Die Königin der Schatten von Erika Johansen

Die Königin der SchattenDie Autorin: Erika Johansen
Die Übersetzerin: Kathrin Wolf
Originaltitel: The Queen of the Tearling (The Queen of the Tearling #1)
Dt. Titel: Die Königin der Schatten
Band: 1/3
Dt. Erstausgabe: 15.06.2015
Verlag: Heyne
Genre: Dystopie | Fantasy
Paperback | 14,99 €
eBook | 11,99 €

Als Kelsea Glynn an ihrem neunzehnten Geburtstag den Thron des magischen Königreiches Tearling besteigt, tritt sie ein schweres Erbe an: Die mächtige Herrscherin des Nachbarlandes Mortmesne bedroht Tearling, das eigene Volk begegnet ihr mit Misstrauen, und an ihrem Hof findet sie einen Sumpf von Machtgier, Lügen und Intrigen vor. Kelsea weiß, sie darf sich keinen einzigen Fehler erlauben, wenn sie überleben will. Sie wird all ihren Mut, ihre Klugheit und Stärke brauchen, um eine wahre Königin zu werden – die legendäre Königin von Tearling . . .

Neunzehn Jahre lang führte die junge Prinzessin Kelsea Glynn ein abgeschiedenes Leben in der Obhut ihrer Pflegeeltern. Nun ist der Tag gekommen, an dem sie von der Leibwache ihrer verstorbenen Mutter an den Königshof zurückeskortiert wird, um die Herrschaft über das magische Königreich Tearling anzutreten. Doch Tearling ist ein armes Land, ständig bedroht von seinem mächtigen Nachbarn Mortmesne. Um ihre Herrschaft zu sichern, schloss Kelseas Mutter einst einen verhängnisvollen Pakt. Einen Pakt, dessen Konsequenzen Kelsea nun zu spüren bekommt, denn es trachtet ihr nicht nur die Rote Königin von Mortmesne nach dem Leben, auch ihr Hofstaat, schlimmer noch, ihr eigenes Volk misstraut ihr. Nur wenn sie einen Weg zu ihrem magischen Erbe findet, kann Kelsea ihre Untertanen vor Mortmesne schützen. Falls sie lange genug auf dem Thron sitzt. Falls sie lange genug überlebt . . .

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Inhalt

Kelsea ist die rechtmäßige Thronerbin, aber verbrachte die ersten 19 Jahre ihres Lebens weit entfernt vom Hof. Von klein auf wird sie darauf vorbereitet, die nächste Königin zu werden und weiß, dass sie an ihrem 19. Geburtstag von der ehemaligen Leibgarde ihrer Mutter abgeholt wird – und dass ab diesem Moment ihr Leben in jeder Sekunde in Gefahr ist. Worauf sie nicht vorbereitet ist, ist der mangelnde Respekt bzw. die Verachtung, die ihr entgegengebracht wird und noch weniger darauf, in welchem Zustand ihr Königreich wirklich ist. Sie hat viele Fragen, aber niemand will ihr antworten. So muss Kelsea also nicht nur um ihr Leben und ihr Königreich kämpfen, sondern auch noch all die Antworten suchen, die sie eigentlich dringend benötigen würde. Als wäre das noch nicht genug, droht von dem mächtigen Nachbarkönigreich eine unermessliche Gefahr, denn die rote Königin sieht es gar nicht gerne, wenn die Tearling von einer wahren Herrscherin regiert werden würden…

Eigene Meinung

Die Königin der Schatten“ von Erika Johansen ist ein großartiger Trilogieauftakt, der mich über alle Maßen begeistern konnte.

Es ist schon Ewigkeiten her, dass ich nur zur Unterhaltung auf Englisch gelesen habe, weswegen ich so meine Bedenken hatte, ob ich mich überhaupt in die Geschichte fallen lassen könnte oder mehr mit Übersetzen beschäftigt wäre. Glücklicherweise waren meine Sorgen unbegründet, denn die Autorin saugt den Leser mit ihrer Art zu Schreiben förmlich in dieses Buch. Einmal angefangen, konnte ich mich kaum von den Seiten lösen und war begeistert von dem schlichten und doch einnehmendem Schreibstil. Mit ihren Beschreibungen erschafft sie eine tolle Atmosphäre und gibt genau die richtige Menge an Details. Erzählt wird die Geschichte im personalen Erzählstil aus verschiedenen Perspektiven.

