All the strangest things are true. von April Genevieve Tucholke

All the strangest things are true.Die Autorin: April Genevieve Tucholke
Die Übersetzerin: Anne Brauner
Originaltitel: Wink Poppy Midnight
Dt. Titel: All the strangest things are true.
Dt. Erstausgabe: 17.01.2017
Verlag: Thienemann
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Genre: Jugendbuch | Mystery
Hardcover | 14,99 €
eBook | 11,99 €

Wink: ein bisschen seltsam, zurückhaltend, mit wildem rotem Haar und einer ausufernden Fantasie. Poppy, das schöne Biest, das alle manipuliert, aber den nicht bekommt, den sie eigentlich haben will. Midnight, ein unsicherer Junge, hin- und hergerissen zwischen beiden. Sie alle erzählen ihre Geschichte. Eine Geschichte, in der die verrücktesten Dinge wahr sind. Was ist wirklich passiert? Jemand weiß es. Jemand lügt. Wem kannst du trauen?

Meine Meinung

All the strangest things are true.“ von April Genevieve Tucholke ist ein ganz außergewöhnliches Jugendbuch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistern konnte.

Ich zuckte zusammen. „Was hast du vor, Poppy?“ „Nichts. Ich versuche nur, ein besserer Mensch zu werden. Ich finde es langweilig, gemein zu sein, langweilig, langweilig, langweilig. Deshalb will ich mich verbessern. Ich verkuppele dich mit dem seltsamen Mädchen von der anderen Straßenseite. Ich möchte, dass du glücklich wirst.“ „Das stimmt nicht. Du weißt nicht mal, was das Wort bedeutet.“ Doch sie zuckte nur mit den Achseln, lachte und ging. (Pos. 313)

Erwartungen hatte ich keine als ich dieses Buch zur Hand nahm, so ging ich also völlig unvoreingenommen an die Geschichte von Midnight, Wink und Poppy heran. Schnell war klar, dass dieses Buch anders sein würde als alles, was ich bis dahin gelesen habe, und so konnte ich mich dem unwiderstehlichen Sog der Geschichte schon nach wenigen Seiten nicht mehr entziehen.

Diese wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Midnight, Wink und Poppy erzählt. In rasend schnellem Tempo wechseln die Erzähler, die uns das große Ganzen bruchstückhaft, oft nicht ganz zusammenhängend schildern. Der Plot läuft somit alles andere als linear ab, zum Beispiel wirft Poppy einen Blick zurück während Midnight noch gar nicht so weit gekommen ist. Jeder neue Abschnitt ist ein Puzzleteil, das sich teils sehr schnell, teils aber auch erst am Ende mit den anderen Stücken zusammenfügen lässt.

Die Weiße Hexe gab Edmund Türkischen Honig und überredete ihn zum Verrat an seinem Bruder und seinen Schwestern. Die Wölfin küsste mich und wollte meine Freundin werden. Doch im Gegensatz zu Edmund wusste ich, dasss es das alles nicht umsonst gab. Das wusste ich von Anfang an. Mir war vollkommen klar, was sie wollte. Mich konnte sie nicht verzaubern wie alle anderen, wie mit Zauberworten und einem Zauberstab, den sie über dem Kopf schwenkte. (Pos. 2343)

So wird man als Leser mehr als einmal in die Irre geführt, ganz wie es sich für so eine mysteriöse Geschichte gehört. Lange Zeit war nicht einmal klar, worum es in „All the strangest things are true.“ überhaupt geht. Der klassische Konflikt zu Beginn, der die Helden erst auf ihre sinnbildliche oder buchstäbliche Reise schicken wird, fehlt in diesem Szenario komplett. Das ist so unkonventionell, das es vermutlich polarisieren wird. Mir wurde erst am Ende klar, warum dieses Buch so wundervoll merkwürdig ist, dabei war das das Element, das mich von Beginn an zu fesseln wusste.

