[Lisa’s Rezension] Der weite Raum der Zeit von Jeanette Winterson

Der weite Raum der ZeitDie Autorin: Jeanette Winterson
Die Übersetzerin: Sabine Schwenk
Originaltitel: The Gap of Time
Dt. Titel: Der weite Raum der Zeit
Dt. Erstausgabe: 11.04.2016
Verlag: Albrecht Knaus
Genre: Adaption | Gegenwartsliteratur
Hardcover | 19,99 €
eBook | 15,99 €

Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen verstößt er MiMi und seine neugeborene Tochter Perdita. Durch einen glücklichen Zufall findet der Barpianist Shep das Baby und nimmt es mit nach Hause. Jahre später verliebt sich das Mädchen in einen jungen Mann – Xenos einzigen Sohn. Zusammen machen sie sich auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen und alte Wunden zu heilen, damit der Bann der Vergangenheit endlich gebrochen wird.

Meine Meinung

Jeanette WintersonsDer weite Raum der Zeit“ ist nicht einfach nur irgendein Buch, nein, es ist eine Adaption an ShakespearesWintermärchen“. Kann es noch besser werden?

Auch von Leuten, die sich noch nie mit Shakespeare im Allgemeinen oder seinem „Wintermärchen“ im Besonderen auseinander gesetzt haben, lässt sich dieses Stück trotz allem wunderbar nachvollziehen, denn Jeanette Winterson gibt zunächst einen groben Umriss über Shakespeares Werk, sodass man genügend Grundkenntnis besitzt, um der Geschichte zu folgen.

Ich muss sagen, dass mich ganz besonders beeindruckt hat, dass ein so alter Stoff, immerhin war die Uraufführung 1611, auch heute noch, so viele Jahrhunderte später, brandaktuell sein kann und sich mit Leichtigkeit in die Gegenwart verankern lässt. Doch es liegt nicht nur an Shakespeares Werk als solches, sondern vor allem auch an dem besonderen Bezug den die Autorin selbst zu den Werken Shakespeares hat, dass dieser Roman etwas besonderes ist.

Der Sprachstil ist manchmal poetisch, manchmal schmerzlich klar und allzu oft von der rasenden Wut der Protagonisten geprägt. Angesichts der Situation ist diese Art passend, jedoch fand ich es sehr oft gewöhnungsbedürftig und eher holperig zu lesen. Ein bisschen mehr Ruhephasen hätten sicherlich an der einen oder anderen Stelle gut getan.

Sehr gelungen fand ich die Gegenüberstellung von Wirklichkeit und Irrationalität, mit der Jeanette Winterson immer wieder gerne spielt, denn gerade unsere Wahrnehmung ist es doch, die sich oft von der anderer Personen unterscheidet. Sind wir davon überzeugt, Opfer eines Verrates geworden zu sein, so ist dies für uns in diesem Augenblick des Empfindens real, doch die Realität kann doch oft anders sein, als wir auf den ersten Blick denken.

Die Protagonisten spielten jeder für sich eine sehr überzeugende und selbstständige Rolle, leider konnte ich aber zu keiner der Figuren eine wirkliche Beziehung aufbauen, denn alles in allem waren sie mir recht unsympathisch, egal ob es dabei um die böse Seite, oder gar die Opfer ging.

Fazit

Alles in allem kann ich sagen, dass mir „Der weite Raum der Zeit“ von Jeanette Winterson gut gefallen hat und ich die Adaption sehr gelungen fand. Wie schon erwähnt hat mich besonders die nachhaltige Aktualität des von Shakespeare dargestellten Themas beeindruckt. Leider hat sich aber das Lesen doch sehr gezogen, was vermutlich den Sprachstil geschuldet war. Trotzdem ist es ein mehr als lesenswertes Buch, das ich gerne empfehle und dem ich 3,5/5 Büchern geben möchte.


Wer übrigens weitere Adaptionen lesen möchte, wird sicher noch weitere tolle Geschichten finden können, denn das Shakespeare-Projekt bei Knaus bietet noch eine Reihe weiterer Erzählungen von bekannten Autoren, die sich an eines seiner Stücke herangewagt haben. Schaut einfach mal bei Hogarth Shakespeare vorbei!

Lisa's Signature

Die Autorin

Jeanette Winterson, geboren 1959, hat bereits zahlreiche Romane sowie Sach- und Kinderbücher veröffentlicht. Sie gilt als eine der profiliertesten Autorinnen und Feministinnen Großbritanniens. Sie wuchs in Manchester auf, wo ihre Adoptiveltern der Pfingstbewegung angehörten und sie streng erzogen. Über diese Erfahrung schrieb Winterson in ihrem ersten Roman „Orangen sind nicht die einzige Frucht“ und 27 Jahre später in „Warum glücklich statt einfach nur normal?“. Beide Bücher wurden zu Bestsellern.

Shakespeares „Das Wintermärchen“ erzählt die Geschichte des Findelkindes Perdita. „Wir alle haben Texte, die wir wie Glücksbringer in uns tragen und die uns tragen. Seit Jahren kreist meine Arbeit immer wieder um dieses Stück.“ Nun erzählt Winterson ihre eigene Version von Shakespeares Klassiker.

Originalcover

The Gap of Time

2 Gedanken zu „[Lisa’s Rezension] Der weite Raum der Zeit von Jeanette Winterson

  1. Pingback: Rezension | Jeanette Winterson: Der weite Raum der Zeit - El Tragalibros

  2. Pingback: El Tragalibros - der Bücherwurm: Blog über Literatur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *