Imperium der Drachen 01 – Das Blut des schwarzen Löwen von Bernd Perplies

Das Blut des schwarzen LöwenDer Autor: Bernd Perplies
Dt. Reihentitel: Imperium der Drachen
Dt. Titel: Das Blut des schwarzen Löwen
Band: 1/2
Dt. Erstausgabe: 06.11.2014
Verlag: Egmont Ink
Genre: High Fantasy
Taschenbuch | 12,99 €
eBook | 9,99 €

Iolan ist ein Findelkind und wächst gemeinsam mit seinem Ziehbruder Markos als Sohn eines einfachen Fischers auf. Doch als er das Mannesalter erreicht hat, wird sein Dorf von königlichen Soldaten in Schutt und Asche gelegt, die Einwohner fallen den Schwertern der Eindringlinge zum Opfer. Iolan entkommt mithilfe des geheimnisvollen Arastoth, der ihm eröffnet, dass auch seine echten Eltern durch den König ermordet wurden. Von Rachegelüsten getrieben, folgt Iolan seinem Retter in die Hauptstadt des Imperiums, nur um festzustellen, dass die Wahrheit deutlich komplizierter – und schrecklicher – ist als alles, was der alte Mann ihm erzählt hat.

 Meine Meinung

Imperium der Drachen – Das Blut des schwarzen Löwen“ von Bernd Perplies ist ein solider High-Fantasy Roman, der alles bietet, was dieses Genre ausmacht.

Bisher kannte ich den Autor nur von seiner dystopischen Jugendbuch Trilogie, weswegen ich vielleicht etwas falsche Erwartungen hatte. Vielleicht kam dieser Roman auch einfach nicht zu richtigen Zeit – sowas kommt bekanntlich ja mal vor -, so oder so wurde ich leider nicht ganz überzeugt. Was jetzt nicht heißen soll, dass dieser Reihenauftakt schlecht oder nicht zu empfehlen sei – ganz im Gegenteil kann ich eigentlich nur recht wenig bemängeln. Fakt ist aber, dass ich nicht so gefesselt war, wie ich es mir erhofft habe, und mit einer knappen Woche auch wirklich lange daran gelesen habe.

Das hängt, wenn überhaupt, nur bedingt mit dem Schreibstil zusammen, der wirklich angenehm zu lesen ist. Der Autor hat eine sehr schöne Ausdrucksweise, passt sich damit gut seinen Charakteren und – ganz wichtig! – auch der gewählten Epoche an und sorgt mit seinen Beschreibungen für ein wunderbares Kopfkino. Doch diese schönen Beschreibungen uferten teilweise durchaus mal etwas aus, was zu der ein oder anderen kleineren Länge führen kann – was im Grunde aber auch nichts Außergewöhnliches bei einem High-Fantasy Roman ist.

Die Geschichte wird aus einer guten Anzahl wechselnder Perspektiven im personalen Erzählstil geschildert. Die Kapitel sind nicht zu lang und auch wenn es keinen offiziellen Pro- oder Epilog gibt, bilden das erste- und letzte Kapitel einen perfekten Rahmen. Um die Reise in diese fremde Welt etwas einfacher zu gestalten, gibt es eine schön illustrierte Karte von Yeos, außerdem ein Personen- und Götterverzeichnis. Gerade Letzteres wird für viele eine Hilfe sein, denn zu Anfang prasseln doch schon eine Menge Begriffe auf den Leser ein, was im Übrigen auch wieder nicht untypisch für das Genre ist.

Die Charaktere sind eine tolle Mischung, die jedes (Fantasy-) Leserherz höher schlagen lassen werden. Es ist wirklich für jeden etwas dabei! Auch ich fand sie allesamt interessant, aber konnte leider keinen richtigen Bezug zu einer der Figuren aufbauen.

Gerade bei Iolan tat mir das im Herzen weh, weil er ein absolut gelungener Held ist. Er ist alles andere als perfekt, aber macht eine tolle Entwicklung durch. Er ist klug und stark, hat allerdings noch viel zu lernen. Doch genau das macht seinen Charme aus. Schade nur, dass ich nie das Niveau erreicht habe, auf dem ich das Geschehen mit ihm erlebe, anstatt nur teilnahmslos zuzusehen.

