Rezension

Die Prophezeiung der Hawkweed von Irena Brignull

Die Prophezeiung der HawkweedDie Autorin: Irena Brignull
Die Übersetzerin: Sibylle Schmidt
Originaltitel: The Hawkweed Prophecy
Dt. Titel: Die Prophezeiung der Hawkweed
Band: 1/2
Dt. Erstausgabe: 16.03.2017
Verlag: FISCHER Sauerländer
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Genre: Kinder- und Jugendbuch | Urban Fantasy

Zwei Mädchen. Zwei Welten. Eine Prophezeiung. Ember und Poppy kommen in derselben finsteren Gewitternacht in weit voneinander entfernten Teilen des Landes zur Welt. Durch einen mächtigen Fluch werden sie noch in der Sekunde ihrer Geburt vertauscht. So wächst das Mädchen Ember in einem Clan von Hexen auf. Und Poppy, die Hexe, in einer Kleinstadt in England. Immer und überall spüren die beiden, dass sie anders sind und nicht dazugehören. Doch von der uralten Prophezeiung, die ihr Schicksal bestimmt, ahnen sie nichts. Erst als sie sich eines Tages gegenüberstehen, wissen sie, dass es einen Ort geben muss, an dem sie glücklich sind. Und dass es höchste Zeit ist, für dieses Glück zu kämpfen. Denn in irgendeiner Stadt im Süden ist Embers leibliche Mum gerade dabei, den Verstand zu verlieren. Und in den Wäldern im Norden formieren sich die Hexenclans für die letzte Schlacht um den Thron.

Meine Meinung

„Die Prophezeiung der Hawkweed“ von Irena Brignull ist ein Fantasyroman, der aus der Masse hervorsticht.

Brignull hat einen markanten, atmosphärischen Schreibstil, der mich schnell in seinen Bann zog. Ihre Art zu erzählen erinnerte mich oft an Märchen: blumig und zugleich distanziert. Die Geschichte wird im Wechsel aus verschiedenen Perspektiven im personalen Erzählstil geschildert.

Der Einstieg ist schnell gemacht, denn der mystisch-magische Prolog weiß schnell zu fesseln. Auch hat sich damit meine Befürchtung, der Klappentext könne zu viel verraten, gleich verflüchtigt, denn mit der Prophezeiung und dem Fluch fängt die Geschichte an.

Knapp die erste Hälfte las ich wie im Flug. Ich mochte die ruhige Erzählerstimme, die doch recht kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven. Ember und Poppy waren mir auf Anhieb sympathisch, ganz besonders Letztere, die im Gesamtkontext auch deutlich mehr Raum einnimmt. Sie hatten mein Mitgefühl und weckten mein Interesse, denn ich war wirklich gespannt, wie sich diese verhexte Situation klären würde.

Der Weltentwurf mitsamt seiner Geschlechterrollen und den Differenzen zwischen Hexen und Unwerten präsentierte sich gewollt stereotyp und wirkte auf mich mehr urig als eindimensional. Wie gelingt es den Hexen, in der heutigen Zeit derart isoliert und unentdeckt zu leben? Wieso gibt es keine männlichen Hexen? Verfolgen die Hexenclans größere Ziele oder sind sie mit ihrem frei gewählten Exil zufrieden?

Diese und noch weitere Fragen trieben mich zu Anfang stetig an, doch wurden im Endeffekt leider gar nicht oder nur oberflächlich beantwortet. Allerdings scheint selbst die Prophezeiung vergessen als Leo die Bühne betritt. Ein sympathischer Straßenjunge, der die Herzen von Ember, Poppy und sogar einer weiteren Hexe fast ungewollt im Sturm erobert. Zu Anfang war es die Aussicht auf ein Liebesdreieck, die mich abgeschreckt hat, doch stellte sich heraus, dass die Autorin genau das wirklich schön löst und generell gut erklärt. Dennoch ist es der Junge, der mein Lesevergnügen schmälerte, denn er nimmt einen derart großen Raum in der Geschichte ein, dass sie, für mich, völlig aus den Fugen gerät. Der metaphorische rote Faden verschwand auf Nimmerwiedersehen und mit ihm mein Interesse.

Fazit

Irena Brignulls „Die Prophezeiung der Hawkweed“ verbrachte zwei Monate angelesen und missachtet auf meinem Nachttisch bis ich mir einen Ruck gab und es endlich hinter mich brachte. Nun würde ich es gerne auf die Zielgruppe schieben, doch es ist für ein Kinderbuch viel zu brutal und explizit. Brignull spricht Dinge aus, die niemand hören bzw. lesen will und deutet die Dinge an, die tatsächlich einer Erklärung bedürfen. Sie findet sowohl schöne als auch schreckliche Worte; fesselt uns und stößt uns zugleich von sich. Wem kann ich dieses Buch also empfehlen? Lesern, die auf der Suche nach etwas Neuem sind; Lesern, die die Dinge nicht immer beschönigen wollen; Lesern, die Ecken und Kanten zu schätzen wissen. Ich wollte diese Geschichte mögen, aber für mich sollte es nicht sein. Geschmäcker sind jedoch zum Glück verschieden: 3/5 Bücher!

Die Autorin

Irena Brignull wuchs in den Chiltern Hills im Südosten Englands auf und lebt heute mit ihrer Familie in London. Nach ihrem Studium der englischen Literatur in Oxford schrieb sie Drehbücher für preisgekrönte Kinoerfolge wie ›Shakespeare in Love‹, ›Die Boxtrolle‹ oder ›Der kleine Prinz‹. ›Die Prophezeiung der Hawkweed‹ ist ihr erstes Jugendbuch.

Der Titel ›Die Prophezeiung der Hawkweed‹ wurde 2017 für den Branford Boase Awards nominiert.

Die Reihe

Die Hawkweed-Dilogie

  1. Die Prophezeiung der Hawkweed | The Hawkweed Prophecy (The Hawkweed Prophecy #1) FISCHER Sauerländer, Mrz. 2017
  2. –  –  – | The Hawkweed Legacy (The Hawkweed Prophecy #2) →

Originalcover

The Hawkweed Prophecy

4 Gedanken zu „Die Prophezeiung der Hawkweed von Irena Brignull

      1. Rica Artikelautor

        Hey Jenny 😀 ich hab mir sowas schon gedacht, aber hab’s mal stehen lassen, damit Du meinen Kommentar noch nachvollziehen kannst. So bleibst Du mir jetzt auf jeden Fall im Gedächtnis 😛

        Antworten
  1. Pingback: Die Prophezeiung der Hawkweed von Irena Brignull | Literaturrezensionen

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