Kelsea ist eine großartige Protagonistin, die mich schon in den ersten beiden Kapiteln für sich gewinnen konnte. Für mich ist sie perfekt, auch wenn sie genau das nicht ist. In einer langen Reihe von blonden Schönheiten ist sie die erste Königin mit dunklem Haar und ein paar Pfund zu viel auf den Rippen. Ihr Körper ist geprägt von Narben, auf die noch viele weitere folgen werden, aber ihr bleiben immer noch die Raleigh-Augen, die sie mit ihrer Familie verbinden. Sie ist sehr behütet aufgewachsen – abgesehen von ihren Zieheltern ist sie anderen Menschen, wenn überhaupt, nur durch Zufall begegnet und hat diese dann auch nur aus der Ferne betrachten können. Ihr Leben war einsam und bestand aus immer neuen Aufgaben. Barty gab ihr die Liebe und das Mitgefühl, die ein Kind nun mal benötigt, während Carlin stets die strenge Erzieherin war, die ihr auf ganz eigene Weise alles nötige beigebracht hat. Ihre Methoden waren teilweise so unkonventionell, dass Kelsea erst während ihrer Handlungen als Königin realisiert, was ihr da eigentlich beigebracht wurde. Im Grunde wird Kelsea dennoch ins kalte Wasser geworfen, vor allem wenn man bedenkt, dass sowieso niemand damit rechnet, dass sie auch nur einen Tag älter als 19 wird. Trotz allem schreckt sie vor keiner Herausforderung zurück und stellt ihre Bedürfnisse hinter die ihres Volkes. Sie ist intelligent, gerecht, ein Büchernarr und einfach authentisch.

Neben ihr treten natürlich noch viele weitere Figuren auf, die allesamt eines gemeinsam haben: ihre Einzigartigkeit. Die Autorin erschafft mit einer Leichtigkeit mehr als plastische Figuren, für die man sie nur bewundern kann. Zuerst habe ich mich ein wenig gewundert, dass sie auf den ersten Blick so uninteressante Nebenfiguren für die anderen Erzählperspektiven gewählt hat, nur um dann mit Freude zu erkennen, wie doch alles miteinander verbunden ist.

In diesem Roman gibt es keine Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Natürlich gilt wohl die Rote Königin wohl in einem ganz weiten Sinne als „Böse“, aber das, was man von ihr zu sehen bekommt, weist auf einen viel differenzierteren Hintergrund hin – und so ist das bei allen Figuren. Die einen lernt man erst von ihrer guten Seite kennen, nur um dann mit ansehen zu müssen, wie sie abstürzen oder im besten Sinne etwas Furchtbares tun. Andere treten als die Bösen auf und haben letztlich fast entschuldbare Gründe dafür. Manche sind Gesetzesbrecher oder zwielichtig und trotzdem sympathisch. Generell ist bei Johansen alles etwas komplizierter als es auf den ersten Blick scheint.

So hat man am Anfang der Geschichte das Gefühl, dass man das alles schon kennt – und doch ist es irgendwie ganz anders. Keine Frage, die Autorin spielt mit den Stereotypen und weiß es, sie sich zu Nutzen zu machen. Wer denkt bei der Roten Königin bitte nicht an Alice im Wunderland? Wen erinnert The Fetch denn nicht an Robin Hood? Ganz ehrlich: ich. Klar, habe ich im ersten Moment daran gedacht und musste darüber etwas schmunzeln, aber da sie gleichzeitig doch so anders sind, war das schnell wieder vergessen. Im Grunde kann man sagen, dass die Autorin verschiedenste Stoffe und Motive genommen, sie in einen Topf geworfen und ein ganz eigenes Rezept kreiert hat. Und für mich – und scheinbar auch für die Filmindustrie – ist es ein klares Erfolgsrezept.

Auch wenn ich nirgendwo explizit gelesen hatte, dass es ein Jugendbuch sei, bin ich irgendwie davon ausgegangen. Umso überraschender kamen für mich dann all die brutalen und blutigen Szenen daher und auch das Thema Sexualität, bei dem kein Blatt vor den Mund genommen wird. So redet die Rote Königin schamlos darüber, dass ein guter Fick beim einschlafen helfe und Kelsea wird ausgerechnet in der Badewanne von einem Assassinen überrascht. Generell musste ich oft an Game of Thrones denken. Weniger, weil die Geschichten sich ähneln, sondern eher vom Gefühl her. Die Königin der Schatten ist als Trilogie ausgelegt, nicht als Epos; nichtsdestotrotz muss man es stellenweise einfach episch nennen. Selten beschert mir ein Buch Gänsehaut – und ich rede hier nicht von der Gänsehaut, die ich dem Genre Horror verdanke -, aber bei diesem Buch waren gleich mehrer Szenen dabei. Mein Kopfkino arbeitete auf Hochtouren und ich habe keinerlei Probleme, mir diese Geschichte auf der ganz großen Leinwand vorzustellen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist das Genre. Hat man am Anfang noch das Gefühl, einen historischen Roman zu lesen, findet man sich schnell in einer dezenten Fanatasy-Welt wieder, nur um dann festzustellen, dass es im Grunde eine außergewöhnliche Dystopie ist. Johansens Weltentwurf ist wahrlich einmalig und selten hat mich eine Autorin so lange nach der Wahrheit suchen lassen. Was hat es wirklich mit New Europe auf sich? Und warum konnte ich nichts mit den geografischen Angaben anfangen? Ist The Crossing die Kolonialisierung Amerikas oder etwas ganz anderes? Fragen über Fragen, die den Leser bis kurz vor Schluss begleiten. Kein Wunder, dass ich mir mehr als einmal eine Karte gewünscht hätte, aber würde diese nicht vielleicht den Spaß verderben? [Edit: in der deutschen Fassung ist durchaus eine Karte vorhanden]