Später würde ich das Knarren und Ächzen hören und mich angenommen und getröstet fühlen, als spräche das Haus mit einer eigenen schnaufenden brüchigen Stimme zu mir. Dann wusste ich, wo Dad gerade war, bis in die letzte Ecke, allein aus der Abfolge von knallenden bebenden und quietschenden Geräuschen, die in einem Echo zu mir hinunterschallen wie der Refrain eines Sons, den ich in- und auswendig konnte. Doch damals war es einfach nur ein altes Haus, das zwei Meilen von Poppy entfernt auf der anderen Straßenseite vom Hof der Bells lag. (Pos. 277)

Doch hat nicht nur der absonderliche Inhalt meine Neugier geweckt, sondern auch das sprachliche Talent Tucholkes. Die meiste Zeit über schreibt sie angenehm schlicht, aber ihre Beschreibungen sind der reinste Genuss. Sie findet für Worte für Gefühle, Stimmungen, Situationen, die ein jeder kennen wird, aber nur schwer benennen kann. Selbst bei der Vorstellung ihrer Charaktere hielt sie sich abseits der Norm und fing so perfekt den Geist ihrer Figuren ein. Ich war und bin noch immer verzaubert!

Ihre Augen waren groß und grün, ihr Blick…unschuldig. So sah niemand mehr aus. Jedenfalls niemand in meinem Alter. Unsere Augen wurden erwachsen und hörten auf, an Magie zu glauben. Stattdessen ging es ihnen um Sex. Aber die von Wildviech hatten immer noch diesen verwirrten Glanz von Weite und Umherirren im Zauberwald. (Pos. 137)

Der Plot besticht durch eine undefinierbare Atmosphäre, die mich direkt mitgenommen hat. „All the strangest things are true.“ tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion, sodass man nie genau weiß, ob das Seltsame und/oder Magische nun tatsächlich passiert ist oder nicht. Es hat mich in den Wahnsinn getrieben – aber auf die beste Art, wie es eben nur eine gute Geschichte vermag. Insgesamt ist der Inhalt sehr ruhig, geradezu melancholisch, aber so ist das eben, wenn man erwachsen wird, wenn man Dinge loslassen oder erkennen muss, dass man sich selbst etwas vorgemacht hat. Nur um ein paar der Themen zu benennen, um die es hintergründig geht.

„Ist das wahr, Wink?“ „Natürlich ist das wahr. Alle merkwürdigen Geschichten sind wahr.“ (Pos. 490)

Fazit

April Genevieve Tucholkes „All the strangest things are true.“ ist ein außergewöhnliches und bezauberndes Jugendbuch, das eine verrückte Geschichte zu bieten hat, in der nichts so ist wie es scheint. Allein die Tatsache, dass es keinen zentralen Konflikt gibt als Ursprung der Geschichte gibt, keine schockierende Wende oder dergleichen, ist so absonderlich wie genial. Der Plot ist ruhig, verrückt und herrlich mysteriös. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und zum Greifen nah; der Schreibstil liest sich angenehm und die Beschreibungen der Autorin sind ein Genuss. Es ist ein spezielles Buch zum Verlieben, aber vermutlich nicht für Jedermann. 5/5 Bücher!

Die Autorin

April Genevieve Tucholke hat schon mehrere Romane veröffentlicht, die durchweg von der Kritik gefeiert wurden. Wenn sie nicht gerade schreibt, liebt sie ausgedehnte Waldspaziergänge mit ihren Hunden, das Erforschen von verlassenen Häusern und besondere Kaffeesorten. Sie hat an vielen Orten der Welt gelebt, im Moment wohnt sie mit ihrem Ehemann in Oregon.

Originalcover

Wink Poppy Midnight

2 Gedanken zu „All the strangest things are true. von April Genevieve Tucholke

  1. BookBlossom

    Guten Morgen!

    Ich fand deine Rezension wirklich toll zu lesen, vor allem die vielen schönen Zitate, die Einblick in die Geschichte geben. Das Buch hatte ich schon im Auge, war mir dann aber doch nicht ganz sicher. Jetzt landet es fix auf meiner Wunschliste. Diesen Schatz hätte ich gerne im Regal. 🙂

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

    Antworten

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