Bei Markos sah das Ganze da schon etwas anders aus. Im Grunde hat er sogar ein noch größeres Helden-Potenzial als sein Stiefbruder, aber das kann er bei seinem eigenem Abenteuer ja auch gut gebrauchen. Er ist viel charismatischer und einnehmender als alle anderen und doch ist auch bei ihm noch eine gewisse Distanz. Vielleicht fühlte ich mich ihm auch einfach nur verbundener, weil seine Abenteuer spannender waren, was ich hoffentlich im zweiten Band beantworten kann.

Was mich wirklich gestört hat, ist die Tatsache, dass Mirene viel zu kurz kommt. Das liegt nicht daran, dass ich unbedingt noch eine Protagonistin brauche, um mich in eine Geschichte einzufinden, aber wenn man ankündigt, dass alle drei Geschwister wichtig sind, dann soll sich das auch bitte bewahrheiten. Auch hier hoffe ich, dass der „Kampf um Aidranon“ mehr für ihre Figur tut.

An der Geschichte gibt es wenig zu Rütteln. Sie ist ein Musterbeispiel für gutes Geschichtenerzählen. Mag sein, dass der eine Handlungsstrang spannender und überraschender war als der andere, aber das kann sich im Verlauf der Reihe ja immer noch ändern. So bin ich generell dazu geneigt, bei einem Reihenauftakt ein Auge zuzudrücken. Gerade bei der Komplexität eines guten High-Fantasy Romans bedarf es eines soliden Fundaments, auf dem man aufbauen kann – und das wurde hier definitiv geschaffen. Mal abgesehen davon, dass der Schluss ein richtiger Knaller war! Um fair zu sein: es gab auch im Laufe des Romans immer wieder Szenen, die mich an den Seiten fesseln konnten, gefolgt von ruhigeren Episoden, die mich gewiss nicht langweilten, aber halt auch nicht zu sich riefen, wenn ich mich mal wieder mit was anderem beschäftigt habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass uns hier noch Großes erwartet, aber auf den Funken muss ich (hoffentlich nur bis Juli) noch warten.

Etwas Positives darf ich aber denifitiv nicht unerwähnt lassen – und zwar das Cover. Es ist einfach nur perfekt! Es greift (abgesehen von der Tageszeit) fast haargenau eine Szene aus dem Buch auf und ist natürlich ein absoluter Hingucker. Der oder die GrafikerIn darf sich hier mal selbst auf die Schultern klopfen, denn dieser Drache ist einfach nur der Wahnsinn. Er wirkt so lebensecht und imposant, dass ich ihn stundenlang anstarren könnte. Außerdem bin ich begeistert von dem hervorragend verarbeitetem Paperback. Ich bin nun wirklich niemand, der sich beim Lesen einen Ast abbricht, um ja keine Leserille in den Buchrücken zu fräsen – umso erstaunlicher, dass hier nicht mal der Hauch einer solchen zu erkennen ist. Warum können nicht alle Bücher so stabil sein?

Fazit

Bernd Perplies‘ „Imperium der Drachen – Das Blut des schwarzen Löwen“ ist ein solider Auftakt einer neuen High-Fantasy Reihe. Angesiedelt in einer ungewohnten Epoche, weiß dieser Roman fast schon allein mit seiner Welt und den neu-interpretierten Wesen zu begeistern. Es gibt zwei Handlungsstränge mit viel Potenzial, von dem der Eine allerdings wesentlich spannender war als der Andere – zumindest bis zum großen „Showdown“. Die Charaktere sind vielfältig und originell, aber für mich leider etwas zu unnahbar. Außerdem wünsche ich mir, dass der Schwester etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, immerhin spielt auch sie angeblich eine wichtige Rolle für das Schicksal ihrer Welt. Alles in allem ist es ein guter Auftakt, bei dem aber noch viel Luft nach oben ist. 4/5 Bücher!

Der Autor

Bernd Perplies, geboren 1977 in Wiesbaden, studierte Filmwissenschaft und Germanistik in Mainz. Parallel zu einer Anstellung beim Deutschen Filminstitut in Frankfurt a. M. wandte er sich nach dem Studium dem Schreiben zu. Heute ist er als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist tätig.

Die Reihe

Imperium der Drachen Dilogie

  1. Das Blut des schwarzen Löwen
  2. Kampf um Aidranon

Ein Gedanke zu „Imperium der Drachen 01 – Das Blut des schwarzen Löwen von Bernd Perplies

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