Rezension

Das mordsmäßig verrückte Verschwinden der Lily Cooper von Renée Holler

Die Autorin: Renée Holler
Dt. Titel: Das mordsmäßig verrückte Verschwinden der Lily Cooper *
Dt. Erstausgabe: 20.03.2017
Verlag: arsEdition
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Genre: Kinder- und Jugendbuch | Mystery

Selina hat ihre Kindheit in Indien verbracht, wo ihre Mutter für ein Umweltschutzprojekt arbeitet. Doch völlig unerwartet soll Selina nach Oxford ziehen und bei ihrem Onkel wohnen, einem bekannten Experten für antike Texte. So kommt Selina an einem dunklen Winternachmittag aus dem bunten Indien im grauen England an. Ihr einziger Lichtblick ist, dass sie ihre gleichaltrige Cousine Lily wiedersehen wird. Bei ihrer Ankunft herrscht im Haus ihres Onkels jedoch helle Aufregung: Lily wird vermisst. Die Polizei nimmt an, dass sie einfach ausgerissen ist, doch Lilys Freund Eric hält eine Entführung für sehr wahrscheinlich. Am Vorabend ihres Verschwindens hatte Lily ihm eine SMS geschickt. Lily war anscheinend einer großen Sache auf der Spur! Gemeinsam mit Eric macht sich Selina daran, die Puzzleteile um Lilys Verschwinden zusammenzusetzen. Aber was sie dabei herausfinden, darf nicht sein!

Meine Meinung

Das mordsmäßig verrückte Verschwinden der Lily Cooper“ von Renée Holler ist ein mysteriöser Detektivroman für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren.

Die Geschichte beginnt mit Selinas Ankunft in Oxford, die schon ganz anders abläuft als erwartet. Statt wie geplant von Tante, Onkel und Cousine in Empfang genommen zu werden, sieht sie nur eine sich stetig leerende Ankunftshalle vor sich. Die Enttäuschung ist groß. Hat man sie etwa vergessen?

Tatsächlich ist genau das passiert, doch es kommt noch schlimmer: Lily ist verschwunden! Da sind die Coopers mit der Ankunft Selinas natürlich völlig überfordert und schieben sie schnell an die Haushälterin oder die Familie von Nebenan ab, was immerhin ein Gutes mit sich bringt – nämlich Eric, Lilys besten Freund. Dieser glaubt nicht daran, dass Lily ausgebüchst ist und so entwickeln Selina und Eric schnell den Plan, auf eigene Faust zu entwickeln…

Bekanntlich ist es nichts Neues, dass Eltern in Kinder- und Jugendbüchern verschwinden müssen, um ihren Kindern das Abenteuer überhaupt erst zu ermöglichen. So auch hier, nur leider ziemlich lieblos gelöst. Der Onkel stürzt sich in die Arbeit und scheint, sich überhaupt keine Sorgen um Lily zu machen, während die Tante in eine Depression verfällt und sich mit Medikamenten zugedröhnt ins Bett verzieht. Selinas Mutter ist derweil in Indien verblieben, um ihren Forschungsauftrag in Ruhe durchzuführen und eine neue Liebe zu finden. Die einzigen aktiv beteiligten Erwachsenen sind Erics Mutter, die allerdings mit ihrer Arbeit und den Zwillingen vollauf beschäftigt ist, und die Haushälterin, die Eric und Selina tatsächlich sogar zu ermutigen scheint.

Alles ziemlich seltsam, doch viel schlimmer sind die wenigen Szenen, in denen Lilys Eltern tatsächlich vorkommen. Diese laufen nämlich im Grunde immer so ab, dass Selina eigentlich wegen irgendetwas Banalem Ärger bekommt. Zum Beispiel, weil sie in Selinas Zimmer ist. Zu Recht vermutet der Onkel da sofort, dass sie rumschnüffelt, aber selbst wenn, wüsste ich nicht, warum man Kindern grundsätzlich verbieten sollte, sich zu beteiligen (vor allem in einem so überschaubaren Rahmen wie dem eigenen Haus), zudem könnte es doch auch einfach sein, dass Selina sich ihrer Cousine nahe fühlen wollte. Aber nein, da wurde lieber gleich Theater gemacht und das Zimmer abgesperrt. Müssen Elternfiguren in Kinderbüchern wirklich immer SO negativ dargestellt werden?

Auch die Geschichte an sich war mir letzten Endes nicht ganz koscher. Dafür war es ein stetes Hin und Her zwischen Kinder- und Jugendbuch. Hie und da mal ein paar absolut kindgerechte Szenen, dicht gefolgt von solchen, die den Rahmen sprengen. Der Jugendbuchcharakter entspringt dabei vor allem dem Mystery-Anteil, der faktisch viel zu grausig für ein Kinderbuch ab 10 Jahren ist. Mal ganz davon abgesehen, dass es rein strukturell schlecht integriert ist, denn dafür kommt es viel zu spät auf und wird dann auch völlig übertrieben, sowie übereilt, abgehandelt.

Nichtsdestotrotz ist „Das mordsmäßig verrückte Verschwinden der Lily Cooper“ ein unterhaltsames Buch, das ich gern gelesen habe, auch wenn es mich mal enttäuscht hat. Die Szenerie ist sehr schön ausgearbeitet, vor allem sehr stimmungsvoll. Oxford um Halloween rum ist genauso heimelig gruselig wie man es sich vorstellen würde. Selina und Eric sind sehr sympathische Charaktere, die heimlichen Highlights sind allerdings seine Schwestern, sowie der große, wuschelige Familienhund. Der Überraschungswert der Geschichte ist größer als man meinen sollte, auch wenn es in vielen Szenen doch recht offensichtlich ist, dass die gerade handelnde Person in ihr Verderben rennt…nun gut.

Fazit

Renée Hollers „Das mordsmäßig verrückte Verschwinden der Lily Cooper“ ist allein schon wegen seines viel zu langen Titels einen zweiten Blick wert. Gerade jetzt im Herbst ist ein stimmungsvolles, leicht gruseliges Buch für Kinder und Jugendliche, wobei ich es schöner finden würde, wenn es entweder Kinder- ODER Jugendbuch wäre. So empfand ich die ganze Leseerfahrung als ein wenig schwammig. Das lässt sich so oder so ähnlich auch auf die anderen Pros und Kontras beziehen, deswegen verbleibe ich bei guten 3/5 Büchern!

Die Autorin

© privat

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Renée Holler studierte in München Völkerkunde und Geographie. Auf ihren Reisen um die Welt tauchte sie in fremde Kulturen ein und erfüllte sich nach einem China-Aufenthalt ihren Kindheitstraum: Sie veröffentlichte ihre ersten Kinderbücher. Heute lebt sie in England und denkt sich mit großer Leidenschaft Krimis für junge Leser aus.


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