(2017) Ein bisschen wie Unendlichkeit

Ein bisschen wie Unendlichkeit von Harriet Reuter Hapgood

Ein bisschen wie UnendlichkeitDie Autorin: Harriet Reuter Hapgood
Die Übersetzerin: Susanne Hornfeck
Originaltitel: The Square Root of Summer
Dt. Titel: Ein bisschen wie Unendlichkeit
Dt. Erstausgabe: 23.02.2017
Verlag: FISCHER KJB
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch
Hardcover | 16,99 €
eBook | 14,99 €

Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären. Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

Meine Meinung

Ein bisschen wie Unendlichkeit“ von Harriet Reuter Hapgood ist ein ganz besonderes Buch; keine allzu leichte Kost, dafür umso eindringlicher.

Mit Margot H. Oppenheimer hat Reuter Hapgood eine Protagonistin erschaffen, die in keine Schublade passen möchte. Obwohl sie in ihrer verrückten Familie noch die Normalste zu sein scheint, ist auch sie fürwahr einzigartig. Ihre Gabe sind Zahlen und ein ausgeprägtes Verständnis für Wissenschaft. Doch mehr als das prägt sie ihre Verlustangst bzw. die Trauer über all die Verluste, die sie schon verkraften musste. Sie verliert sich selbst und stößt dabei unbemerkt alle von sich. Erst als um sie herum Wurmlöcher erscheinen, die sie in die Vergangenheit reißen, wird sie wieder aktiv. Wird sie verrückt oder geschieht all das wirklich?

Diese Frage habe auch ich mir mehr als einmal gestellt. Obwohl die Auflösung eine solide, wenn auch verwirrende, Erklärung beinhaltet, bin ich mir noch immer nicht ganz sicher. Sind es Metaphern, Wahnvorstellungen, Bewältigungsmechanismen? Wer weiß das schon? Letztendlich ist es wohl auch nicht wichtig, zumindest würde die Antwort wohl kaum das bittersüße Ende beeinflussen, das diese seltsame und zugleich wundervolle Geschichte perfekt abrundet.

Doch ich greife schon wieder vor – also, wie gefiel mir „Ein bisschen wie Unendlichkeit„? Das lässt sich gar nicht so leicht in Worte fassen, aber wenn ich von dem Glücksgefühl beim Zuklappen des Buches ausgehe, war es wohl gut. Die Geschichte ist nicht immer so leicht zu fassen, was aber entgegen der allgemeinen Meinung für mich weniger mit den physikalischen Theorien als mit der trauernden Familie und ihrem Umfeld zu tun hatte. Erzählt wird das Ganze aus der Ich-Perspektive Gotties, dabei ist sie nicht mal die wichtigste Person in diesem Buch. Das wäre dann wohl Grey, Gotties Großvater, der letztes Jahr verstarb und somit gar nicht erst zu Wort kommen KANN, außer in Form seines Tagebuchs oder bei einer von Gotties Zeitreisen. Grey war die Sonne von Gotties Universum, was passiert nun also mit den Sternen und Planeten aka der Familie Oppenheimer?

Dieser Frage geht Reuter Hapgood nach, gewürzt mit Gotties Weltschmerz-Theorie. Ein Begriff, den wir Deutschen im Übrigen geprägt haben, was wohl der Grund für den deutschen Vater und somit all die Bezüge zu Deutschland ist, was mir als Deutsche natürlich gut gefiel. Btw. klingelt es da nicht bei Oppenheimer? „Der Vater der Atombombe“ – ob dieser Name nun ein gutes oder schlechtes Omen für Margot ist, werdet Ihr schon selbst nachlesen müssen.

So, was ist Weltschmerz nun genau? Margot findet dafür eine ganz eigene, spannende Theorie, aber hier habe ich noch ein Video für Euch, in dem der allwissende Sheldon genau darüber redet. Hat zwar nichts mit der Geschichte zu tun, aber es passt einfach zu gut und ein wenig Lachen schadet nie:

Fazit

Harriet Reuter Hapgoods „Ein bisschen wie Unendlichkeit“ ist für ein Jugendbuch anspruchsvoller als man es gewöhnt ist, was aber mehr für als gegen das Buch spricht. Der Schreibstil liest sich sehr angenehm, stellenweise schon fast poetisch, nur Gotties Gedanken sind oft ein wenig vertrackt. Lasst Euch von den physikalischen Theorien nicht abschrecken, sie sind verständlich erklärt und wenn man trotzdem mal auf der Strecke bleibt (ist mir auch passiert), wird der eigentliche Plot dadurch nicht unverständlicher. Verrückte Figuren und ein Plot, bei dem wir Leser letztlich für uns selbst entscheiden, was davon „real“ war und was nicht. Ein spezielles, aber schönes Buch, das ich gerne empfehle. 5/5 Bücher!

Die Autorin

Harriet Reuter Hapgood lebt in Brighton, England. Als Modejournalistin schrieb sie unter anderem für die Zeitschriften »InStyle« und »MarieClaire«. Ihr Großvater war ein deutscher Mathematiker und hat sie zu diesem Roman inspiriert. ›Ein bisschen wie Unendlichkeit‹ ist ihr Debüt.

Originalcover

The Square Root of Summer

Ein Gedanke zu „Ein bisschen wie Unendlichkeit von Harriet Reuter Hapgood

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