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[Adventskalender – Tag 1] Interview mit Gesa Schwartz

Es ist soweit: heute startet die schönste Zeit des Jahres. Unsere Städte erstrahlen im Glanze tausender Lichterketten, Glühweinduft liegt in der Luft und die Hoffnung auf Schnee lässt uns jeden Tag in den Himmel blicken.
Die Kinder zählen förmlich die Minuten bis es endlich Zeit für die Bescherung ist und trösten sich derweil mit der kleinen Freude, jeden Tag ein neues Türchen an ihrem Adventskalender zu öffnen. Wenn es Euch wie mir geht, habt Ihr Euch ebenfalls diese Traditionen bewahrt und erhascht hin und wieder auch noch einen Hauch dieser großen und kleinen Glücksmomente.
Um meine Leidenschaft für diese Zeit des Jahres mit Euch zu teilen, habe ich in Zusammenarbeit mit einer Handvoll Bloggerinnen diesen Adventskalender erstellt und hoffe nun, dass Ihr mit demselben Enthusiasmus unsere Türchen öffnet, wie in Kindertagen die Türchen des heimischen Adventskalenders.
Am heutigen Eröffnungstag habe ich ein Interview für Euch, das zwar nicht viel mit Weihnachten zu tun hat, aber hoffentlich dennoch spannend ist.


Interview mit Gesa Schwartz

Hatten Sie schon immer ein Interesse daran, zu schreiben? Oder hat sich das erst später ergeben?

Seit ich denken kann, bin ich Geschichtenerzählerin, und sobald ich dazu in der Lage war, habe ich meine Geschichten aufgeschrieben. Das Schreiben war und ist ein elementarer Teil von mir, eine Lebensnotwendigkeit, ohne die ich mir mein Dasein nicht vorstellen möchte. Dennoch war der Weg zu meinen Geschichten für mich nicht immer leicht. Ausführlich habe ich dazu etwas auf meiner Homepage geschrieben: gesa-schwartz.de

Was motiviert / inspiriert Sie?

Die Geschichten, die bei mir anklopfen und unbedingt erzählt werden wollen. Inspiration dazu finde ich überall und meist aus heiterem Himmel.

Haben Sie einen festen Tagesrhythmus oder schreiben Sie, wenn Sie Lust haben?

Da ich hauptberuflich schreibe, unterscheidet mein Tagesablauf sich vermutlich gar nicht großartig von einem normalen Tag im Büro. Ohne Disziplin läuft da nichts, sonst würde ich mein Pensum gar nicht schaffen. Allerdings schreibe ich auch oft nachts und am Wochenende (selbstständig bedeutet eben wirklich selbst und ständig 😉 ), Ferien gibt es nicht. Dafür aber Recherchereisen, aber auch da schreibe ich.

Was tun Sie gegen Schreibblockaden?

Kurz gesagt: weitermachen. 🙂 Wobei ich sagen muss, dass ich Schreibblockaden nicht wirklich kenne. Natürlich gibt es immer Phasen, in denen es nicht so voran geht wie gedacht. Aber gerade, wenn ich mich dann trotzdem hingesetzt und weitergemacht habe, sind mir oft die schönsten Dinge mit meinen Geschichten passiert, und nicht selten haben sich ausgerechnet in diesen Momenten einzelne Teile wie durch Zauberhand zusammengefügt. Und wenn mir eine der Figuren gerade in einer Phase der Selbstzweifel dann ihren wahren Namen nennt und ich zusehen kann, wie sie zu leben beginnt – dann ist dieser Augenblick jede Hürde wert, die ich zuvor nehmen musste.

Schreiben Sie nur Geschichten oder zum Beispiel auch Gedichte?

Früher habe ich tatsächlich auch Gedichte geschrieben, aber inzwischen konzentriere ich mich auf die Prosa.

Gibt es für Sie nur das eine Genre oder sind Sie da flexibel?

Da bin ich flexibel, auch wenn die Phantastik zurzeit das Genre ist, in dem ich am stärksten vertreten bin. Aber für mich kommt es auf die Geschichte an, die von mir erzählt werden will. Um die Genrefrage kümmere ich mich da weniger.

Wollten Sie schon immer als Autorin arbeiten? Was hat Sie letztlich zu diesem Schritt bewegt?

Vielleicht ist es ein wenig so, wie Michael Ende in Jim Knopf schreibt: Ein richtiger Lokomotivführer will Lokomotivführer sein und sonst gar nichts. Dass es bei mir dennoch ein langer Weg war bis zum Beruf der Schriftstellerin, kann man wie erwähnt auf meiner Homepage nachlesen.

Haben Sie sich bei Ihren Figuren von Menschen aus Ihrem Umfeld inspirieren lassen?

Ich lasse mich permanent inspirieren, allerdings ist das kein bewusster Prozess. Die Muse ist eben eine eigensinnige Kreatur. 😉 Fest steht allerdings, dass meine Figuren keine Vorbilder in der realen Welt haben. Sie erwachen irgendwann zum Leben, und sie würden mich auslachen, wollte ich versuchen, ihnen Eigenschaften mir bekannter Menschen anzuheften.

Was hat Sie zu „Nacht ohne Sterne“ inspiriert?

Wie bei all meinen Geschichten kam ich auch zu „Nacht ohne Sterne“ über ein Bild, das ich aber gemeinerweise an dieser Stelle nicht verraten werde. ^^

Der Konflikt der Licht- und Dunkelelfen erinnerte mich immer wieder an den Kampf zwischen Himmel und Hölle. War das beabsichtigt oder ist das ein ungewollter Nebeneffekt?