Was mir noch besonders positiv aufgefallen ist, ist der Mangel an Romantik. Zugegeben, Kelsea hat theoretisch schon jemanden ins Auge gefasst, aber dennoch ist das nicht wirklich ein Thema. Ich hoffe zwar, dass im Verlaufe der nächsten zwei Bücher diese „Situation“ etwas weiter ausgebaut wird, aber nur, wenn sie weiter so schön dezent bleibt. Von überbordenden Liebesgeschichten habe ich nämlich im Grunde die Nase voll, jedenfalls wenn sich alles nur darum dreht. Also, keine Sorge: das ist hier absolut nicht der Fall!

Das Cover ist ein richtiger Eyecatcher. Die Krone als Bärenfalle darzustellen ist nicht nur passend, sondern eine richtig gute Idee, regt diese kontroverse Darstellung doch direkt die Fantasie an. [Edit: Ein Motiv, das auch dem deutschen Cover gut getan hätte]

Fazit

Erika Johansens „Die Königin der Schatten“ ist ein genialer Trilogieauftakt, den ich absolut empfehlen MUSS. Den Leser erwartet ein außergewöhnlicher Genre-Mix, authentische und komplexe Charaktere, eine durchweg spannende Story und zur Abwechslung mal kein Kitsch – und das Beste: eine starke Heldin. Irgendwo zwischen dem ersten und zweiten Kapitel hat es mich gepackt und ich will mehr! Ganz klare 5/5 Bücher!

Die Autorin

Erika Johansen wuchs in der San Francisco Bay Area auf, wo sie heute noch lebt. Sie besuchte das Swarthmore College und wurde Anwältin. Zusätzlich absolvierte sie den renommierten Iowa Writer’s Workshop. Eine Rede Barack Obamas über die Freiheit inspirierte sie zu ihrem Debütroman Die Königin der Schatten.

Die Reihe

Die Königin der Schatten Trilogie

  1. Die Königin der Schatten | The Queen of the Tearling (The Queen of the Tearling #1)
  2. Verflucht | The Invasion of the Tearling (The Queen of the Tearling #2)
  3. –  –  – | The Fate of the Tearling (The Queen of the Tearling #3)

Originalcover

The Queen of the Tearling

10 Gedanken zu „Die Königin der Schatten von Erika Johansen

  1. Franzis

    huhuuuuuu wundervolle Rezi und toll, dass wir einer Meinung sind hihi, ich fand es auch klasse, trotz der vielen Fragen die offen bleiben…das finde ich einfach super, und machte mich neugierig und ist ja auch nun mal erst der erster Band..kommen ja noch zwei 🙂 Ich fand Kelsea auch so klasse und musst bei Fetch tatsächlich auch kurz an Robin Hood denken :). Jaa, ne Karte wäre manchmal ganz gut gewesen, anderserseits hast du recht..so konnte man sich die Welt wenigstens so bilden, wie man es gerne hatte..ich bin gespantn, wie es dann auf der Leinwand ist, ich freue mcih schon drauf glg Franzi

    Antworten
    1. Rica

      Ach, das Buch ist einfach toll *.* schön, dass Du das auch so siehst! Ich hoffe, wir müssen nicht zu lange auf Band 2 warten…und auf den Film 😀

      Antworten
  2. theatergeist

    Das klingt nach einem ausgesprochen lesenswerten Buch! Ich bin begeistert von deinre Rezension und deinem Schreibstil. Da bekommt man direkt Lust mehr zu lesen. Vor allem Dingen, weil ich sehr gern in original Sprache lese <3

    Viele Grüße,
    Auri der Theatergeist

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