutlich habe ich mir selbst mehr Informationen gewünscht, als es dann letztlich tatsächlich gab, doch das ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass es sich bei „Farbenblind“ um einen Thriller und kein Sachbuch handelt. An dieser Stelle muss ich jedoch einmal anmerken, dass ich eher einen Eindruck hatte, als würde ich einen Krimi lesen, anstelle eines Thrillers.
Die Figuren haben mir grundlegend alle gut gefallen und waren sehr passend, wobei insbesondere Jenna mich fasziniert hat. Aber auch ihre Mutter Claudia und der Bösewicht Isaac haben mich gepackt und oft über sie nachdenken lassen. Diese soziopathischen Persönlichkeiten waren so gut konstruiert, dass sie eine ständige Spannung erzeugt haben und man immer wissen wollte, wie sie sich entwickeln und was sie geplant haben. Neben all diesen außergewöhnlichen Charakteren gibt es aber auch einige absolut bodenständige Figuren, die dem Leser zwischendurch eine kleine Erleichterung verschaffen.
Obwohl es viele Dialoge gab und auch über die Empfindungen der Figuren gesprochen wurde, hat mir etwas die Tiefe gefehlt und teils erschien mir die Darstellung zu schwach. Genau wie bei der Fähigkeit der Protagonistin, hätte ich mir an dieser Stelle etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht.
Insgesamt gab es einige Spannungselemente und vor allem unerwartete Wendungen, sodass man immer wieder mit Jenna mitgefiebert hat, in der Hoffnung, dass sie den Fall lösen konnte. Dass sie dabei auf Schritt und Tritt von Yancey begleitet wird, ohne dass ihm Grenzen gesetzt scheinen, war in meinen Augen etwas unrealistisch, da er kein Polizist ist und als Opfer des Jahrmarktanschlages auch nicht an Ermittlungen beteiligt sein sollte.
Dass das Ende kein hundert prozentiges Happy End war, gefiel mir sehr gut, denn so war es auch wieder überraschend und entsprach, wie vieles in diesem Buch, nicht den Erwartungen. Als Leser bleiben einige offene Fragen zurück und diese lassen Raum für einen zweiten Teil.
Alles in allem ist der Funke leider nicht ganz auf mich übergesprungen, da ich an einigen Stellen das Gefühl hatte, dass es in der Handlung kein wirkliches Vorankommen gab, sodass es teils etwas langatmig wurde. Da das Ende aber ein grandioser Höhepunkt war und mich sehr überrascht hat, hoffe ich auf einen Folgeband, der meine offenen Fragen klärt und etwas mehr Intimität bezüglich der Figuren einfließen lässt. Auch eine detailliertere Beschreibung von Jennas Farben wäre positiv.

Fazit

Trotz der Kritikpunkte war dies wirklich eine gute Geschichte, die mich unterhalten hat und einiges an Potential bereithält, sodass ich gerne 3,5 / 5 Punkten gebe.

Die Autorin

Tagsüber ist Colby Marshall Autorin, abends Tänzerin und Choreografin. Sie hat die Angewohnheit, jedes ihrer Hobbys zum Beruf zu machen, so dass ihr als Workaholic nie die Arbeit ausgeht. Neben ihren gefühlten 9502 normalen Jobs ist sie stolzes Mitglied der International Thriller Writers und der Sisters in Crime. Colby lebt mit ihrer Familie in Georgia. Und sie weiß, worüber sie bei der Graphem-Farb-Synästhesie schreibt, denn sie hat selbst diese seltene Gabe. Besuchen Sie sie online unter colbymarshall.com.

Die Reihe

Dr. Jenna Ramey Dilogie

  1. — | Plain Sight (Dr. Jenna Ramey #0.5)
  2. Farbenblind | Color Blind (Dr. Jenna Ramey #1)
  3. — | Double Vision (Dr. Jenna Ramey #2)

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Originalcover

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