Nein, den Kampf zwischen Himmel und Hölle habe ich in meinen Chroniken der Schattenwelt thematisiert, wo Engel, Dämonen, Nephilim und der Sohn des Teufels die Hauptfiguren sind, und eins steht fest: Das ist ein ganz anderer Schnack als Nacht ohne Sterne. 🙂 Vermutlich liegt die Assoziation an der Motivik von Licht und Dunkelheit, ich liebe es ja, damit zu spielen und eben bekannte Denkmuster aufzubrechen. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint, und manchmal findet man gerade in tiefster Finsternis das strahlendste Licht.

Wieso New York? Da die Geschichte die meiste Zeit über in den fiktionalen Reichen der Elfen spielt, hätte man Nayas Heimatstadt gar nicht benennen müssen. Dadurch dass Sie es trotzdem getan haben, bekam diese für mich mehr Gewicht. Nun frage ich mich, ob New York für Sie eine Rolle gespielt oder einfach einen guten Schauplatz abgegeben hat? 

Nicht ich habe mich für New York entschieden, sondern die Geschichte. So ist es ja immer bei mir: Ich werde inspiriert, die Idee formt sich zu einem Bild, das weitere hervorbringt, und dann springe ich von Bild zu Bild und höre dabei auf die Stimme der Geschichte, die an meine Tür geklopft und mich auf ihr Abenteuer mitgenommen hat. Recht schnell hat sich bei „Nacht ohne Sterne“ dabei New York als Schauplatz offenbart, was mich sehr begeistert hat. Denn New York ist im Wortsinn eine durch und durch phantastische Stadt. Supergern hätte ich noch mehr vom oberweltlichen New York gezeigt, aber die Geschichte drängte schnell in die noch phantastischeren Gefilde, die allerdings teilweise gar nicht so weit vom „realen“ New York entfernt sind, wie man meinen könnte. Denn meine Recherchen beweisen, dass auch das menschliche New York viel mehr zu bieten hat als alles, was wir für gewöhnlich von dieser Stadt hören und sehen, und so manchen oberirdischen Schauplatz findet man ein wenig verwandelt in der Welt der Elfen wieder. Wenn man sich auf diese Stadt einlässt, kann man durch all ihre Masken tiefer und tiefer fallen, bis man am Ende sich selbst ins Gesicht schaut – und genau das kann auch geschehen, wenn man mit meinen Elfen auf die Reise geht.

Haben Sie noch weitere Projekte in Planung? Können Sie uns eines verraten?

Ja, aktuell schreibe ich gerade an einer neuen Geschichte, darf aber leider noch nichts dazu verraten.

Was ist Ihr Lieblingsbuch? Ihre Lieblingsreihe? Wer ist Ihr/e Lieblingsautor/in?

Ein Lieblingsbuch habe ich nicht, weil es ungerecht wäre, eines von den vielen Herzensbüchern herauszugreifen. Allerdings wurde ich vor Kurzem in einem anderen Interview gefragt, in welchem Buch ich gern die Hauptrolle spielen würde, und meine Antwort lautete: Ich wäre gern Scout aus „Wer die Nachtigall stört“. Zum einen, weil es seit meiner Kindheit eines meiner Herzensbücher ist und es wunderbar sein muss, die Atmosphäre dieser Geschichte buchstäblich atmen zu können. Zum anderen, weil ich gern mit Jem und Dill herumtoben und Atticus begegnen würde … und ich würde Boo Radley heimlich eine blaue Blume ins Astloch legen, die jeden Zement zerbrechen würde.

Lesen Sie persönlich lieber eBooks oder Printausgaben?

Eindeutig Print. Ich verstehe, dass eBooks sehr praktisch sind, aber ich brauche das Gefühl der Seiten unter meinen Fingern und den Stift in meiner Hand, mit dem ich mir am Rand Notizen mache, bis das Buch ein Teil von mir geworden ist.

Wo lesen Sie am liebsten?

Hm, da habe ich gar keine Präferenz. Überall, wo ich mich auf den Text einlassen kann.

Was ist Ihr Lieblingsgenre?

Ich habe kein Lieblingsgenre. Nur Lieblingsgeschichten. 🙂

Die Autorin

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Für ihr Debüt „Grim. Das Siegel des Feuers“ erhielt sie 2011 den Deutschen Phantastik Preis in der Sparte Bestes deutschsprachiges Romandebüt. Zurzeit lebt sie in der Nähe von Hamburg in einem Zirkuswagen.


So, das war’s dann auch schon! Wenn Ihr mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren wollt, schaut am besten hier vorbei. Meine Rezension zu „Nacht ohne Sterne“ findet Ihr hier.
Jetzt hoffe ich, dass Euch das erste Türchen gefallen hat und dass Ihr auch morgen wieder vorbeischaut 🙂

Ein Gedanke zu „[Adventskalender – Tag 1] Interview mit Gesa Schwartz

  1. Sandra

    Ein spannendes Interview. Das Leben im Zirkuswagen stell ich mir ja recht aufregend vor. Schade, das da nicht mehr zu erzählt wurde, das hat mich neugierig gemacht.

    lass dir liebe Grüße hier
    Sandra aus Sandras kreativer Lesezeit

    Antworten

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