Rezension

Ewig 01 – Wenn Liebe erwacht von Rhiannon Thomas

Wenn Liebe erwachtDie Autorin: Rhiannon Thomas
Die Übersetzerin: Michaela Kolodziejcok
Originaltitel: A Wicked Thing (A Wicked Thing #1)
Dt. Reihentitel: Ewig
Dt. Titel: Wenn Liebe erwacht
Band: 1/2
Dt. Erstausgabe: 23.02.2017
Verlag: FISCHER Sauerländer
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch | Märchenadaoption

Sie hat hundert Jahre geschlafen. Ein Prinz hat sie wachgeküsst. Doch ab da ist nichts mehr wie im Märchen … Nach hundertjährigem Schlaf wird Prinzessin Aurora von Prinz Rodric aus dem Schlaf geküsst. Für den Prinzen und seine Familie ist alles klar: Aurora und Rodric sind füreinander bestimmt. Doch ist es das, was Aurora will? Schnell muss sie erkennen, dass sie nur eine Schachfigur in einem Intrigenspiel um Thron und Macht ist. Denn nur wer Aurora, die rechtmäßige Thronerbin, heiratet, hat auch Anspruch auf den Thron. Rodrics Eltern sind tyrannische Herrscher, die Auroras Volk grausam unterdrücken. Und so beschließt Aurora, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und ihr Volk zu retten. Und da ist auch noch der geheimnisvolle Prinz Finnegan, zu dem sie sich gegen ihren Willen hingezogen fühlt.

Meine Meinung

Ewig – Wenn Liebe erwacht“ von Rhiannon Thomas ist der Auftakt eines märchenhaften Zweiteilers, der sich mit der Frage befasst, wie es nach dem Ende von „Dornröschen“ eigentlich weitergeht.

Gerade bei diesem Märchen, das in seiner Ursprungsform so unfassbar grausam ist, war ich auf die Beantwortung dieser Frage gespannt. Thomas’ Aurora basiert, zum Glück für sie, auf der eher netten Variante, in der sie nicht vergewaltigt, sondern eben nur 100 Jahre lang von den verschiedensten Prinzen geküsst wird, in der Hoffnung, dass einer dieser Küsse sie endlich erwecken möge. Dass dies nun ausgerechnet dem unprinzenhaften Prinz Rodric geschieht, schreit förmlich Ironie des Schicksals und man fragt sich direkt, ob es wirklich der Kuss war, der sie geweckt hat. Gleich zu Beginn beschreibt die Autorin auch ganz wundervoll, wie unangenehm es für Aurora sein muss, zu wissen, dass sie das vergangene Jahrhundert ungeschützt in diesem Turmzimmer lag. Die Vorstellung, dass sie von unzähligen Leuten betrachtet, berührt und von diversen Prinzen geküsst wurde, lässt sie, zurecht, erzittern. Meine Sympathie hatte dieses arme Mädchen sicher.

Überhaupt gefiel mir der feministische Zug unglaublich gut. Auroras rebellische Ader ist von Anfang an spürbar und ich genoss es, mit ihr das Schloss und die Stadt zu erkunden, den Königshof zu beobachten und mir langsam eine eigene Meinung zu bilden. So gestaltet sich das erste Drittel abwechslungsreich und in einem guten Tempo – meine Neugierde war geweckt!

Leider manövrierte sich Aurora mit der Zeit selbst in ein Netz, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Ihre Welt hat sich so verändert und auch wir Leser haben kaum die Möglichkeit, eine unabhängige Sichtweise und somit ein wenig Klarheit in Bezug auf die Motive der an Aurora zerrenden Parteien zu erhaschen. Bis kurz vor knapp stagnierte die Geschichte, was mich schier wahnsinnig gemacht hat. Thomas stellt definitiv die richtigen Fragen und liefert uns damit eine kritische Sichtweise, die man nur loben kann, aber der Plot gestaltete sich lange Zeit viel zu ereignislos. Dass Aurora nicht gleich losziehen und ihr eigenes Ding durchziehen kann, war mir schon klar, aber so war es eher frustrierend. Ich wollte schlicht MEHR.

Bekanntlich sollte man sich gut überlegen, was man sich wünscht und auch hier bekam ich gleich die Quittung. Thomas hat nämlich durchaus ein Mehr eingebaut – und zwar Magie. Als großer Fantasyliebhaber sollte man meinen, dass ich vor Freude Luftsprünge gemacht hätte, doch das Gegenteil war der Fall. Obwohl faktisch nicht sonderlich viel passiert, beinhaltet „Ewig. Wenn Liebe erwacht“ definitiv genügend Stoff und braucht nicht noch Magie, die das ohnehin schon vorhandene Chaos geradezu zum Explodieren bringt. Für einmal hätte ich mir wirklich gewünscht, dass die Magie versiegt wäre, denn Aurora hat genügend andere Probleme, die sie lösen muss – menschliche Probleme, die auch ohne magisches Feuer lösbar wären.

Fazit

Rhiannon Thomas „Ewig – Wenn Liebe erwacht“ liefert uns endlich die Antwort darauf, wie es nach dem „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ weitergeht. Wie ist es wohl für Aurora nach 100 Jahren in einer für sie bekannten und doch fremden Welt aufzuwachen, allein und mit dem Nicht-Wissen, was man ihr während ihres Schlafes möglicherweise angetan hat? Wie ist es wohl für sie, aufzuwachen und die wahre Liebe in Form eines jungen Prinzen, den sie nicht kennt, vorgesetzt zu bekommen mit der Auflage, ihn zu heiraten, weil genau das die Geschichte prophezeit, die nach ihrer Zeit geschrieben wurde? Thomas hat sich damit gründlich befasst und eine interessante Geschichte geschrieben, die Märchen-Fans begeistern kann. Der Plot hängt in der Mitte etwas durch und die Magie hätte dieses eine Mal nicht sein müssen, trotzdem bin ich schon gespannt wie es weitergeht. 3,5/5 Bücher!

Die Autorin

Rhiannon Thomas hat Englische Literatur in Princeton studiert. Zurzeit lebt sie in York, England, im Schatten einer gotischen Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Wenn sie sich nicht mit Fantasy-Romanen beschäftigt, schreibt sie in ihrem Blog über Feminismus und Medien: www.feministfiction.com. Ewig ist Rhiannon Thomas’ Debütroman.

Die Reihe

Ewig-Dilogie

  1. Wenn Liebe erwacht | A Wicked Thing (A Wicked Thing #1) → FISCHER Sauerländer, Feb. 2017
  2. Wenn Liebe entflammt | Kingdom of Ashes (A Wicked Thing #2) → FISCHER Sauerländer, Jun. 2017

Originalcover

A Wicked Thing

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